Vorläufer der Hotels gab es schon im alten Griechenland und im antiken Römischen Reich. Die Unterbring Reisender im Mittelalter war dagegen vergleichsweise spärlich. Und erst im 19. Jahrhundert kamen die Grandhotels auf. Wir möchten in diesem Beitrag über die Geschichte der Hotels reflektieren und ganz besonders darüber, wie man nach dem Boom des Reisemarktes, nach Massentourismus und “Bettenhochburgen” einen nachhaltigen Weg gehen kann. Darüber haben wir auch unsere nachhaltigen Green PearlsⓇ Partnerhotels befragt und viele interessante Dinge erfahren.
Â
Anfänge im Kloster
Im europäischen Mittelalter bestand ein Großteil der Reisenden aus Pilgern. In einem Kloster zu übernachten, war damals schon höchst komfortabel. In den Gaststätten und Herbergen Nordeuropas lag in den Nachtlagern nämlich nur Stroh aus, welches oft voller Ungeziefer war. Bis zu zehn Fremde mussten sich ein solches Lager teilen. Da könnt ihr euch vorstellen, wie hygienisch es war.
Vor etwa 20 Jahren durfte ich einmal auf Einladung der katholischen Nachrichtenagentur (kna) in einem Kloster in Augsburg ĂĽbernachten. Im Vergleich zum Strohlager ist das echt Luxus: Einzelbett, Schrank, Schreibtisch, Kruzifix. Aber: Toilette auf dem Gang und vor allem gab es keine Heizung. Heute stellt man sich Luxus bestimmt nicht so vor.
Das Hotel Klosterbräu in Seefeld ist ebenfalls aus einem Kloster hervorgegangen. Der Habsburger Kaiser Maximilian I entdeckte den Ort “Sevelt” in der Tiroler Alpenwelt während der Jagd. 1516 gründete er dort ein Kloster mit einer Herberge für Wallfahrer. Über 200 Jahre lang wurden fortan Pilger und Durchreisende von Augustiner-Mönchen bewirtet.
Seit inzwischen ebenfalls über 200 Jahren gehört die einstige Klosterherberge nun der Familie Seyrling. Sie bewirtschaftet das Hotel bereits in der 6. Familiengeneration und hat es im Laufe der Zeit in eine luxuriöse Wellness-Oase verwandelt.
Â
FUN FACT:
Der Name “Hotel” kommt aus dem Französischen und war die Bezeichnung für die Landschlösser französischer Adliger in der Zeit von Ludwig XIV. Ein ehemaliger Angestellter baute irgendwann ein eigenes Landschloss, das er an die betuchte Bürgerschicht vermietete, die dort den Adel nachahmen konnte.
Â
Kurreisen sind die Vorreiter der Grandhotels
Nachdem die Badekultur der Römer zunächst in Vergessenheit geraten war, kam sie im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit wieder auf. Im 19. Jahrhundert reisten bürgerliche Familien für eine Kurreise einige Wochen aufs Land. Dadurch entstanden die Kurhotels, deren Bauweise immer prächtiger wurde und als Vorreiter der Grandhotels gelten. Berühmte Grandhotels sind das Waldorf-Astoria in New York, das Ritz in Paris und auch da Adlon in Berlin.
In Deutschland erkennt man viele dieser alten Badeorte daran, dass sie ein “Bad” im Namen tragen. Wie Bad Herrenalb im Schwarzwald, das bis heute als Heilkurort mit Heilwasser und Thermalwasserquellen bekannt ist. Hier befindet sich auch das Wellness- und Gesundheitshotel SCHWARZWALD PANORAMA. Wie sich das Hotel über die Jahre hinweg verändert hat, könnt ihr in dieser Fotostrecke verfolgen:
Eigene Duschen, warmes Wasser und Fernseher im Hotel
Das Grandhotel Ritz London, welches 1906 eröffnet wurde, war eines der ersten Hotels in Europa, das in den Suiten (also nur auf den besten Zimmern des Hotels) ein eigenes Badezimmer hatte. Bis auch “normale” Reisende solchen Luxus erhielten, sollten noch weitere 60 Jahre vergehen. Wie uns das Hotel Weihrerhof in Südtirol berichtet, gehörten sie 1967 zu den Ersten, die auf dem Ritten in Südtirol Gästezimmer mit eigener Dusche hatten.
Auf der deutschen Seite der Alpen im Allgäu bot Familie Thurm eine ähnliche Sensation im Hotel Das Rübezahl. Und zwar gab es hier schon in den 1960er-Jahren warmes Wasser auf den Zimmern. Zusätzlich zum warmen Wasser, Duschen und modernen Toiletten standen dort – jetzt kommt’s – Fernseher! Damals sei das “eine Sensation” gewesen, berichtet die Familie. Was früher möglichst prominent platziert wurde, verschwindet heute zunehmend aus dem direkten Sichtfeld der Gäste. Auch im Hotel Das Rübezahl plant die Familie für die Zukunft, die Fernsehgeräte “weniger sichtbar” zu platzieren. Ein Fernseher gehöre zwar weiterhin zu dem erwarteten Standard, habe als zentraler Mittelpunkt im Hotelzimmer allerdings ausgedient.
Tipp: Was Fernseher für die Hotel-Sterne-Klassifizierung bedeuten und warum einige nachhaltige Hotels bereits komplett darauf verzichten, erfährst du in diesem Blogbeitrag.
Â
Hotels und Gäste im Wandel der Zeit
Es wird weniger Fleisch gegessen
“Die Küche hat sich von stark fleischlastig zu vegetarisch/vegan gewechselt. Es gab früher kaum Gäste, die einen vegetarischen Hauptgang gewählt haben. Heute sind es bis zu 30 Prozent der Gäste, die ein ganzes vegetarisches Menü nehmen.” – HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu
Viele unserer Partner berichten von einer veränderten Nachfrage in Besug auf Speisen. “Immer veganer, gesünder, vegetarischer, saisonaler, regionaler”, beschreiben die ADLER Spa Resots & Lodges den Kulinarik-Trend. Sowohl in der ADLER Loge RITTEN in Südtirol als auch im ADLER Spa Resort SICILIA wurden hierfür extra um die Hotelanlagen Obstbäume, Gemüsebeete und Kräutergärten für die Hotelküche gepflanzt.
Die bewusste Reduzierung (oder gar der komplette Verzicht) von Fleisch bei den Mahlzeiten hat bei vielen nachhaltige GrĂĽnde. Die Nutztierhaltung wird fĂĽr rund 15 Prozent aller menschengemachten Treibhausgase verantwortlich gemacht.
Es sei aber nicht nur allein das Fleisch, berichtet das Biohotel Bella Vista Zermatt. “Früher hatten wir auf dem Frühstücksbuffet mehr exotische Früchte, keine Bioprodukte, mehr Verpackung, Produkte mit Palmöl, keine regionalen Produkte. Heute hinterfragen wir jedes einzelne Produkt auf dem Büfett“, heißt es aus dem Schweizer Hotel.
Â
Lachs und Garnelen aus der Schweiz
Interessant ist, dass es fortwährend neue Alternativen für eine nachhaltigere Ernährung gibt. Das Zermatter Biohotel hat jetzt Lachs aus der Schweiz in sein Sortiment aufgenommen. Hierfür werden lediglich die Lachseier aus Island importiert.
Im Waldhotel Fletschhorn, Santa-Fee, gibt es Garnelen von einer Schweizer Zucht und Fisch stammt vom eigenen Teich. Auch hier ist die Küche mit den Jahren immer lokaler geworden – bzw. hat sich darauf zurückbesinnt. Das Waldhotel Fletschhorn kann nämlich ebenfalls auf eine Geschichte seit 1906 zurückblicken. Früher bewirtete das Berggasthaus Wanderer*innen und Skitourengänger*innern. Fast hundert Jahre später, 1994, erhielt die damalige Inhaberin Irma Dütsch als erste Schweizerin einen Michelin-Stern und heute wird die Küche des Restaurants Fletschhorn von der Ukrainerin Zhanna Blashchenko geführt.
Â
Hotels Damals und Heute – Die Ansprüche der Gäste haben sich geändert
Wie die Green PearlsⓇ Partner berichten, seien viele der Veränderungen, insbesondere auf dem Speiseplan, den Gästen zu verdanken, da diese die ökologischen Initiativen der Hotels nachfragen, einfordern, unterstützen und zu schätzen wissen. So bieten auch immer mehr Hotels beispielsweise an, auf die tägliche Zimmerreinigung zu verzichten oder eigene Badeslipper mitzubringen. Zum einen wird dies von immer mehr Reisenden nachgefragt, zum anderen werden die umgesetzten Veränderungen sehr positiv aufgenommen.
Â
Wellness statt Tanzen
Zum neuen Umweltbewusstsein kommt bei den Reisenden der Wunsch nach mehr Ruhe und Erholung. „Damals hat man noch getanzt“, erzählt beispielsweise Cäcilia „Cilli” Pichler vom bereits erwähnten Hotel Weihrerhof. Da habe “das gesellige Miteinander” im Vordergrund gestanden. Heute stünden andere Werte an erster Stelle:
“Zeit haben. Platz haben. Sein dürfen. Das ist der neue Luxus“ – Hotel Weihrerhof
Im Hotel Luise in Erlangen war die Entwicklung ähnlich. Das Hotel wurde 1956 von Heinz Förtsch und seiner Frau Margarethe eröffnet und man konnte hier nach dem Essen galant das Tanzbein schwingen. In Gedenken an Heinz Förtsch heißen die heutigen Tagungs- und Eventmöglichkeiten des Hotels “Heinzigartig”. Gäste buchen für Veranstaltungen auch gern die Dachterrasse, welche die heutigen Förtsch-Familienmitglieder von einem “normalen Hoteldach” in eine grüne Oase in der Stadt verwandelt haben.
Das älteste kontinuierlich betriebene Hotel der Welt steht in Japan. Laut dem „Guinnessbuch der Rekorde“ wurde das Hotel “Nishiyama Onsen Keiunkan” 705 n. Chr. eröffnet und beherbergt nun seit fast 1319 Jahren Gäste. Das Highlight sind die dortigen heißen Quellen nahe dem Berg Fuji.
Â
Wie dreht man einen Pool um 90 Grad?
“Eine gravierende Veränderung gab es bei unserem Pool im Jahr 2019”, berichtet das OCÉANO Health Spa Hotel auf der Ferieninsel Teneriffa, als wir nach ihrer Entwicklung fragten. “Der ehemals horizontal ausgerichtete Pool mit veralteter Technik wurde ersetzt durch einen kompletten Neubau mit moderner und energiesparender Technik – diesmal um 90° Grad gedreht und zum Meer ausgerichtet, sodass unsere Gäste immer und auch beim Schwimmen den Blick auf den Atlantik genießen können.” Das Besondere: Der alteingewachsene Palmenbestand wurde bei dieser Umbaumaßnahme komplett erhalten und eine Palme (im alten Bild die höchste Palme mittig/rechts) wurde aufwendig umgepflanzt. Sie steht heute noch 🙂
Hotels Damals und Heute – Früher war alles ….
… anders. Wie du siehst, ist die Welt in einem ständigen Wandel und mit ihr das Reisen. Da es sich heute immer mehr Leute leisten können, die weite Welt zu entdecken, hat es in jedem Fall den Austausch zwischen den Kulturen verstärkt. Doch es sind auch neue Probleme hinzugekommen, welche insbesondere den Overtourism betreffen. Unserer Meinung nach kann hierfür nur der nachhaltige Tourismus eine Lösung sein. Deshalb begrüßen wir es, dass viele Hotels sich davon verabschieden, einfach nur Luxus zu bieten (wodurch das Wort Hotel ja erst entstanden ist) oder auf der anderen Seite des Spektrums möglichst viele Menschen möglichst günstig bzw. gewinnbringend abzufertigen. Stattdessen setzen sie sich für die Natur und die lokale Bevölkerung ein. Und das schätzen auch die Gäste.
Â
Dich hat der Artikel inspiriert und du willst uns unterstĂĽtzen? Dann speichere dir den Artikel auf Pinterest!
Hochzeit fĂĽr 2026 geplant? 2.6.26? 20.6.2026? 26.6.26? FĂĽr diese Daten seid ihr fast schon spät dran mit der Locationsuche. Doch es gibt ja nicht nur das Datum zu planen. Damit der nächste Abschnitt eurer Beziehung nicht nur wunderschön, sondern auch mit euren Werten im Einklang […]
Gibt’s was zu feiern? GlĂĽckwunsch! Ein gutes Fest muss jeder gelegentlich ausrichten. Dies gehört laut der Universität Basel sogar zur “Grundform menschlicher Verhaltensweisen”, und zwar “in allen Gesellschaften”. Silberhochzeit, Jubiläum, Promotionsfeier … Hier erfährst du, wie du Feste nachhaltig feiern kannst und welche Eventlocations dafĂĽr […]
2 thoughts on “Eine unvollständige Geschichte der Hotels: Von Pilgerherbergen bis Kreislauf-Zimmer”
Gerne frage ich an, ob ich fĂĽr eine Reportage des ORF Tirol das 1. Bild auf der Startseite – frĂĽher und heute – verwenden darf. Der Bildnachweis kann gerne angegeben werden. Vielleicht hätten sie auch andere Bilder aus den 50ern, welche wir verwenden können? Ich freue mich um Zusendung des Bildes. Mit freundlichen GrĂĽĂźen – Alexandra Wildanger – Privatvermieterverband Tirol
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Turnstile. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Gerne frage ich an, ob ich fĂĽr eine Reportage des ORF Tirol das 1. Bild auf der Startseite – frĂĽher und heute – verwenden darf. Der Bildnachweis kann gerne angegeben werden. Vielleicht hätten sie auch andere Bilder aus den 50ern, welche wir verwenden können? Ich freue mich um Zusendung des Bildes. Mit freundlichen GrĂĽĂźen – Alexandra Wildanger – Privatvermieterverband Tirol
Hallo Alexandra, danke fĂĽr dein Interesse. Ich frage bei den Hotels an und melde mich bei dir per Mail. Liebe GrĂĽĂźe, Laura