Winterwandern ist eine der ursprünglichsten Arten, die Natur zu erleben. Sie entschleunigt, ist achtsam und nachhaltig. Gleichzeitig ist Winterwandern nicht ganz so einfach wie eine Tour im Sommer. Schnee, Eis, Kälte und kurze Tage verlangen ein wenig Vorbereitung. Genau deshalb haben wir mit Wanderexpert*innen aus ausgewiesenen Wanderhotels und nachhaltigen Unterkünften in beliebten Wanderregionen gesprochen.
Als Guides oder Wanderconcierge sind sie täglich draußen unterwegs, kennen die aktuellen Bedingungen und verraten uns, worauf du achten solltest und welche Winterwanderungen sie ganz konkret empfehlen.
Worauf du beim Winterwandern achten solltest – Tipps von echten Wanderexpert*innen
Alessa Konrad vom Naturhotel Outside in Osttirol beschreibt Winterwandern als ideal, um die Natur zu erleben. Das Wanderhotel liegt im Nationalpark Hohen Tauern umgeben von verschneiten Dreitausendern. Eine Umgebung, die im Winter eine beinahe magische Atmosphäre hat, aber auch fordernd und anspruchsvoll sein kann. Entsprechend klar sind auch Alessas Empfehlungen für die richtige Ausrüstung:
„Wichtig sind feste, wasserdichte Winterschuhe mit gutem Profil, warme Kleidung im Zwiebellook, Mütze und Handschuhe. Je nach Bedingungen empfehlen sich Wanderstöcke sowie Grödel für zusätzliche Trittsicherheit.“
Ebenso entscheidend sei die Planung. So solltest du ausschließlich freigegebene Winterwanderwege nutzen, die Wetter- und Schneesituation im Blick behalten und die Tour an die kurzen Tage im Winter anpassen. Ein Punkt, der oft unterschätzt werde:
„Auch ausreichend zu trinken ist wichtig – idealerweise ein warmer Tee in der Thermosflasche, da man auch im Winter durch Bewegung Flüssigkeit verliert.“
Zusatztipp: Wanderconcierge Karin Steiner hat bei jeder Tour eine Tafel Schokolade im Rucksack – für die kleine Pause zwischendurch oder wenn die Energie nachlässt.
Touren-Tipp vom Naturhotel Outside
Die Wohlgemuth Almen-Runde im Tauerntal ist ideal für alle, die Winterwandern in seiner ruhigen, genussvollen Form erleben möchten. Der gut präparierte Weg (2,7 km / leichtes Level) führt Großteils entlang des Tauernbachs und vorbei an winterlichen Auen und verschneiten Lärchen. Dazu öffnen sich immer wieder beeindruckende Blicke auf die Bergwelt der Hohen Tauern. Still, naturnah und fernab vom Skitrubel.
Winterwandern in Südtirol
Familienwissen und alpine Erfahrung
#1 My Arbor auf der Plose bei Brixen – mit Alexandra Huber

Auch in Südtirol zeigt sich: Die besten Tipps kommen von Menschen, die ihre Berge seit Generationen kennen. Auf der Plose, rund 15 Minuten von Brixen entfernt, liegt das Adults-only-Hotel My Arbor. Gastgeberin Alexandra Huber antwortet auf die Frage, was man zum Winterwandern braucht: Nur warme Kleidung und gutes Schuhwerk.“
Die geführten Winterwanderungen werden von Günther und Hannes, den Brüdern ihres Vaters, begleitet. Beide kennen die Wege rund um die Plose in- und auswendig. Drei kostenlose Winterwanderungen pro Woche gehören fest zum Angebot, private Touren sind auf Anfrage möglich.
Auch wenn direkt rund ums Hotel nicht immer Schnee liegt, sind die Bedingungen in den Bergen bestens:
„Ums My Arbor gibt es zum Winteranfang nicht unbedingt Schnee, doch in den Bergen reichlich.“
Nach der Tour laden Spa und Kulinarik zum Entspannen ein. Besonders die Küche des My Arbor wirst du lieben lernen. Falls du dort einen Einblick gewinnen möchtest: Im Blog haben wir bereits ausführlich mit dem Küchenchef und dem Brotsommelier des Hotels gesprochen.
Ahrntal: Stille Wege und klare Regeln

#2 OLM Nature Escape – mit Thomas Steiner
Je weiter man ins Ahrntal vordringt, desto stiller wird es. Thomas Steiner vom OLM Nature Escape, einem energieautarken Aparthotel, meldet beste Bedingungen:
„Wir haben im Winter wunderbaren Schnee“
Empfohlen werden Winterwanderungen in Rein, Weißenbach und vor allem in Kasern, dem nördlichsten Punkt Italiens. Hier zeigt sich Winterwandern abgelegen, ruhig und landschaftlich beeindruckend. Ein besonders stimmungsvoller Tipp ist die Winterwanderung zu den Koflerseen bei Rein in Taufers. Hochgelegene, zugefrorene Seen auf über 2.400 Metern, verschneite Wälder und eine Kulisse, die schon beim Anschauen entschleunigt.
Gleichzeitig wird im Ahrntal sehr transparent mit Risiken umgegangen. Einige Winterwanderwege werden nicht geräumt oder gestreut und sind nur bei passenden Bedingungen begehbar. Lawinenlageberichte zu studieren gehört hier (und überall sonst auch!) zur Vorbereitung dazu. Nachhaltigkeit heißt auch, solche Grenzen zu respektieren.
Ritten: Der Winter zeigt viele Gesichter

#3 Hotel Weihrerhof – mit Klaus Pichler
Nicht überall ist Winter gleichbedeutend mit Schnee. Auf dem sonnigen Hochplateau Ritten meldet Klaus Pichler vom Hotel Weihrerhof am Wolfsgrubener See offen:
„In der Regel gibt es bei uns im Winter Schnee. Und selbst wenn nicht, so haben wir immer den zugefrorenen See zum Eislaufen, Eishockey und Eisstock.“
Doch auch ohne Schnee bekommst du in dieser Jahreszeit Bewegung, frische Luft und bewusstes Erleben. Ob nun beim Eislaufen oder beim Wandern durch die frostige, wenn auch schneefreie Landschaft.
PS: In der riesigen Eisfläche findest du auch ein vom Hotel geschlagenes Loch zum Eisbaden.
#4 ADLER Lodge RITTEN – mit Sofia Rabanser
Ebenfalls auf dem Ritten liegt die ADLER Lodge RITTEN mit Holz-Lodges rund um einen kleinen, im Winter oft zugefrorenen Teich. Sofia Rabanser gibt Einblick in das Aktivitätenprogramm und empfiehlt eine geführte Winterwanderung zu den Erdpyramiden. Diese ist etwa eine Stunde lang und besticht nicht nur mit der Natur-Besonderheit, sondern auch mit fantastischen Blicken auf die Dolomiten. Ihr Extra-Tipp ist jedoch das neue Highlight im Programm: eine Wanderung mit den hoteleigenen Alpakas.
Alle Aktivitäten sind bei einem Aufenthalt in der ADLER Lodge für dich inklusive. Ab Anfang Februar öffnet das Hotel wieder.
Nachhaltiger Winterurlaub in Deutschland: Winterwanderungen und stille Einkehr
Winterruhe vor den Toren Münchens
#1 Gut Sonnenhausen – mit Alexandra Baeten
Auch im Voralpenland zeigt sich Winterwandern von seiner stillen Seite. Gut Sonnenhausen nahe München hat uns ein Video geschickt, das verschneite Wiesen, knarzenden Schnee und eine besondere Ruhe einfängt – perfekt, um das Wintergefühl auch im Flachland erlebbar zu machen. Schlendere durch den Landschaftspark oder mach eine Wanderung über den Höhenrundweg.
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Mit Bergbaschdi unterwegs im Allgäu
#2 Hotel Das Rübezahl – mit Alexander Thurm
Im Allgäu führt Wanderconcierge Bergbaschdi Gäste auch im Winter durch die Landschaft. Alexander Thurm aus der Gastgeberfamilie des Hotel Das Rübezahl berichtet:
„Wir haben Schneesicherheit am Berg, im Tal gerade nur vereinzelt. Geführte Wanderungen finden aber weiterhin statt – je nach Bedingungen mit oder ohne Schneeschuhe.“ (23. Januar 2026)
Schneeschuhe, Stöcke, Grödel und Stirnlampen für abendliche Touren können kostenfrei ausgeliehen werden. Nach der Wanderung laden der römisch inspirierte Spa, private Infrarotsaunen in ausgewählten Zimmern und die vielfach gelobte Küche zum Ankommen ein. Lesetipp: Über und mit Küchenchef Erik Wendt haben wir hier im Blog bereits gesprochen.
Österreich: Schneesicherheit in Seefeld und Pfunds
#1 Hotel Klosterbräu – mit Familie Seyrling
In Seefeld in Tirol kannst du dich in den meisten Wintermonaten über eine geschlossene Schneedecke freuen. Das luxuriöse Hotel Klosterbräu in über 500 Jahre alten Klostermauern empfiehlt Winterwanderungen, die direkt am Hotel beginnen: eine leichte Tour durchs Möserer Tal oder für Fortgeschrittenere eine mittelschwere Rundwanderung um den Gschwandtkopf mit Panoramablick ins Inntal. Eine Übersicht aller Winterwanderwege stellt das Hotel auf ihrer Webseite zur Verfügung.
#2 Summit Lodges Pfunds – mit Marco Spiss

Dass Winterwandern nicht immer am Vormittag bzw. im Hellen stattfinden muss, zeigt ein besonderer Tipp aus dem Tiroler Oberland. Marco Spiss von den Summit Lodges Pfunds empfiehlt dir das Mondschein-Picknick in der Pfundser Tschey, einem Hochtal, das fernab von hell erleuchteten Städten liegt und dadurch perfekte Bedingungen für den Blick in den Nachthimmel bietet.
Nach einer gemütlichen, etwa halbstündigen Winterwanderung öffnet sich hier ein Naturraum, der im Winter besonders selten geworden ist: echte Dunkelheit. Unter fachkundiger Begleitung entdeckst du Sternbilder am klaren Himmel, während heißer Punsch oder Glühwein und eine kleine Verköstigung für Wärme sorgen.
Gut zu wissen: Das Mondschein-Picknick dauert etwa zwei bis drei Stunden und findet zu ausgewählten Terminen statt. Die nächsten Vollmondnächte (hell schimmernder Schnee) sind am 1. Februar 2026 und 3. März 2026. Neumond (beste Voraussetzung zum Sternegucken) ist am 17. Februar 2026. Eine Anmeldung ist erforderlich, da die Teilnehmerzahl bewusst begrenzt ist.
Wichtig: Wenn du planst, im Dunkeln unterwegs zu sein, wirst du vermutlich eh gut vorbereitet sein (mit Stirnlampe und Co.) Checke vorher, ob diese auch aufgeladen ist. Doch auch, wenn du eigentlich im Hellen zurück sein willst, kann es vorkommen, dass du dich mit der Länge deiner Tour verschätzt oder etwas Unvorhergesehenes passiert. Um dennoch sicher vom Berg zu kommen, gehört eine (aufgeladene) Taschen- oder besser Stirnlampe immer ins Wandergepäck (die Handylampe reicht NICHT aus.) Gib außerdem immer im Tal jemandem Bescheid, welche Tour du gehst und wann du planst, zurück zu sein.
Still gehen, weit sehen – ein Winter zum Erleben
Ob durch verschneite Wälder im Nationalpark Hohe Tauern, über sonnige Hochplateaus in Südtirol, entlang präparierter Wege in Tirol oder im Mondlicht im Tiroler Oberland – Winterwandern zeigt, wie viel Kraft in der Langsamkeit liegt. Es braucht keine Lifte, keinen Lärm, kein Spektakel. Nur gute Schuhe, ein wenig Vorbereitung und die Bereitschaft, sich auf die Jahreszeit einzulassen.
Die Gespräche mit den Guides zeigen: Winterwandern ist eine Einladung, Natur wieder näher an sich heranzulassen.
Vor deiner Haustür ist auch gerade Winter? Dann kannst du deine Wanderschuhe natürlich auch jetzt direkt schnüren. Und vielleicht nimmst du genau das mit, was der Winter uns lehren kann: Ruhe, Klarheit und den Blick für das Wesentliche.
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