Ich habe neulich einen Artikel darüber gelesen, dass bestimmte Sehenswürdigkeiten verschwinden werden und wir nur noch wenig Zeit haben, sie anzuschauen. Die Gründe dafür sind vielfältig, haben jedoch alle mit dem menschengemachten Klimawandel zu tun: ein erhöhter Meeresspiegel, Gletscherschmelze, austrocknende Flüsse. Der Text ging mir lange nicht mehr aus dem Kopf. Denn oberflächlich geht es zwar um den Klimawandel und seine Auswirkungen auf den Tourismus. Doch unterschwellig scheinen Reisemotivationen angeregt zu werden, die alles, aber nicht nachhaltig sind. Dies ist nun der Versuch, meine Bauchschmerzen mit solchen Artikeln in Worte zu fassen.
Sehenswürdigkeiten und Destinationen – Vom Verschwinden bedroht
Unter den genannten touristischen Hotspots waren Venedig, die Osterinseln, die Malediven und das Great Barrier Reef, um nur einige zu nennen. Und ja, wir wissen inzwischen glaube ich alle, dass diese Orte in eher naher als ferner Zukunft nicht mehr besucht werden können, weil sie zum Beispiel überschwemmt sind oder im Fall des Riffs durch die Korallenbleiche schlicht aufhören zu existieren.
Was mich an dem Artikel jedoch enorm gestört hat: Es ging darum, dass wir diese Orte unbedingt noch einmal sehen sollten, bevor sie unwiederbringlich verloren sind. Es ging nicht darum, dass wir alles Menschenmögliche (und vielleicht sogar mehr) dafür tun sollten, dass es nicht soweit kommt.
Ja, damit sind wir spät dran. Und ja, wir werden Orte auf dieser Welt verlieren. Darin sind sich Wissenschaftler*innen einig. Einzigartige Habitate, die das zu Hause von Menschen, Tieren und Pflanzen sind.
Auch das findet keine Erwähnung in dem Artikel. Stattdessen geht es um die Auswirkungen auf uns Touristen. Wir können nicht mehr auf den Malediven Cocktails schlürfen oder das Taj Mahal anschauen. Wir können nicht mehr den Hollywood Walk of Fame entlang gehen, weil Waldbrände die Gegend immens gefährlich machen. Wir können nicht mehr durch die Gassen Venedigs schlendern.

Stellen wir die richtigen Fragen?
Darf es bei der Debatte um die Auswirkungen des Klimawandels in erster Linie darum gehen, welche Destinationen wir aus dem reichen Westen nicht mehr bereisen und dass wir nur noch eine begrenzte Zeit Bar Hopping in Miami machen können, weil die Strandpromenade in vierzig Jahren unter Wasser liegt?
Sollte es nicht zu allererst um die Menschen, die Tiere und die Pflanzen vor Ort gehen, die durch den Klimawandel ihre Heimat verlieren? Um die Rettung einzigartiger Ökosysteme wie der Inselwelt der Malediven und erst danach um uns Touristen? Sollten wir wirklich alle zu den ohnehin vulnerablen Destinationen strömen, um sie noch einmal zu sehen, bevor sie untergehen (oder austrocknen)? Oder sollten wir vielleicht eher darum kämpfen, dass sie erhalten bleiben?
Versteh mich nicht falsch: Der Tourismus ist für viele dieser Regionen essenziell (über die sozio-ökonomischen Effekte des Reisens haben wir hier schon einmal geschrieben). Doch bei Artikeln wie diesem stellt sich mir die Frage, ob sie nicht eher dazu motivieren, mehr zu zerstören. Denn erreicht ein solcher Text wirklich die Menschen, die über Nachhaltigkeit und ihre Auswirkungen nachdenken und deshalb einen echten positiven Unterschied auf ihren Reisen machen, auch oder gerade wenn eine solche Reise auf die Malediven geht?
Ich denke, es erreicht eher die Menschen, die möglichst viele Häkchen auf ihrer Bucketlist setzen wollen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und das ist für mich der falsche Anlass, diese Orte zu besuchen. Und für dich? Was ist deine Meinung dazu?




