Ein achtsamer Trend im Einklang mit der Natur
Zeit in der Natur und insbesondere im Wald tut uns gut – an dieser Aussage zweifelt wohl kaum einer. In Schottland können Ärzte seit einiger Zeit sogar schon Spaziergänge im Wald verschreiben und die Bücher des Försters Peter Wohlleben über „Das geheime Leben der Bäume“ sind in Deutschland Bestseller. Immer häufiger liest und hört man auch von Waldbaden. Doch was bedeutet Waldbaden, wie funktioniert es und welche Effekte hat die besondere Auseinandersetzung mit den Bäumen? Wir haben mit Lara Keuthen gesprochen: Lara schreibt für das nachhaltige Online-Magazin Peppermynta und hat vor Kurzem zudem eine Ausbildung zur Waldbaden-Begleiterin absolviert und gibt euch (und uns) einen tieferen Einblick in das Konzept.
Green Pearls: „Was ist Waldbaden genau?“
Lara: „Waldbaden. Shinrin Yoku. Das ist japanisch und bedeutet sinngemäß »Eintauchen in die Waldluft«. Waldbaden ist eine achtsamkeitsstärkende, stressreduzierende, leichte Entspannungsmethode, die uns erdet und uns spielerisch mit unseren Sinnen verbindet. Sehen, hören, fühlen, riechen – im Alltag nutzen wir unsere Sinne viel zu selten einzeln oder ohne eine Aufgabe zu verfolgen. Das Waldbaden ist vor allem eines: absichtslos. Was uns binnen kurzer Zeit in unsere Präsenz und ins Hier und Jetzt bringt. Der Wald hat tausend tolle Eigenschaften, die auf unseren Körper, unser Herz und unsere Seele wirken. Viele der gesundheitsfördernden Effekte gehen auf die Waldluft zurück. Sie enthält sogenannte Terpene, sekundäre Pflanzenstoffe, mit denen die Bäume kommunizieren und die zum Beispiel Fressfeinde abhalten. Diese Terpene kommunizieren auch mit unserem Immunsystem und stärken es nachweislich. Der Wald wirkt sich ebenso beruhigend auf unser Nervensystem und unseren Hormonhaushalt aus. Das Waldbaden senkt den Puls, den Blutdruck und schenkt uns bereits nach 30 Minuten Regeneration.“

Green Pearls: „Was ist für dich das Besondere am Waldbaden?“
Lara: „Ich liebe den Wald wirklich aus vollstem Herzen. Er ist ein Rückzugsort und Kraftquelle. Er ist sinnlich, ehrlich, bedingungslos. Das Waldbaden ist eine Praxis, für die ich keine Vorkenntnisse brauche, außer etwas Offenheit und Freude am Entdecken. Das Waldbaden funktioniert mit Leichtigkeit und ohne Kodex. Teilnehmer*innen lassen sich einfach treiben und auf das Erlebnis ein. Für mich steht das Waldbaden auch für eine neue Wertschätzung unserer heimischen Wälder. Ich wünsche mir, dass ich Menschen durch das Waldbaden wieder zu ihrer natürlichen Verbindung zur Natur zurückführen kann und ihnen darüber hinaus den Wald als wichtiges Ökosystem wieder näherbringen kann.“
Green Pearls: „Könnte ich nicht auch einfach einen ruhigen Spaziergang machen?“
Lara: „Beim Waldbaden schlendern wir – das ist noch langsamer, als spazieren zu gehen, weil wir nur so die Möglichkeit haben, unsere Umgebung wirklich und wahrhaftig wahrzunehmen. In der Regel sind wir meistens zum Quatschen, Wandern oder Sporteln verabredet. Haben einen Hund dabei, die Kinder – oder fassen ein Ziel ins Auge, zum Beispiel eine gewisse Kilometeranzahl zu schaffen oder einen bestimmten Ort zu erreichen. Das machen wir alles nicht beim Waldbaden. Zudem ist ein Waldbad gespickt mit einigen Achtsamkeits-, Atem- und Kreativübungen, die wir oft nicht alleine ausführen. Ich als Kursleiterin gebe im Wald einen geschützten Raum und passe auf – auch wenn es nur bedeutet, dass du deinen Rucksack bei mir ablegst, wenn du Baumrinden erforschst. Ich denke, wenn man einige Waldbaden-Sessions mitgemacht hat, dann kann man auch alleine unterwegs sein. Das wünsche ich mir zumindest, dass die Menschen die Praxis auch ohne mich durchführen.“
Danke, liebe Lara, für das Gespräch!
Auch in einigen naturnahen Hotels könnt ihr Waldbaden ausprobieren, so die Entspannung im Urlaub noch vertiefen und vielleicht sogar das ein oder andere mit nach Hause zu nehmen. Welche das sind, verraten wir euch hier. 🙂
Lara schreibt unter anderem auf dem Blogazine Peppermynta über einen nachhaltigen Lifestyle und bietet als ausgebildete Waldbaden-Begleiterin seit Kurzem auch selbst Waldbaden-Kurse im Raum Hamburg an. Mehr Infos zu den Kursen findet ihr auf ihrer Webseite: www.mimameid-waldbaden.de. Auf Peppermynta hat sie ebenfalls schon über Waldbaden geschrieben.

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2 thoughts on “Waldbaden: Interview mit Trainerin Lara”