Du checkst im Hotel ein, bekommst deine Zimmerkarte – und sie fühlt sich plötzlich ganz anders an. Natürlicher. Kein Plastik, sondern Holz. Sieht gut aus, ist ein nachwachsender Rohstoff. Aber sind Hotelzimmerkarten aus Holz wirklich nachhaltiger? BILD ©Naturhotel Outside
Im Green Pearls® Netzwerk setzen sehr viele Hotels auf Holz-Chipkarten. Oft steckt der Versuch dahinter, Kunststoff zu vermeiden und die naturnahe Ausrichtung zu unterstreichen. Doch es zeigt sich ein Problem:
Gleich mehrere Hoteliers berichten aus der Praxis, dass die Holzkarten im Alltag schneller verschleißen: Sie nutzen sich ab, verfärben sich und müssen früher ersetzt werden als klassische Plastikkarten – teilweise schon nach zwei Jahren, wohingegen Kunststoffkarten auch nach zehn Jahren noch im Einsatz sind.
Hotel-Chipkarte als “Souvenir” mitnehmen? Darum solltest du das nicht tun.
Häuser wie das Bio- und Wellnessresort Stanglwirt berichten, dass sie gar nichts über die Haltbarkeit ihrer Hotelzimmerkarten (aus Holz) sagen können, da Gäste sie oft als “Souvenir” behalten. Eine kleine Erinnerung im Portemonnaie. Wie schön. Vielleicht hattest du auch schon mal eine solche Karte (versehentlich oder nicht) zwischen Kreditkarte und Krankenkassenkarte.
Irgendwann sortierst du sie dann doch aus und sie landet … im Müll? Das ist schlecht. Denn in (Holz-)Chipkarten steckt ein elektronischer Chip. Das bedeutet: Sie zählen zum Elektroschrott.
Fazit: Holz-Chipkarten als Hotelschlüssel sehen chic aus, sind aber durch den Chip kein Naturprodukt mehr, das auf dem Biomüll verrotten könnte. Zudem müssen sie häufiger ausgetauscht werden als Kunststoffkarten, weil sie eine kürzere Haltbarkeit haben. Du solltest Hotelzimmerkarten zudem immer im Hotel zurücklassen. Denn erstens sind sie nicht dein Eigentum und zweitens kann das Hotel sie dann noch einige Jahre weiterverwenden und am Ende fachgerecht entsorgen.

Alternative: Traditionelle Zimmerschlüssel mit individuellen Anhängern
Überraschend viele Green PearlsⓇ Hotels (rund 10 bis 20% aus dem Netzwerk) verwenden übrigens immer noch den guten alten Zimmerschlüssel. Oft mit kreativen Ideen für Schlüsselanhänger:
- In den Inkaterra-Hotels in Peru werden in den verschiedenen Hotels, jeweils überdimensionierte Schlüsselanhänger lokaler Handwerkskünstler*innen verwendet. In der Hacienda Concepción gibt es Faultiere aus Balsa Holz. Leicht, aber unpraktisch für die Handtasche und so lässt man ihn automatisch an der Rezeption (möchtest du eines mitnehmen, kannst du kleine Balsa-Faultiere im Hotelshop kaufen)
- Im Hotel Bella Vista Zermatt gibt es handgefertige Holz-Herzen als Anhänger, die vom “Atelier Manus”, einer Stiftung zur Förderung von beruflicher und sozialer Integration, hergestellt werden.
- Das SANDnature an der Ostsse setzt auf Schlüsselanhänger aus Treibholz. Eine Idee, die viele Gäste schon mit nach Hause genommen und dort nachgebastelt hätten, erzählt Gastgeberin Marion Muller.
Das Hotel Klosterbräu in Seefeld berichtet, dass durch die klassischen Zimmerschlüssel auch “der Moment an der Rezeption” erhalten bleibe. “Man kommt zurück vom Berg, holt den Schlüssel ab und schon beginnt das Gespräch: War die Piste so perfekt wie versprochen?” Die Schlüssel würden helfen, dass „Menschln“ im Haus beizubehalten.



