DIY Anzucht: Pikieren, "Kinderstube" und Auspflanzen

DIY Anzucht, Teil 2: Pflanzenkinderstube und Auspflanzen

DIY Anzucht, Teil 2: Pflanzenkinderstube und Auspflanzen

Beim letzten Mal haben wir die Anzucht gestartet – mit recycelten Materialien, samenfestem Bio-Saatgut und nährstoffarmer Anzuchterde. Die lange Zeit des Wartens und Gießens hat begonnen. Denn Licht und Wasser sind jetzt die beiden wichtigsten Dinge für deine Pflanzenkinderstube.

 

Pikieren und Umtopfen von Tomaten, Gurken und Co.

Manche Pflänzchen, wie Tomaten, pikierst du, wenn sie groß genug sind. Groß genug heißt in diesem Fall, dass sie das erste, richtige Blattpaar oberhalb der Keimblätter ausgebildet haben. Dann nimmst die Pflanzenkinder vorsichtig auseinander. Am besten geht das mit einem Eisstiel oder Spatel, da du damit die empfindlichen Wurzeln sanft aus der Erde lösen kannst. Zudem solltest du die Pflänzchen nur an den Blättern anfassen, um den Stiel nicht zu quetschen. Anschließend setzt du sie so in einzelne Töpfe, dass sie mindestens bis zum Ansatz der Keimblätter in der Erde verschwunden sind. Du kannst auch die Keimplätter entfernen und sie noch tiefer einsetzen.

Bei Gurken, Melonen und ähnlichen Gewächsen kann es sein, dass du schon früher eingreifen musst, damit sich die Pflanzen im Keimgefäß nicht zu sehr beengen und die Wurzeln zu einem unlösbaren Makramee verschlingen … Denn manchmal (wie bei mir in diesem Jahr) geht das Saatgut der Anzucht deutlich besser auf, als erwartet …

 

Recycling-Tipp für das Umtopfen

Auch für die neuen Gefäße greifst du am besten einfach auf Pflanz- und Blumentöpfe (ca. 8 bis 12 cm) aus den Vorjahren zurück. Falls dies deine erste Gartensaison ist: Frage doch mal bei Familie, Freunden oder Nachbarn nach! Gerade, wenn diese selbst viele Pflanzen oder einen Garten besitzen, haben sie mit Sicherheit jede Menge Blumentöpfe in der passenden Größe übrig.

 

Auch andere Keimlinge solltest du nach der Keimphase und dem Ausbilden der ersten richtigen Blätter in neue Gefäße umsetzen. Sie brauchen jetzt mehr Platz für ihre Wurzeln und mehr Nährstoffe für die nächste Wachstumsphase. Das heißt: Es ist jetzt auch Zeit Gemüse- oder Blumenerde anstelle der eher nährstoffarmen Anzuchterde zu verwenden. Anschließend heißt es wieder: Warten, Gießen und dich am Wachstum erfreuen.

Junge Setzlinge mit zwei grünen Blättern, die in beschrifteten Töpfen gepflanzt sind, stehen auf einer sonnenbeschienenen Fläche und vermitteln Wachstum und Pflege in einer gärtnerischen Umgebung.
Diese Pflanzen sind eigentlich noch etwas zu klein gewesen, doch der Topf, in dem sie gewachsen sind wurde für zwei einfach zu klein. Eigentlich sollten die beiden ersten richtigen Blätter über den Keimplättern deutlicher ausgebildet sein.

 

Ab wann dürfen Tomaten, Chili und Co. ins Freiland?

Im April und Mai kann es nachts noch empfindlich kalt werden. Deinen Setzlingen würde das gar nicht guttun. Besonders frostempfindliche Pflanzen wie Tomaten solltest du daher erst nach den sogenannten Eisheiligen Mitte Mai ins Freiland auspflanzen. Die Zeit und die warmen Tage zuvor kannst und solltest du nutzen, um deine Anzucht an Sonne, Wind und Außentemperaturen zu gewöhnen.

Dafür stellst du die Jungpflanzen bei gutem Wetter nach draußen und verlängerst diese Zeit schrittweise. Achte darauf, sie nicht in die pralle Mittagssonne zu stellen. Auch Pflanzen können Sonnenbrand bekommen 😉 Irgendwann ist es dann soweit, dass du sie den ganzen Tag über und auch in milden Nächsten draußen lassen kannst.

Nach den Eisheiligen geht es dann nochmal richtig los: Deine Pflanzen dürfen an ihren endgültigen Standort ziehen. Bei mir sind es einige Kübel (für Gurken und Chilis), Blumenkästen (für Kräuter und Blumen) und ein Hochbeet für die Tomaten und Direktaussaaten wie Salat, Spinat, Radieschen, und worauf ich sonst noch Lust habe. Die Gartensaison (oder Balkonsaison oder Fensterbank-Gartensaison) hat begonnen.

 

Und am Ende der Saison?

Für dein Saatgut habe ich noch einen Tipp, um es über den Winter sicher und sortiert aufzubewahren: das Innenleben von Überraschungseiern und Eierkartons. Meine Ü-Ei-Kapseln stammen übrigens von einer Food-Saving-Aktion: Sie wären samt Ü-Ei-Schokolade weggeflogen. Falls du keine Möglichkeit hast, so an die Kapseln zu bekommen, gib den Auftrag doch innerhalb deiner Familie weiter. Alternativ kannst du auch die originalen Samentütchen aufheben, sie mit den (getrockneten!) Samen befüllen und das obere Ende, zweimal umgefaltet, mit einer Büroklammer verschließen. Dann kommt alles fein säuberlich in eine Kiste und wartet auf die nächste Anzucht 😉


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