Dürfen wir noch fliegen? | Green Travel Blog

Dürfen wir noch fliegen?

Dürfen wir noch fliegen?
Junge Frau auf dem Weg ins Flugzeug | ©vladteodor - stock.adobe.com

Die Reisesaison steht kurz bevor. Für mich soll es dieses Jahr auch endlich wieder losgehen, nachdem ich die letzten Jahre aufgrund von Corona und Co. darauf verzichtet habe. Vielleicht steckst du ja auch gerade mitten in der Planung deines nächsten Urlaubs? Dann kennst du vielleicht den Struggle, vor dem auch ich gerade stehe: Fliegen, oder nicht fliegen. Oder anders gefragt: Dürfen wir noch fliegen im Anbetracht der Klimakrise?

 

Die Frage werden wir in diesem Blogartikel vermutlich beide nicht beantwortet bekommen. Und irgendwie wissen wir ja auch, dass Fliegen mit die klimaschädlichste Fortbewegungsmethode ist. Aber manche Reiseziele lassen sich anders kaum bereisen. Oder es kostet immens viel Zeit und/oder Geld, um sie mit anderen Verkehrsmitteln zu erreichen. Und was würde es eigentlich für mein Reiseziel bedeuten, wenn auf einmal die Touristen wegblieben?

Du siehst schon, es wird in diesem Artikel nicht so sehr um die Frage gehen, ob wir noch fliegen dürfen, sondern eher darum, uns für die Auswirkungen unseres Fluges zu sensibilisieren. Gleichzeitig bedeutet nachhaltiges Reisen aber nicht nur den Umweltaspekt im Auge zu behalten, sondern auch den sozioökonomischen. Was das für Flugreisen bedeutet? Lies selbst!

 

Fliegen als Klimakiller – Argumente rund um den Flugverkehr

Dass Fliegen klimaschädlich ist, brauchen wir nicht zu erklären, oder? Falls du aber bei der nächsten Diskussion rund um das Thema mit Fakten aufwarten willst, dann haben wir hier etwas für dich: Wir zeigen dir, wie du ein paar beliebte Mythen wegargumentieren kannst. Das hilft auch, wenn man Onkel Willi erklären will, warum man nicht von Berlin nach Paris fliegen will.

 

1.   Flugzeuge stoßen doch auch nur Abgase aus. Wie Autos.

Flugzeuge tanken fossilen Brennstoff und geben die Abgase dann in großer Höhe ab. Neben Kohlenstoffdioxid werden weitere Schadstoffe wie Stickstoffe, Rußpartikel und Wasserdampf ausgestoßen. Wie schädlich diese zusätzlichen Stoffe sind, ist noch nicht ganz klar, doch aufgrund dieser zwei Faktoren (große Höhe plus weitere Schadstoffe) wird der Treibhauseffekt nach einer Empfehlung des Weltklimarates mit dem Faktor 2,7 multipliziert. Somit entfallen fast zwei Drittel auf andere Stoffe als CO2. Die zusätzlichen Schadstoffe werden übrigens als CO2-Äquivalente angegeben.

 

2.   Fliegen erzeugt doch nur einen winzigen Teil der weltweiten Emissionen.

Klar, die weltweiten CO2-Emissionen haben zu über 95 % andere Ursachen, vor allem der Energiesektor hat einen enormen Anteil. Laut dem IEA-Report ist die Verbrennung von Kohle zur Energieerzeugung für über 40 % der globalen CO2-Emissionen verantwortlich (15,2 Mrd. Tonnen). Dahinter folgen Öl (10,7 Mrd. Tonnen) und Erdgas (7,5 Mrd. Tonnen). Du könntest Onkel Willi jetzt also einfach fragen, ob er denn schon Ökostrom bezieht.

 

Werde Teil der Energiewende

Der wichtigste Faktor, die globale Erwärmung zu begrenzen (das Wort “aufzuhalten” ist leider nicht mehr möglich) ist die Energiewende. Falls du (oder Onkel Willi) noch keinen Ökostrom beziehst, findest du hier eine Liste echter Ökostrom-Anbieter, zu denen du leicht wechseln kannst. (Laut einer Rechnung von co2online kannst du mit dem Wechsel zu Ökostrom in einem Zwei-Personen-Haushalt (70 m²) rund eine Tonne CO2 im Jahr einsparen!)

 

Nicht zu vergessen ist dennoch:

  • Der weltweite Luftverkehr ist immer noch für 3,5 % der weltweiten Treibhausgase Dies geht aus einer internationalen Studie unter Leitung der Manchester Metropolitan University mit Beteiligung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hervor, die 2020 veröffentlicht wurde. Das ist verdammt viel.

  • Die weltweiten CO2-Emissionen sind laut der Internationalen Energieagentur (IEA) im Jahr 2021 auf einen historischen Rekord von 36,3 Mrd. Tonnen Dies sind 6 % mehr als im Vorjahr.

 

Mehr als Umweltwirkung – Die sozioökonomischen Aspekte von Flugreisen

In unserer Region bekommt man leicht den Eindruck, dass jeder gelegentlich eine Flugreise antritt. Über die Erzählungen von Thailand, Mauritius und Co. vergisst man schnell, dass wir hier in Mitteleuropa in den vermögendsten Ländern der Erde leben (etwa im oberen Zehntel im Vergleich zum Rest der Welt). Eine Studie ergab, dass im Jahr 2018 nur 11 % der Weltbevölkerung (Reminder: Diese liegt inzwischen bei 8 Milliarden Menschen) ein Flugzeug benutzten. Vielflieger machten sogar nur 1 % der Weltbevölkerung aus.

 

Wirtschaftsfaktor Tourismus

Vergessen wir mal kurz die Flüge und deren unbestrittenen Auswirkungen auf unseren Planeten. Wenn du diesen Artikel gerade liest, lebst du vermutlich in einem reichen Land im globalen Norden. Vielleicht in Deutschland, Österreich, den USA oder Frankreich. Was diese Länder gemeinsam haben? Das Wirtschaftssystem ist nicht auf nur einen Zweig angewiesen, sondern relativ breit aufgestellt. Wenn ein Zweig wegbrechen sollte, wie es während der Pandemie mit dem Tourismus geschehen ist, dann ist das für die betroffenen Menschen dramatisch und existenzbedrohend, doch die Wirtschaft des Landes kann so einen Notfall auffangen.

Anders ist das in Ländern, die auf den Tourismus als Wirtschaftszweig angewiesen sind. Dazu zählen insbesondere sogenannte Entwicklungs- und Schwellenländer, die oftmals keine oder nur wenige andere Wirtschaftsbereiche haben. Tourismus schafft dort Arbeitsplätze, stärkt die Infrastruktur und hilft, Natur und Kultur zu bewahren. Als Reisende leisten wir mit unserem Geld einen Beitrag dazu, Armut zu verringern und das Land zu unterstützen.

 

Beispiel Kambodscha: Aktuell leben 30 % der kambodschanischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die Folge: Perspektivlosigkeit und abscheulichen Missstände wie Kinderprostitution. Gleichzeitig gehört das Land zu einer der schönsten Destinationen in Südostasien. NGO’s wie das Farmhouse Smiling Gecko  haben das erkannt und wollen Touristen in das Land locken, um mit dem dadurch verdienten Geld, die Menschen vor Ort zu unterstützen. Smiling Gecko bietet Handwerks-Ausbildungsstätten und beschäftigt im Farmhaus 40 Arbeitskräfte, die mit einem fairen Einkommen ihre Familien versorgen können. Deine Ausgaben als Tourist tun dort ein gutes Werk.

Zwei Menschen aus dem Team des Smiling Gecko begutachten Salat in der Landwirtschaft der NGO
©Farmhouse Smiling Gecko

 

Beispiel Thailand: Für das Schwellenland Thailand ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Einnahmen aus der Tourismusbranche machen verschiedene Projekte möglich, wie das Korallen-Schutzprojekt auf den Phi Phi Islands, bei unserem Green Pearls® Partner Zeavola. Auch unterstützt du den Vormarsch nachhaltiger Hotels und Unterkünfte, indem du in diesen übernachtest.

 

Aber, darf ich denn jetzt noch fliegen?

Das Reisen in fremde Kulturen birgt fantastische Möglichkeiten, den Blick auf die Welt zu erweitern. Und es sorgt für Arbeitsplätze und die Bewahrung von Natur- und Kulturgütern. Aus dieser Sicht müsste man wahrscheinlich sogar sagen, dass man, wenn man kann, unbedingt Langstreckenreisen machen sollte. Wenn da nicht der Umweltaspekt wäre.

Außerdem müssen wir uns bewusst sein, dass eine Reise, egal wie lang oder kurz sie ist, ein echtes Privileg ist. Du solltest dir vorher also genau überlegen, was das Ziel deiner Reise ist und wie deine Reise der lokalen Bevölkerung und Natur von Nutzen sein kann. Egal, ob du hinfliegst, oder mit der Bahn anreist.

 

Tipp: Wenn du dich nach dem Abwägen aller Pros, Kontras und Alternativen schließlich für eine Flugreise entschieden hast, dann kannst du die Auswirkungen zumindest etwas ausgleichen, indem du sie kompensierst. Dafür gibt es verschiedene Klimaschutz-Partner, die sich auf genau das spezialisiert haben. 2022 hat die Stiftung Warentest mehrere dieser Projekte getestet. Testsieger ist Atmosfair. Weitere Inspirationen für nachhaltige Fernziele findest du übrigens hier 

Schönheit weiblichen Touristen Blick auf Flugpläne für die Überprüfung der Abflugzeit. Menschen und Lebensstile Konzept. Reisen und glückliches Leben der einzelnen Frau Thema. Rückenansicht Porträt.
Langstrecken fliegen wll gut überlegt sein | ©Shutter2U – stock.adobe.com

 

Kurzstrecke? Nein danke!

Bei Inlandsflügen ist die Entscheidung und unsere Empfehlung dagegen klar: Die Nachteile und negativen Auswirkungen überwiegen und Kurzstreckenflüge sollte man einfach lassen. Punkt. Greenpeace kritisiert insbesondere Ultrakurzstrecken von unter 500 Kilometern und Privatjet-Flüge. Hier ist man mit dem Zug meist besser beraten. Auch wenn wir wahrscheinlich alle schon mal mit Ausfällen und Verspätungen zu kämpfen hatten. Wenn du mit Freunden unterwegs bist, dann kann sogar das (vollbesetzte) Auto eine umweltfreundlichere Alternative sein.

Green Pearls® , nachhaltig Reisen
Mehr Bahnfahren, weniger fliegen | ©Chan2545 – stock.adobe.com

 

Drei Gründe für mehr Zugfahren

  • Zugfahren ist oft schneller. Die reine Flugzeit ist zwar in der Regel rund 2 Stunden kürzer als die Bahnfahrt doch verbrauchen Flugreisen einfach durch die lange Wartezeit, Kontrollen und das ganze Drumherum viel mehr Zeit. (Beispiel Köln – Paris: 3 Stunden und 10 Minuten mit dem Flugzeug, 4 Stunden und 43 Minuten mit dem Zug)
  • Zugfahrten sind oft billiger. Das Marktforschungsinstitut Quotas ermittelte 2017, dass Bahnfahrten im Vergleich zu innerdeutschen und innereuropäischen Flügen in rund 90 % günstiger waren – selbst im Vergleich zu Billigfliegern.
  • Der Zug bringt dich näher ans Ziel. Flughäfen liegen außerhalb der Stadt, und Züge halten mittendrin. (Beispiel: Charles de Gaulle Flughafen Paris ist 23 Kilometer von Paris entfernt und der Gare du Nord Bahnhof liegt mitten in der Stadt.)

 

Tipp: Fast alle Green Pearls® Unterkünfte in Deutschland und den Nachbarländern lassen sich bequem per Zug erreichen. Einige Beispiele findest du in unserem Artikel zum Bahnfahren in Europa.

 

Noch umweltfreundlicher: Fernbusse

Bei einem Emissions-Vergleich einzelner Verkehrsmittel des Bundesumweltamtes aus dem Jahr 2021 stellte sich der Fernbus als nachhaltigstes Transportmittel heraus. Dass Fernbusse einen geringeren CO2-Fußabdruck hinterlassen als Züge, liegt in erster Linie daran, dass bei Fernbussen die Auslastung besser ist. Sie sind aber nicht nur die CO2-sparenste Art zu verreisen, sie sind auch die günstigste! Schnellvergleich für das Datum von morgen: Die Strecke Köln – Mailand kostet aktuell rund 150 Euro bei der Bahn und nur 37 Euro bei Flixbus. Dafür braucht der Bus natürlich länger. Der Zug ist (mit Umsteigen) 9 Stunden unterwegs und der Bus 12:40 Stunden.

 

Unsere Tipps für Reiseziele, die du mit dem Flixbus erreichen kannst:

Historisches Landgut im Cilento Nationalpark in Italien | ©A' Cràpa Mangia
Historisches Landgut | ©A‘ Cràpa Mangia

Für nur ca. 70 Euro kannst du von Deutschland mit dem Flixbus nach Neapel in Italien fahren. Von hier sind es noch 47 Kilometer nach Salerno am Meer, wo du die gemütlichen und nachhaltigen Ferienwohnungen (alle mit Terrasse und Meerblick) von A‘ Cràpa Mangia mitten im Nationalpark Cilento

Green Sprit Hotel Le Pavillon
© Hotel Le Pavillon in Paris

Das Hôtel Le Pavillon in Paris liegt 4,4 km vom Fernreise-Busbahnhof Gare Routière Porte Maillot entfernt uns ist gut mit der Metro zu erreichen. Es handelt sich hierbei um ein Shabby-Chic Hotel mit “green spirit” in der belebten Rue Saint-Dominique im 7. Bezirk, mit einem besonderen Bezug zu Kunst und Musik. (Preis Flixbus ca. 40 Euro pro Person von einer deutschen Stadt nach Paris.)

Hotel Milano Scala Dachterrasse
©Hotel Milano Scala

Direkt in der Innenstadt von Mailand gibt es das Null-Emissions-Hotel Milano Scala. Nach Mailand fahren regelmäßig Fernbusse von deutschen Städten aus. Vom Busbahnhof Lampugnano sind es ca. 6 km zum Hotel, das in unmittelbarer Nähe zur berühmten Scala und anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt liegt. (Busfahrt mit dem Flixbus ca. 50 Euro)

 

 

Fazit: Dürfen wir noch fliegen?

Ganz so bald werden wir im Tourismus nicht ohne den Flieger auskommen. Für viele Länder, die auf uns Touristen angewiesen sind, wäre das auch eine Katastrophe. Da muss sich vorher noch so einiges anderes ändern. Bis dahin können wir jedoch bewusste Entscheidungen treffen und unsere Flugreisen auf ein Minimum reduzieren. Vielleicht müssen es nicht jedes Jahr eine oder zwei Flugreisen sein, sondern man freut sich alle paar Jahre auf eine große und weite Reise, bei der man auch mehr Zeit im Land verbringt. Oder man schaut sich nach alternativen Transportmöglichkeiten um und entdeckt einen ganz neuen Weg an sein Lieblingsreiseziel.

 

Wie siehst du das? Fliegst du noch? Oder verzichtest du ganz auf Flugreisen? Welche Alternativen schlägst du vor? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

 


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Das Bild zeigt den Blick aus einem Flugzeugfenster während des Sonnenuntergangs. man schaut auf die Wolken hinab

Junge Frau, die vom Flughafenterminal zum Flugzeug geht – Dürfen wir noch fliegen


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1 thought on “Dürfen wir noch fliegen?”

  • Reisen ermöglicht es uns neue Kulturen, Traditionen und Perspektiven kennenzulernen und Tourismus kann eine wichtige Einnahmequelle sein. Die Auswirkungen des Reisens auf die Umwelt sind unbestreitbar. Aber es gibt ja auch andere Möglichkeiten des Reisens, wie Zug- oder Busreisen. Und wenn man etwas ganz Besonderes erleben will, unternimmt man einfach eine Ballonfahrt.

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