Am Wochenende ist es wieder so weit: Das größte Sport- und ja, auch irgendwo Kultur-Event der USA steht an. Der Superbowl. Das Finale der National Football League, wenn man es ganz platt ausdrücken will. Eine große Party mit ein bisschen Sport für alle, die nur die Halbzeitshow sehen wollen. Und für alle Footballfans ein fester Termin im Jahreskalender, der blöderweise immer auf einen Sonntag in der Prüfungsphase der Unis fällt.
Aber der Superbowl oder vielmehr die dahinterstehende NFL setzt sich auch für Nachhaltigkeit ein. Nicht nur zum größten Event der Saison, sondern zudem rund um die gesamte Liga. Und das nicht erst, seit „Nachhaltigkeit“ zur Modeerscheinung geworden ist. Grund genug, dass ich da einmal einen genaueren Blick drauf werfen wollte. Wie sieht so ein nachhaltiger Superbowl aus?
NFL Green – Zwischen Umweltschutz, sozialer Verantwortung und Sport
Seit 1993, also seit inzwischen mehr als 30 Jahren gibt es das Programm NFL Green, in dessen Rahmen sich die Veranstalter und Organisatoren verpflichtet haben, die Auswirkungen, die vor allem die großen Events des Sports haben, auszugleichen. Es geht demnach vor allem um den Superbowl, den Pro Bowl und die Drafts, die Auswahl der Spieler zum Start der Saison. Das erklärte Ziel: ein „grünes Erbe“ an den Orten zu hinterlassen, die diese Mega-Events hosten. Dafür arbeitet die NFL eng mit Sponsoren und Bundesbehörden, vor allem aber auch mit den lokalen Communities und Non-Profit Organisationen zusammen. So sollen die gastgebenden Gemeinden langfristig und nachhaltig von dem Event profitieren.
Zu den Maßnahmen und Projekten gehören:
- Food Recovery: Spenden von Essen, Snacks, Getränken und Co. an lokale Tafeln. Dabei handelt es sich um verpacktes, ungeöffnetes sowie vorbereitete, aber nicht servierte Speisen, z. B. bei Sponsoren Events.
- Community Greening: In Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Community Centern werden z. B. Community Gärten angelegt, Parks und Grünanlagen gepflegt oder Aufforstung betrieben.
- Material Recovery: Nutzbare Materialien von Events wie Stoffe, Teppiche, Holz usw. werden an lokale NGOs, Schulen oder Künstlergruppen gespendet. So wird das Material weiterverwendet und endet nicht auf der Müllhalde
- „Super Kids-Super Sharing“: Ein Programm in den Gemeinden, die den jeweiligen Superbowl hosten. Dabei werden Spielsachen, Sportgeräte, Bücher, Schulsachen usw. an die Kinder der Community verschenkt.
- Recycling & Solid Waste Management: Ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Community, aber auch mit Sponsoren und Fan Initiativen wird bei den Sportevents darauf geachtet, möglichst sauber den Müll zu trennen, um ein Recycling zu ermöglichen.
- Green Energy: Im Vorfeld eines Events wird der Stromverbrauch geschätzt und mit sogenannten „Renewable Enercy Certificates“ ausgeglichen. Das wirkt im ersten Moment wie ein Ablasshandel und da besteht sicher Verbesserungsbedarf, aber zumindest wird durch den Kauf der Zertifikate der Ausbau erneuerbarer Energien unterstützt.
Der Super Bowl 2024 in Las Vegas
In diesem Jahr findet das riesige Event in einem der neuesten Stadien der NFL statt. Das Allegiant Stadion ist Heimat der Las Vegas Raiders. Die spielen allerdings nicht im Superbowl. Stattdessen sind es – mal wieder, kann man fast sagen – die Kansas City Chiefs, die auf die San Francisco 49ers treffen. Aber um das Match soll es an dieser Stelle nicht gehen. Sondern um das Stadion!
Das ist nicht nur eine der neuesten, sondern auch eine der nachhaltigsten Spielstätten. Zumindest wenn wir den Betrieb betrachten. Das Stadion wird komplett mit erneuerbaren Energien versorgt. Zudem wurde ein rigoroses Wassermanagement eingeführt, was im wasserarmen Nevada eigentlich ein No-Brainer sein sollte. Und auch bei der Abfalltrennung setzt es laut eigenen Angaben neue Maßstäbe in den Staaten. Aber wird so aus dem diesjährigen Superbowl auch ein nachhaltiger Superbowl?
Nachhaltiger Superbowl?
Nach diesem hübschen kleinen und positiven Rant über all die grünen Initiativen dürfen wir nicht vergessen, dass ein Mega-Event wie der Superbowl wohl niemals wirklich nachhaltig sein wird. Betrachten wir allein die Anreisen der Spielenden und Fans, die Müllproduktion im und um das Stadion (egal wie gut dieser danach getrennt wird) sowie den Wasser- und Stromverbrauch, kann man zu keinem anderen Schluss kommen.
Dennoch bin ich gewillt zu sagen: Für ein so großes Event wird schon ganz schön viel getan. Zumindest ist man sich in der NFL der Verantwortung und der eigenen Auswirkungen bewusst und versucht diese anzugehen. Anders als in anderen Sportarten und bei anderen Riesenevents …



