Ihr wollt in fremden Ländern nicht nur Urlaub machen, sondern auch freiwillig arbeiten und Organisationen und Menschen vor Ort unterstützen? Heiko Müller, Gründer von People Abroad, erzählt euch im Interview auf was es dabei ankommt.
People Abroad ist eine gute Adresse für alle, die sich überlegen für eine Zeitlang in einem fremden Land als Freiwilliger zu arbeiten. Auf der Informationsplattform (und auf dem Blog) findet ihr Antworten auf all eure Fragen rund um die Auswahl der passenden Projekte und die Reisevorbereitungen. Wir haben mit dem Gründer über die positiven als auch negativen Aspekte von Freiwilligenarbeit gesprochen – und ein paar Tipps für alle, die einen Auslandseinsatz planen, hat Heiko natürlich auch.

Green Pearls: „Worauf kann und sollte ich bei der Auswahl einer Organisation für meine Freiwilligenarbeit achten?“
Heiko: „Ich würde dem Freiwilligen empfehlen sich zu genau zu informieren und Vermittlungsagenturen miteinander zu vergleichen. Gibt es Vor- und Nachbereitungskurse? Wie erfolgt der Auswahlprozess für die Freiwilligenarbeit und werden Sprachkenntnisse und berufliche Kompetenzen verlangt? Auch welche konkreten Aufgaben mich vor Ort erwarten sind wichtige Fragen. Grundsätzlich gilt: je konkreter die Anforderungen an den Freiwilligen sind und die Angaben zur Stellenbeschreibung, desto besser. Möglicherweise gibt es auch unabhängige Erfahrungsberichte von Freiwilligen – nicht die auf der Webseite der Agentur –, die ich im Netz finden kann und die über ihre Erfahrungen mit der Agentur berichten. Je mehr Informationen ich sammle und miteinander vergleiche, desto klarer bildet sich nach meiner Erfahrung eine Entscheidung für oder gegen eine Agentur heraus.“
Green Pearls: „Was empfiehlst du Menschen, die sich gerne im Ausland freiwillig engagieren möchten?“
Heiko: „Grundsätzlich kann ich es jedem nur empfehlen, sich eine Zeitlang im Ausland zu engagieren. Kalkuliert lieber mehr Zeit vor Ort ein, denn dadurch taucht ihr tiefer in das Alltagsleben und die Kultur im Gastland ein. Außerdem sind die Erfahrungen vor Ort dann eindrucksvoller und nachhaltiger. Begegnet den Menschen auf Augenhöhe und seht euch als Begleiter auf Zeit, aber auch als Lernende, wenn es um die Kultur und Gesellschaft des Landes geht. Beachtet die kulturellen Gepflogenheiten und Sitten des Landes und seid offen für neue Eindrücke und Erfahrungen. Seid immer authentisch, bedenkt aber auch, dass ihr als Freiwilliger aus „Germany“ immer auch ein bisschen Botschafter eures Heimatlandes seid.“
Green Pearls: „Welche Probleme können durch Freiwilligenarbeit im Ausland entstehen?“
Heiko: „Grundsätzlich ist Freiwilligenarbeit eine tolle Sache und ich habe bei meiner Freiwilligenarbeit in verschiedenen Projekten im Ausland enorm viel gelernt – beruflich wie persönlich. Es gibt aber immer wieder Freiwillige, die weniger gute Erfahrungen machen. Probleme entstehen vor Ort meist entweder durch Überforderung, durch Unterforderung oder durch eine schlechte Kommunikation. Einerseits kann mich eine fremde Umgebung, fernab der Heimat, mit anderen kulturellen Gepflogenheiten bei möglichen sprachlichen Barrieren überfordern. Andererseits kann mich ein Einsatz, etwa wenn mehrere Freiwillige gleichzeitig mit mir vor Ort sind, auch unterfordern, wenn es zum Beispiel wenig vor Ort zu tun gibt oder Aufgaben nicht verteilt oder konkret zugewiesen werden.“

Green Pearls: „Warum ist Freiwilligenarbeit überhaupt auch kritisch zu betrachten?“
Heiko: „Kritisch sehen kann man, dass es bei den vermittelnden Organisationen und Agenturen immer wieder zu Problemen kommen kann. So können etwa zu viele Freiwillige zur gleichen Zeit in ein Projekt vermittelt werden oder es fehlt eine Betreuung bzw. es gibt keine kompetenten Ansprechpartner vor Ort. Darüber hinaus kann man Freiwilligenarbeit zum Beispiel in Waisenhäusern kritisch sehen. Die Waisenkinder bauen zum Freiwilligen eine Bindung auf und erleben dann möglicherweise einen Verlust und häufigen Wechsel der Bezugspersonen, da diese nur kurz vor Ort bleiben. Auch Freiwilligenarbeit mit bestimmten Tierarten ist durchaus kritisch zu sehen.“
Green Pearls: „Hast du selbst schon schlechte Erfahrungen mit Organisationen gemacht, bei denen die Freiwilligen womöglich eher zu einer Verschlechterung anstatt einer Verbesserung vor Ort beigetragen haben?“
Heiko: „Ich selbst habe keine schlechten Erfahrungen gemacht, aber ich habe immer mal wieder von Freiwilligen gehört, bei denen es nicht rund gelaufen ist. Erfreulich finde ich, dass in den Medien mittlerweile häufiger auch mal kritisch über Freiwilligenarbeit berichtet wird. Ich denke und hoffe, dass dies den Blick schärft und dazu beitragen kann, dass Freiwillige bei ihrer Entscheidung für eine Agentur auch „kritisch“ vorgehen und genauer hinschauen, nachhaken und das Angebot hinterfragen, bevor sie ihre Entscheidung treffen. Und für die Agenturen sind kritische Berichte zum Glück ja auch meist der Anlass, ihr Geschäftsmodell zu überdenken und Fehler im Ablauf oder in der Organisation anzugehen. Schlechte Publicity ist eben immer schlecht!“
Green Pearls: „Gibt es Bereiche, in denen du Volunteering ausnahmslos empfehlen kannst?“
Heiko: „Ich würde generell empfehlen kritisch zu sein und bei Kindern, Stichwort Waisenhäuser, sowie bei bestimmten Tierarten mich ganz genau informieren, ob das ratsam ist oder ob ich mir lieber einen anderen Arbeitsbereich auswählen sollte. Inzwischen gibt es auch viele Webseiten, die gute Informationen zum Thema Freiwilligenarbeit bieten, wie ‚Wegweiser Freiwilligenarbeit‘ und ‚DeeperTravel‘. Beide sind eine seriöse und unabhängige Informationsquelle.“
Green Pearls: „Und wie stehst du persönlich zu dem Thema?“
Heiko: „Freiwilligenarbeit im Ausland ist eine tolle Möglichkeit seinen beruflichen und persönlichen Horizont zu erweitern. Ich kann es jedem empfehlen – unabhängig vom Alter. Die klassische Zeit für Freiwilligenarbeit ist nach dem Abi oder Studium bzw. der Ausbildung. Aber auch bei älteren Menschen nimmt das Interesse an Freiwilligenarbeit immer mehr zu. Das kann ein Sabbatical sein, ein Jobwechsel oder eine persönliche/familiäre Veränderung. Für Freiwilligenarbeit ist es nie zu spät!“
Übrigens: Christian von People Abroad war kürzlich zu Besuch im SCHWARZWALD PANORMA und berichetet auf dem Blog von seinen Erfahrungen.
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Danke euch für das schöne Interview. Wenn der Freiwilligendienst im Ausland gut vorbereitet ist und auch vor Ort für alle Beteiligten erfolgreich verläuft, dann ist das eine tolle Erfahrungen, die ich jedem nur empfehlen kann.
Viele Grüße
Heiko
Das stimmt 🙂 Danke auch dir und wir hoffen, dass das Interview bei dem ein oder anderen Leser die Lust auf einen Freiwilligendienst weckt 😉