Ist Orangensaft nachhaltig?

Ist Orangensaft nachhaltig?

Ist Orangensaft nachhaltig?

Am Frühstücksbuffet im Hotel gibt es selbstverständlich Orangensaft – doch nicht alles, was standardmäßig angeboten wird, muss auch nachhaltig sein. In der DACH-Region wäre Apfelsaft die ökologisch bessere Wahl. BILD: ©Rido | Stock.Adobe.com

 

Orangen leiden am Klimawandel

Orangensaft ist der beliebteste Saft der Welt. 2024 rückte dies in die Medien, denn der Vitamin-C-haltige Frühstückssaft ist dieses Jahr deutlich teurer geworden. Eine erste Auswertung vom Erntejahr 2024 (Juli bis September) zeigt, dass die Ernte nochmals geringer ausgefallen ist, als im Mai prognostiziert wurde, welche als die wohl möglichst schlechteste Ernte seit 30 Jahren angekündigt worden war.

Saftorangen für die Orangensaft- bzw. Organgensaftkonzentrat-Produktion kommen zu rund 80 Prozent aus Brasilien. Dafür, dass Orangensaft knapper wird, nennt die Tagesschau folgende Gründe:

  • Die Ernte geht in Brasilien seit Jahren kontinuierlich zurück, wodurch die Lagerbestände an Konzentrat nun aufgebraucht sind.
  • Der Grund für den Ernterückgang ist der Klimawandel. Die Orangenbäume leiden durch hohe Temperaturen und Wassermangel.
  • Hinzu kommt die Krankheit Citrus Greening, welche sich in Brasilien immer weiter ausbreitet und ganze Plantagen vernichtet. 

 

O-Saft Produktion in der Hand von drei Großkonzernen

Der Orangenanbau in Brasilien ist hoch industrialisiert und in der Hand von drei Großkonzernen: Cutrale, Citrosuco und Louis Dreyfus. Laut Fair Trade sind die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen prekär. Die Arbeiter*innen würden oft elf Stunden am Tag arbeiten und unter dem Mindestlohn bezahlt. 

Ein weiteres Problem ist der Einsatz von Pestiziden. In Brasilien werden zum Teil noch Pestizide verwendet, die in Europa längst verboten sind. Dies, weil sie beispielsweise Bienen töten oder möglicherweise krebserregend sind. Arbeiter*innen werden Berichten zufolge bei ihrer Arbeit nicht vor Pestiziden geschützt.

 

Fair Trade Orangensaft oder Bio-Orangensaft 

Ökotest hat im Februar 2024 Organsäfte getestet. Erfreulich war, dass kaum Pestizidrückstände gefunden wurden und die Vitamin-C-Angaben korrekt waren. Zudem gab es auch bei den Discounter-Supermärkten (guten und sehr guten) Orangensaft mit Fairtrade-Siegel und sowohl Penny als auch Lidl zahlen den Pflücker*innen sogar eine höhere Prämie als die Fairtrade-Prämie.

Auch Bio-Orangensäfte schnitten gut ab – leider gibt es kaum Orangensäfte zu kaufen, die sowohl Fair Trade als auch Bio sind. Interessanterweise stammen sowohl die Fair Trade Säfte als auch die Bio-Orangensäfte ebenfalls oft aus Brasilien und hängen dort zumindest zum Teil auch mit den drei genannten Großkonzernen zusammen (diese geben nämlich auf ihren Webseiten an, mit diversen Siegeln zusammenzuarbeiten). Laut Fairtrade stammen Fairtrade-Orangen allerdings „nie von Großplantagen“, sondern „ausschließlich von Fairtrade-Kooperation“.

 

Ökobilanz von Orangensaft und anderen Fruchtsäften

Das Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) hat die Ökobilanz von Fruchtsäften untersucht. Hierbei ging es auch um die Frage, ob Direktsaft oder Orangensaft aus Konzentrat einen geringeren CO2-Fußabdruck hat.

Berechnung für den Konsum von Orangensaft in Deutschland: 

  • Für einen Liter Orangensaft wird bei Saft aus Konzentrat und Direktsaft die gleiche Menge an Orangen benötigt.
  • Durch die höhere Masse und das höhere Gewicht von Direktsaft, sind die Umweltbelastungen hier (etwas) höher.
  • Der ökologische Fußabdruck für 1 Liter Orangen-Direktsaft beträgt 0,72 kg CO2-Äquivalente.
  • Der ökologische Fußabdruck für 1 Liter Orangensaft aus Konzentrat liegt mit 0,69 kg CO2-Äquivalente knapp darunter. 
  • Am besten ist selbst gepresster Orangensaft mit 0,65 kg CO2-Äquivalente pro Liter – der lange Transport der Orangen von Brasilien bis in den deutschen Haushalt ist hier verantwortlich dafür, dass die Bilanz nicht wesentlich besser ist.

 

Apfelsaft ist in Deutschland die ökologisch bessere Wahl 

In jedem Land ist es am nachhaltigsten, wenn du den Saft der Früchte trinkst, die in deiner Region wachsen. In der DACH-Region ist dies z. B. Apfelsaft. Laut dem ifeu-Institut ist der Klima-Fußabdruck bei Apfelsaft nur halb so groß wie bei Orangensaft.

Wenn du Saft aus Früchten deiner Region konsumierst, ist übrigens Direktsaft umweltfreundlicher als Saft aus Konzentrat. Dies liegt daran, dass die Energie, die für die Herstellung des Konzentrats verbraucht wird, wegfällt.


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