Regenwasser nutzen: Ideen und Maßnahmen aus grünen Hotels

Grauwasser und Regenwasser nutzen: Nachhaltige Projekte Angesicht des Klimawandels

Grauwasser und Regenwasser nutzen: Nachhaltige Projekte Angesicht des Klimawandels
Regenwassernutzung im Garten | ©Ingo Bartussek - stock.adobe.com

Laut UN-Water ist der Klimawandel “in erster Linie eine Wasserkrise”. Durch extreme Wetterereignisse wird unser Wasser knapper, verschmutzter und unvorhersehbarer. Dies bedroht weltweit die Artenvielfalt und den Zugang zu sauberem Trinkwasser und hygienischen Sanitäreinrichtungen. Du selbst kannst die Wasserkrise vielleicht noch nicht direkt spüren, weil bei dir auch im trockensten Sommer das Wasser ganz normal aus der Leitung fließt. Aber gerade, wenn du einen Garten besitzt, hast du dir sicher schon einmal Gedanken gemacht, wie du das Regenwasser nutzen kannst.

Denn auch in (wasser)reichen Ländern wie Deutschland werden die Sommer immer trockener. Und das kostbare Trinkwasser aus der Leitung zum Garten bewässern benutzen? Das ist zum einen teuer und zum anderen sehr verschwenderisch.

Viele unserer Green PearlsⓇ Partner haben verstanden, dass nachhaltiges Wassermanagement zu den wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit gehört. Hier stellen wir dir vor, wie nachhaltige Hotels und Ferienunterkünfte Grauwasser und Regenwasser nutzen und was du selbst tun kannst.

 

Die Welt im Wasserstress

Ein paar Fakten vorab:

  • Aktuell leben laut UN-Water 2,3 Milliarden Menschen in Ländern mit “Wasserstress”. Das bedeutet: Es wird mehr Süßwasser benötigt, als zur Verfügung steht.
  • Länder im Wasserstress zapfen entweder ihre Grundwasserreserven an oder gewinnen ihr Süßwasser aus Salzwasser, was viel Energie und Ressourcen benötigt.
  • Überschwemmungen und der Anstieg des Meeresspiegels können Land und Trinkwasserressourcen verunreinigen und versalzen.
  • Viele Flüsse werden aus Gletschern, Eis und Schneefeldern gespeist – Die globale Erwärmung hat darauf deutliche Auswirkungen und beeinträchtigt viele Menschen.
  • Dürreperioden führen zu Waldbränden. Diese bedrohen das Leben der dortigen Menschen ebenso wie der Tiere. Zudem fallen die Waldflächen als CO2-Speicher weg. Der verbrannte Boden kann weniger Grundwasser bilden.
  • Verringertes Grundwasser verschärft die Wasserknappheit und Ernährungsunsicherheit.
  • Weltweit steigt die Wassernachfrage um jährlich 1 %. Laut der Vereinten Nationen hat sich der Wasserverbrauch zwischen den Jahren 1930 und 2000 versechsfacht. Etwa 70 % entfallen auf die Agrarwirtschaft und 20 % auf die Industrie.

 

„Eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung ist von zentraler Bedeutung (…) Jeder muss eine Rolle spielen – Maßnahmen auf individueller und Haushaltsebene sind entscheidend.“

– UN-Water

Saving water while traveling © AdobeStock / tsuppyinny
Kostbares Gut | ©tsuppyinny – AdobeStock

 

Regenwasser nutzen: Wir stellen drei Möglichkeiten vor

Die einfachste Lösung: eine Regentonne

Pflanzen lieben Regen. Das weiche Regenwasser ist nicht nur kostenlos, es ist für die Pflanzen auch besser als hartes Leitungswasser. Die einfachste Möglichkeit, Regenwasser für den Garten zu nutzen, ist eine Regentonne. Das Hotel Klosterbräu in Seefeld, Tirol, hat gleich mehrere 100 Liter Behälter auf seinem Gelände platziert und nutzt das aufgefangene Wasser für den Garten und die Balkonbepflanzung.

 

Tipp: Am effektivsten nutzt du eine Regentonne in Kombination mit einer Regenrinne, wo abfließendes Wasser vom Dach gebündelt in die Tonne läuft.

 

Regenwasser nutzen durch Zisternen und Wasserbecken

Das Naturhotel Outside in Osttirol besitzt bereits einen großen Naturbadeteich und Kneippweg im Outdoorbereich. Zusätzlich soll bei den nächsten Grabungsarbeiten im Garten (voraussichtlich 2024) eine Zisterne eingelassen werden, in der Regenwasser aufgefangen wird, das anschließend für die Gartenbewässerung genutzt werden kann.

Wenn du einen großen Garten zu bewässern hast, oder Regenwasser als Nutzwasser im Haus (z. B. für die Toilettenspülung) nutzen möchtest, lohnt es sich, über eine Zisterne nachzudenken. Eine Zisterne wird im Boden eingelassen und hat einen Zulauf über die Regenrinne vom Dach. Das Wasser gelangt zunächst in einen Filter und wird dann gesammelt. Typischerweise kannst du das gesammelte Regenwasser über einen Wasserhahn im Garten entnehmen oder mit dem Nutzwassersystem im Haus verbinden.

 

Im STURM im Biosphärenreservat Rhön gibt es gleich zwei Zisternen, welche helfen, die rund 20.000 Quadratmeter Gartenlandschaft nachhaltig zu bewirtschaften. Hier stehen nur heimische und klimaresistente Pflanzen, und es gibt viele Unterschlupfmöglichkeiten und Verstecke für Insekten und Tiere. Eine weitere Maßnahme des Hotels ist der Verzicht auf versiegelte Flächen (z. B. hat das STURM einen Schotterparkplatz anstelle eines befestigten Parkplatzes). Wie das Bundesumweltamt schreibt, gehen durch Bodenversiegelung “wichtige Bodenfunktionen” verloren. In erster Linie betreffe es die “Wasserdurchlässigkeit und die Bodenfruchtbarkeit”.

Zisterne und IBC Container (“Gittertank”) im Creativhotel Luise in Erlangen, können nicht nur für die Bewässerung des Gartens und Mikrowalds genutzt werden, sondern auch für die Toilettenspülung.

„Gerade die Städte sind vom Klimawandel bedroht, denn Hitze wirkt dort extremer”, sagt Besitzer Ben Förtsch. “Daher haben wir einen Mikrowald in unserem Garten gepflanzt, um dort für ein besseres Mikroklima, mehr Biodiversität, eine höhere Luftqualität zu sorgen.”

Nachhaltige Stadtentwicklung und grnes Reisen in Erlangen: Mikrowald
Mikrowald als Verbesserer der Luftqualität | ©Creativhotel Luise

 

Unterirdische Wasseraufbereitung

Einige unserer Green PearlsⓇ Unterkünfte haben sogar in aufwendige, unterirdische Wasseraufbereitungsanlagen investiert. Und zwar insbesondere in warmen Gegenden. Im ADLER Spa Resort SICILIA auf Sizilien wird sowohl Regenwasser als auch Grauwasser aufbereitet und für die Bewässerung des großen Gartens wiederverwendet. Bis 2024 soll die Wasserrückgewinnung und Energieautonomie durch Solaranlagen sogar noch vergrößert werden.

 

Im Eco Aparthotel The Dreamer’s Club auf der Insel Korcula, Kroatien, stellt das Zisternen-System sogar Wasser für Waschmaschinen und Duschen bereit. Die Bepflanzung im Garten beschränkt sich bewusst auf heimische (oder heimisch gewordene) Pflanzen, die wenig Wasser benötigen. “Dadurch verbrauchen wir nicht nur weniger Wasser, sondern fördern auch die lokale Artenvielfalt und unterstützen die Gesundheit unseres Ökosystems”, heißt es aus dem Öko-Aparthotel.

 

Auswirkungen von Wasserknappheit und Gegenmaßnahmen

Ausgetrocknete Flüsse

Zeichen des Klimawandels ist, dass Flüsse vielerorts austrocknen, Niedrigwasser haben oder ganz verschwinden. Im Dürresommer 2022 war auf mehreren europäischen Flüssen keine Binnenschifffahrt möglich.

Forscher nennen zwei Gründe für die schwindenden Flüsse:

  • Klimawandel
  • Der Mensch

 

Ein Beispiel ist der Fluss Schwarza in Niederösterreich. Entlang des Flusses gibt es etwa 30 Kleinkraftwerke, die Wasserrechte besitzen und dem Fluss Wasser entnehmen, bemängelte der Schwarza-Wasserverband bereits vor einigen Jahren. Die Schwarza fließt auch durch das Grundstück von Gut Guntrams. Die nachhaltige Green PearlsⓇ Unterkunft liegt rund 60 Kilometer von Wien entfernt. Das Flussbett der Schwarza bleibe die meiste Zeit im Jahr trocken, berichten die Besitzer.

Auwald an der Schwarza, Österreich
Auwald an der Schwarza, der von der Arche Guntrams (Projekt des Gut Guntrams) gepflegt wird | ©Stefan M. Gergely

 

Pflanzen, die wenig Wasser brauchen

Auf Gut Guntrams hat man darum begonnen, nur noch trockenresistente Pflanzen am Flussbett nachzusetzen. Auf dem Gut selbst, wo es neben außergewöhnlichen Ferienunterkünften auch eine eigene, ökologische Landwirtschaft gibt, gibt es nun vermehrt Pflanzen, die gut ohne Wasser zurechtkommen. In den vergangenen Jahren kamen z. B. viele Wildsträucher wie Vogelbeere oder Felsenbirne hinzu. Als Bewässerungsform wurde die Tropfbewässerung gewählt, die im Vergleich zur Sprinkleranlage sehr wassersparend ist.

Garten auf Gran Canaria: Nachhaltig angelegt mit heimischen Pflanzen – Sanfter Inseltourismus
Blick in den Garten | ©Casa León Royal Retreat

Auf Gran Canaria bei unserem Partner Casa León Royal Retreat, fällt ohnehin nur sehr wenig Regen. Trotzdem reicht auch das bisschen Regenwasser der Zisterne aus, den Garten des 10.000 Quadratmeter großen Anwesens zu bewässern. Wegen der Abgeschiedenheit der kanarischen Inseln wachsen hier viele Endemiten. Das heißt, Pflanzen, die nur dort heimisch sind. Hierzu gehört z. B. die kanarische Palme (Phoenix canariensis), die bis zu 30 Meter hoch werden kann und verschiedene Kakteenarten.

 

 

Wasserknappheit trotz Regenzeit

In Thailand ist die Wetterlage eine ganz andere. Zwischen Mai und Oktober herrscht hier Regenzeit, wo du mit bis zu 24 Regentagen im Monat rechnen kannst. Trotzdem gibt es in dem tropischen Land ein Wasserproblem, was insbesondere mit der massiven Grundwasserentnahme zusammenhängt. Nach Informationen des Spiegels entnimmt Thailand heute doppelt so viel Grundwasser aus dem Boden, wie noch vor 60 Jahren. “Der Tourismus erschöpft die öffentliche Wasserversorgung auf der Insel”, erzählt das Team des Keemala auf Phuket. Das nachhaltige Luxus-Resort hat deshalb ein vorbildliches Wassermanagement, das es zu 100 Prozent unabhängig macht und bei dem sowohl Regenwasser als auch Grauwasser gesammelt, gefiltert und wiederverwendet wird.

 

Pflanzen als Wasserfilter

Eine weitere Besonderheit im Keemala ist, dass spezielle Wasserpflanzen gezüchtet werden, welche das Wasser im Fluss und Wasserfall auf natürliche Art filtern und sauber halten.

Tipp: Auch in deinem Garten kannst du Pflanzen als Teichfilter verwenden. Erkundige dich hierfür, welche Teichpflanzen sich in deiner Region als Filter einigen. In Deutschland ist es z. B. die Wasserlinse.

 

Grauwasser für die Toilettenspülung nutzen

Wie du wahrscheinlich weißt, verbrauchen wir das meiste Wasser im Bad. Selbst eine moderne Toilettenspülung verbraucht pro Spülung zwischen 3 und 6 Liter Wasser, was sich am Tag schnell auf 30 Liter (pro Person) summiert. 5 Minuten Duschen verbrauchen (je nach Duschkopf und Wasserdruck) etwa 50 Liter Trinkwasser. Zum Trinken selbst benötigen wir hingegen nur 2 Liter täglich.

Dass soviel kostbares Trinkwasser einfach “das Klo runtergeht” kann durch die Nutzung von Grauwasser verhindert werden. Im Paradiso Pure.Living auf der Seiser Alm in Südtirol, Italien, wird hierfür gerade ein spezielles Grauwasser-System installiert. In der ersten Bauphase wurden die neuen Sanitäranlagen bereits mit zusätzlichen Rohren ausgestattet. Sobald die zweite Bauphase beendet ist, wird für die Toilettenspülung der japanischen Washlets das gereinigte und gefilterte Abwasser vom Duschen und Baden, sogenanntes Grauwasser, verwendet.

Grauwassersystem im Paradiso Pue.Living mit neuer Toilette
Das Abwasser der Dusche für die Toilettenspülung zu verwenden, kann hunderte Liter Wasser sparen. Die japanische TOTO-Toilette sorgt zudem für Hygiene | ©Paradiso Pure.Living – Seiser Alm.

 

Grauwassernutzung privat

Eine Grauwasseranlage kannst du auch in Privathaushalten installieren. Solltest du zufällig gerade einen Hausbau oder eine Sanierung planen, gibt es sogar staatliche oder kommunale Förderprogramme.

 

Bei der Bremer Umweltberatung heißt es: “Trinkwasser (…) steht keinesfalls unbegrenzt zur Verfügung”, weshalb es wichtig sei “Trinkwasservorkommen zu schonen”. Weiterhin wird die Bevölkerung aufgerufen, Regenwasser für Garten und Toilettenspülung zu verwenden – dies könne in einem Privathaushalt fast 40 Prozent des Trinkwassers ersetzen (was ja für diesen Zweck gar nicht in Trinkwasserqualität gebraucht wird).

 

Mehr zu Wasserprojekten unserer Green PearlsⓇ Partner erfährst du hier:

 

Wir hoffen, wir konnten dir ein paar Inspirationen geben, wie du kostbares Trinkwasser sparen kannst, in dem du Regenwasser nutzt. Wie handhabst du das bei dir Zuhause?

 


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