Respektvolle Wildlife-Fotografie: Verantwortung, Tipps und Insights

Verantwortung als Wildlife-Fotografen (Und wie du es besser machst)

Verantwortung als Wildlife-Fotografen (Und wie du es besser machst)

Vor kurzem habe ich einen Artikel gelesen, der mich zum einen schockiert und zum anderen zum Nachdenken gebracht hat. In Indien verschwand ein extrem seltener Frosch aus seinem ursprünglichen Habitat. Der Grund: Fotografen, die seine Einzigartigkeit festhalten wollten. Eine Ironie oder vielleicht sogar schon Zynismus des Schicksals, dass dieser Frosch nun dort nicht mehr auffindbar ist … | Coverbild: Brüllaffe im peruanischen Regenwald ©Mara Biebow

 

Die tragische Geschichte des Galaxy Frogs

Bei dem Frosch handelt es sich um den sogenannten Galaxy Frog, der mit seinen blauen Punkten und orangefarbener Zeichnung an das Weltall erinnert. In einem Studiengebiet in den Western Ghats in Indien entdeckten Forschende sieben Exemplare der gefährdeten Art. Das war 2020. Als die Forschenden 2021 und 2022 zurückkehrten, waren die Frösche nicht auffindbar. Stattdessen gab es umgedrehte Baumstämme und zertrampelte Vegetation. Ein Informant gab an, Fotografie-Exkursionen seien der Grund dafür. Die Teilnehmenden hätten dabei nicht nur den Lebensraum ge- und zerstört, sondern auch die Frösche mit bloßen Händen berührt (Infektionsgefahr) und mit Blitzlicht fotografiert (Stressfaktor). „Manche Fotografen kümmern sich nicht um das Tier oder den Lebensraum, sondern nur um die Ästhetik des Bildes“, fasst Dr. Rajkumar K P, einer der Forschenden der Studie, zusammen.  

Mehr über diese Geschichte und zur damit verbundenen Studie findest du hier.

 

Dichter Waldboden mit leuchtend grünen Blättern umgibt einen umgestürzten Baumstamm, der teilweise von Vegetation verdeckt ist. Die Szene wirkt gestört.
©Dr. Rajkumar K P for ZSL
Galaxy frog in the Western Ghats, India, with photo taken by conservationist Rajkumar K P as part of conservation project
©Dr. Rajkumar K P for ZSL

 

 

 

Wildlife-Fotografie: Naturschutz oder Problem?

Die Wildlife-Fotograf*innen, die ich kenne, sind alle im Tierschutz aktiv, engagieren sich ehrenamtlich und leidenschaftlich für Wale, Streuner und Tiere aller Art. Fotografie und die Bilder von wilden Tieren können dem Naturschutz helfen, können ihn sichtbar machen und Begeisterung auslösen. Aber nicht so, wie es beim Galaxy Frog scheinbar geschehen ist. Denn letztendlich geht es nicht darum, unbedingt ein bestimmtes Bild von Tier XY zu bekommen. Wenn es klappt: Super! Wenn nicht, dann versucht man es eben ein anderes Mal. 

Wenn die Tiere sich verstecken, dann lässt man sie, und zerrt sie nicht aus ihren Höhlen. Daher stehe ich reinen Fotografie-Exkursionen seit jeher skeptisch gegenüber. Denn was tun die Veranstalter, um die garantierten, spektakulären Bilder zu gewährleisten? Natürlich gibt es verantwortungsvolle Anbieter, die klar und offen sagen, dass es keine Garantien gibt, wenn es um Wildtiere geht. An einem Tag sieht man das komplette Löwenrudel, samt Nachwuchs, am nächsten keinen einzigen. So ist das eben. Ähnlich sieht es auch Dr. Rajkumar K P: “Wir können nicht sagen, dass Wildlife-Fotografie selbst ein Problem ist. Viele Fotografen und Tour-Anbieter verhalten sich respektvoll gegenüber den Tieren und ihrem Lebensraum.”

 

Tipps für deine Wildlife-Fotografie auf Reisen

Immer wenn ich unterwegs bin, freue ich mich auf Tierbegegnungen, auf die Momente und ja, auch auf die Bilder, die dabei entstehen können. Aber eben nicht um jeden Preis. Daher verrate ich dir hier meine Tipps, mit welcher Herangehensweise ich meine Wildlife-Bilder mache.

 

  1. Habe Geduld.
    Wildtiere sind im Allgemeinen scheu. Daher habe Geduld und bleibe entspannt. Wenn du, zum Beispiel bei einem längeren Aufenthalt, anfangst, ihre Lieblingsplätze zu kennen, lege dich dort mit deiner Kamera auf die Lauer und warte.
  2. Enttäuschung gehört dazu.
    Natürlich ist es enttäuschend, wenn du extra eine weite Reise gemacht hast, um einen Riesenotter im Lake Sandoval in Peru zu sehen, und dann taucht keiner auf. Aber so ist das nun mal. Ärgere dich kurz darüber, aber erfreue dich dann an den vielen Vögeln und Schmetterlingen!
  3. Halte Abstand!
    Beobachte die Tiere genau und bewerte, ob du gerade ein Stressfaktor bist oder ob noch alles entspannt ist. Wenn du dir unsicher bist, gehe lieber wieder ein paar Schritte zurück.
  4. Annäherung? Aber langsam!
    Wenn du dich etwas annähern willst, dann langsam, mit sanften Bewegungen und Stück für Stück. Wenn du merkst, dass das Tier gestresst reagiert, gehe wieder zurück. Wenn es sich zurückzieht, verfolge es nicht!
  5. Kein Blitz.
    Die meisten Tiere haben empfindlichere Augen als wir (und wenn dir schon einmal ins Gesicht geblitzt wurde, weißt du, wie unangenehm das ist). Also: Blitz aus! Ja, auch beim Handy!
  6. Kein Lärm.
    Das versteht sich von selbst, oder?
  7. Kamera-Einstellungen
    Falls du dir unsicher bist und lieber mit Automatiken fotografierst, schaue, ob es eine Automatik für Tiere gibt; ansonsten tut es auch der Sportmodus. Wenn du schon fortgeschrittener bist: Lass die Blende etwas größer, sodass du mehr Tiefenschärfe hast, und stelle eine schnelle Belichtungszeit ein (min. 1/500; lieber mehr).

 

Nahaufnahme eines Hoatzin-Vogels, der zwischen üppigem grünem Laub sitzt. Er hat auffällige schwarze, cremefarbene und braune Federn, eine gefiederte Haube und leuchtend rote Augen. Die Szene wirkt friedlich und natürlich.
Hoatzin im peruanischen Regenwald. | ©Mara Biebow

 

Wildlife fotografieren mit Verstand und Rücksicht

Tolle Wildlife-Fotos sind eine wunderschöne Erinnerung an besondere Begegnungen. Doch dabei sollten wir immer bedenken, dass wir gerade Gäste im Zuhause eines anderen Lebewesens sind, egal ob es der winzig kleine Galaxy Frog oder ein Afrikanischer Elefant ist. Diese Verantwortung erstrecke sich auch auf Pflanzen und andere natürliche Objekte und Subjekte sowie auf die Landschaft, ergänzt Dr. Rajkumar K P. „Respektiere immer den Lebensraum und zerstöre oder verändere die Umwelt nur, um ein Foto zu bekommen.“

Wir wollen auch, dass sich Fremde in unserem Zuhause mit Respekt bewegen. Es gehört nicht viel dazu, für die Tiere und die Natur das Gleiche zu tun.


Related Posts