Fast jeder, der sich für Nachhaltigkeit interessiert, hat schon von der Slowfood-Bewegung gehört, aber wusstest du, dass es auch eine Slowflower-Bewegung gibt? Wahrscheinlich nicht, denn Nachhaltigkeit steht bei Schnittblumen oft nicht im Vordergrund. Warum das aber so sein sollte und was die Slowflower-Bewegung genau ist, erzählen wir dir in diesem Insight. BILD: ©STURM
Das Problem mit den Schnittblumen
Wie auch in den USA werden in Deutschland 80 % aller verkauften Schnittblumen importiert. Zum einen, weil die Nachfrage größer ist, als der hiesige Markt decken kann. Zum anderen, weil viele der angebotenen Blumen hier nur saisonal wachsen können. Die meisten Importe stammen aus Ländern des globalen Südens wie Kenia, Kolumbien oder Ecuador. Dort werden sie in riesigen Monokulturen für den internationalen Markt angebaut, meist unter hohem Pestizideinsatz, schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Löhnen.
Untersuchung zu importierten Rosen zeigt hohe Pestizid-Belastung
Wie beispielsweiseeine Untersuchung von 21 importierten Rosensträußen durch Öko-Test zeigt, kommt kein einziger ohne Pestizide aus, jeder dritte enthält sogar eine zweistellige Zahl, drei Viertel sogar in der EU verbotene Spritzmittel. Da es in der EU weder ein Verbot noch einen Grenzwert für den Import von pestizidbelasteten Blumen gibt, ist dies legal. Aber macht es das besser? Zusätzlich wirkt sich auch der lange Importweg, inklusive Kühlkette, negativ auf die Ökobilanz der importierten Schnittblumen aus.
Aber auch Blumen, die außerhalb der Saison aus Europa, zum Beispiel aus den Niederlanden, importiert werden, haben eine schlechte Ökobilanz. Sie stammen aus energieintensiven Gewächshäusern, die das ganze Jahr über beheizt werden. Allerdings ist bei diesen die Pestizidkonzentration besser.
Die Slowflower-Bewegung
Auf diese Missstände aufmerksam zu Machen und ihnen entgegenzuwirken, hat sich die Slowflower-Bewegung zur Aufgabe gemacht. Ursprünglich aus den USA stammend, gibt es sie seit 2019 auch in Deutschland und seit 2022 als offiziellen Verein. Die Mitglieder*innen setzen sich für Schnittblumen aus der Region ein, die aus biologischem Saatgut gezogen und ohne den Einsatz von Pestiziden angebaut werden. Um größtmögliche Transparenz zu gewährleisten, wird nach selbst auferlegten Prinzipien gehandelt, wie etwa Wirtschaften in Kreisläufen, Insektenschutz, Einsatz organischer Dünger, Verzicht auf Einwegplastik und Verwendung nachhaltiger Verpackungen. Dabei verstehen sie sich als Gemeinschaft und tauschen untereinander Erfahrung, Wissen, Saatgut und Pflanzen aus.
Wir selbst haben die „Slowflower“-Blumen beim Green Pearls® Hotel STURM in Mellrichstadt kennengelernt. Hier erwartet dich ein regionaler Strauß zusammen mit einem Willkommensgetränk direkt beim Einchecken in der Lobby.
Falls du die Slowflower-Bewegung unterstützen willst, kannst du Standorte der Mitglieder und deren „Status“ hier finden. Das bedeutet natürlich, dass die Blumen nur saisonal und z.B. Rosen nicht ganzjährig erhältlich sind. Aber dafür lernst du vielleicht Blumen zu lieben, die du bisher nicht so beachtet hast, oder du entdeckst gar deine Lieblingsblume ganz ohne Chemie und Giftstoffe neu. Und dabei tust du nicht nur der Natur etwas Gutes, sondern auch dir selbst.



