Overtourism: Probleme & Lösungen

Overtourism: Wenn alle da hinwollen, wo alle sind

Overtourism: Wenn alle da hinwollen, wo alle sind
© Adobe Stock / Hendrik Schwartz

Dies ist ein Update von unserem  Overtourism-Artikel vom 29. März 2018

Wenn du am Strand liegst wie in einer Sardinenbüchse und für ein Eis eine halbe Stunde Schlange stehen musst oder wenn Menschenmassen den Blick auf die lokalen Sehenswürdigkeiten versperren, ist das zwar unangenehm und nervig, aber nicht bedenklich für uns selbst. Overtourism hat da noch weitaus bedenklichere, ja sogar gefährliche Konsequenzen.

Der Andrang kann so groß werden, dass die Natur sich nicht mehr erholen kann und wilde Tiere und Pflanzen verdrängt werden. Die Infrastruktur beliebter Städte wird überlastet, weil sich Besuchermassen durch die Straßen drängen, und die Mietpreise für Anwohner steigen ins Unermessliche, weil immer mehr Wohnraum für Ferienunterkünfte weichen muss. Overtourism ist ein Phänomen, das für niemanden erholsam ist. Denn genauso wie diese Touristenmassen die eigenen Nerven belasten, belasten sie auch die Natur und die Menschen vor Ort.

 

Overtourism ist ein Problem. Der Eiffelturm zieht viele Besucher an. Nachhaltiger Tourismus als Antwort.
BILD: Pixabay

Zwei Milliarden Touristen in 2030 erwartet

Die Touristen-Organisation der Vereinten Nationen (UNWTO) hat 2017 Hochrechnungen veröffentlicht, nach denen sie 1,8 Milliarden weltweite Touristen im Jahr 2030 erwarten – einen noch nie dagewesenen Höchststand. Laut einer Pressemitteilung Italiens staatlicher Eisenbahngesellschaft (FS) aus dem Jahr 2023 wird inzwischen sogar von 2 Milliarden Touristen im Jahr 2030 ausgegangen.

 

Zu den großen Herausforderungen des globalen Tourismus zählen laut der UNWTO:

 

  • Umweltverschmutzung
  • Abfall
  • Ausbeutung von Arbeitskräften
  • Prostitution und Missbrauch von Kindern
  • Plünderung natürlicher Ressourcen

 

 

 

In Zeiten des Overtourism muss Reisen bewusster werden

Obwohl Reisen, wie fast alle menschlichen Handlungen, seine Schattenseiten hat, darf nicht vergessen werden, dass Tourismus auch positive Auswirkungen hat.

 

„(Tourismus) bringt die Welt auf unglaublich beeindruckende Weise zusammen: Er macht die Welt kleiner, vernetzter, informierter und damit zu einer Welt mit mehr Mitgefühl“ – Taleb Rifai, ehemaliger Generalsekretär der UNWTO

 

Wie Rifai weiter ausführt, liege es an den Menschen selbst, dafür zu sorgen, “dass die Auswirkungen des Tourismus positiv sind und zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen“.

Dafür setzen wir uns auch bei Green PearlsⓇ seit 2011 aktiv ein.

 

Overtourism: Herausforderung für das Weltkulturerbe

Machu Picchu
So leer wie hier auf dem Bild ist Machu Picchu nur noch selten © Inkaterra

 

Wo viele Menschen sind, ist leider auch eine Menge Müll. Das hat in Peru dazu geführt, dass die geschichtsträchtige Inka-Bergfestung Machu Picchu 2016 von der UNESCO für die Liste des gefährdeten Welterbes in Betracht gezogen wurde. Der Grund: eine Abfallmanagementkrise. Denn die rund 2000 Touristen*, die die Ruinenstadt täglich besuchen, lassen Unmengen von Plastikmüll zurück, deren Abtransport lange ein großes logistisches Problem darstellte. Die Krise abwenden konnte eine PET-Müllverdichtungsanlage. Die Anlage gehört zum Inkaterra Machu Picchu Pueblo Hotel und kann täglich bis zu 14 Tonnen Abfall verarbeiten, der so komprimiert, bequem per Bahn zum Recycling abtransportiert wird. Für diese nachhaltige Initiative wurde Inkaterra 2018 mit der Goldene Palme ausgezeichnet.

 

Neue Regeln für den Besuch von Machu Picchu 2024

*Waren es im Jahr 2018 noch täglich 2000 Touristen, sind es jetzt bereits 2.500 Touristen am Tag. Somit ist der Touristenstrom in den vergangenen fünf Jahren um 25 Prozent angestiegen!

Ab 2024 gelten neue Regeln für einen Besuch der antiken Inkastadt in Peru, um das Welterbe zu schützen. Diese beinhalten:

  • Verbot von Plastik
  • Verbot von Alkohol
  • Rauchen verboten

Machu Picchu darf nur in einer geführten Tour besucht werden, um den Touristenstrom und die Einhaltung der Regeln kontrollieren zu können.

 

Weg vom Overtourism! Macht’s anders: Bewusstsein entwickeln

Inkaterra bietet Touren z.B. in den Regenwald mit speziell ausgebildeten Guides © Inkaterra

 

Noch besser als so eine Müllverdichtungsanlage wäre es natürlich, erst gar keinen Müll zu verursachen. Allein durch die Nutzung wiederverwendbarer Trinkflaschen könnten Unmengen von PET-Flaschen eingespart werden. Generell sollte man sich auf jeder Reise fragen: Wie wirkt sich mein Verhalten hier aus? Und wie kann ich dafür sorgen, dass die Auswirkung nicht negativ ist? Eine gute Möglichkeit, um dem Problem Overtourism entgegenzuwirken, ist es übrigens, neue Orte zu entdecken. So ist beispielsweise der Nebelwald um Machu Picchu kein bisschen weniger spektakulär als die Burgruine selbst – aber garantiert weniger überlaufen. Das Inkaterra Machu Picchu Pueblo Hotel bietet Touren an, auf denen ihr nicht nur in Ruhe dieses Naturwunder genießen, sondern auch noch eine Menge über Flora und Fauna dieser geschichtsträchtigen Gegend und die Nachhaltigkeitsprojekte der Inkaterra Asociación (ITA) lernen könnt.

 

Tourismus in Thailand – die guten und schlechten Seiten

Auch mit Thailand verbindet man oft Bilder von touristisch überlaufenen Naturschönheiten. Wie Overtourism die Korallen der thailändischen Insel Ko Phi Phi Leh zerstört hat, haben wir z. B. in unserem Blogbeitrag Nachhaltig Reisen in Südostasien beschrieben. Auslöser war, dass die Insel als Drehort des Hollywood-Films “The Beach” mit Leonardo DiCaprio genutzt wurde. Nachdem der Film im Jahr 2000 auf die Leinwand kam, reisten bis zu 5000 Besucher täglich zur Maya Bay. Im Jahr 2018 gab es für diesen Massenansturm die Quittung: 90 Prozent der dortigen Korallen waren beschädigt. Die Bucht wurde daraufhin komplett für Besucher gesperrt und ist erst seit 2022 (nach einer Erholungsphase von vier Jahren) wieder eröffnet worden.

Unser Green PearlsⓇ Partner Zeavola liegt ebenfalls auf der Insel Ko Phi Phi Leh und kümmert sich dort aktiv um den Erhalt sowie die Neupflanzung von Korallen. Als Taucher*in könnt ihr euch sogar selbst aktiv daran beteiligen. Und falls ihr noch keinen Tauchschein habt: Das Resort bietet zertifizierte PADI-Kurse an, an deren Ende ihr nicht nur einen Tauchschein in den Händen haltet, sondern auch jede Menge über die Unterwasserwelt Thailands gelernt habt.

 

Moken homestay

 

Gemeinschaftsorientierter Tourismus in Thailand

Dass Reisen in Thailand viel Positives bewirken kann, zeigen auch zahlreiche nachhaltige Projekte und Tourismusinitiativen wie die des thailändischen Dorfes Tung Dap. Das Dorf wurde unlängst von Green Destinations als eine der drei Spitzenreiter in der Kategorie „Beste Städte, Gemeinschaften & Kultur“ ausgezeichnet: für den Schutz der lokalen Kultur und Tradition, die Integration der lokalen Gemeinschaft in den Tourismus und seinem Engagement gegen Ausbeutung, Menschenrechtsverletzungen und Massentourismus.

 

 

Moken Village

 

Echtes Leben statt Touri-Spektakel

Tung Dap ist eine ländliche „Gastfamilieninitiative“, bei der du für die Zeit deines Besuchs in das Dorf aufgenommen wirst, mehr über Land und Menschen erfährst und dich am Leben der lokalen Gemeinschaft beteiligen kannst. Kulturelle und naturnahe Tätigkeiten wie Angeln und Gemüseanbau sind nur einige der einzigartigen thailändischen lokalen Erfahrungen, die du hier mitnimmst. Touren organisiert die mehrfach ausgezeichnete Initiative Andaman Discoveries, die sich ebenfalls für gemeinschaftsorientierten Tourismus einsetzt. Darüber, wie du auch im Norden Thailands in den Alltag der Einheimischen eintauchen kannst, haben wir hier berichtet: Grüner Urlaub in Chiang Mai.

 

Beach on Ko Phad, Thailand
Ko Phad (die achte Insel) des Mu Ko Similan National Marine Park in Phang-Nga © Tourism Authority Thailand

 

Massentourismus in Europa – Sehenswürdigkeiten am Limit

Am meisten besucht weltweit: der Eiffelturm

Der Eiffelturm in Paris ist mit jährlich rund 7 Millionen Besuchern eines der meistbesuchten Monumente der Welt. Dies entspricht rund 20.000 Besuchern pro Tag. Es gibt somit leider auch kaum Uhrzeiten, wo es nicht voll ist. Wenn du den Eiffelturm unbedingt besteigen möchtest, empfehle ich dir einen Besuch bei Nacht – dann siehst du nämlich die Lichter von Paris und erkennst, dass die Stadt sternenförmig angelegt ist.

Zum Glück hat die Stadt Paris bereits ehrgeizige Pläne entwickelt, wie die Stadt zu einer der grünsten Städte in Europa werden kann.

Möchtest du die Metropole besuchen, so können wir dir die kleinen, nachhaltigen Green Spirit Hotels im 7. Bezirk (nicht weit vom Eiffelturm entfernt) empfehlen. Hotel Le Pavillon, Hotel Marlar und Hotel Amélie entstanden alle aus alten Bestandsgebäuden und achten auf Bio- und Fair-Trade Produkte sowie gesunde Luftqualität.

In unserem Blogbeitrag über Grüne Weihnachten in Paris findest du weitere Ideen, wie du Frankreichs Hauptstadt nachhaltig bereisen kannst.

 

Wie im Märchen, oder?

Nachhaltig Reisen in nachhaltigem Hotel Das Rübezahl - schöne Städte und Landschaten in Deutschland
Schloss Neuschwanstein gehört zu den berühmtesten Schlössern der Welt. © Hotel Das Rübezahl

 

Zu den populärsten Touristenattraktionen in Deutschland gehört das Schloss Neuschwanstein. Im Sommer besuchen täglich über 6.000 Besucher die Räume, die einst nur einem einzigen Bewohner, nämlich König Ludwig II.,  gehörten. Du musst selbst entscheiden, ob du das Schloss von innen sehen musst, oder dir ein Blick von außen genügt (den kompletten Bau kannst du ohnehin nur aus der Ferne erkennen).

Rund um die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau findest du aber auch wunderbare Möglichkeiten für sanften Tourismus. Das Hotel Das Rübezahl wird bereits in der dritten Familiengeneration geleitet. Es engagiert sich in den Bereichen umweltfreundlicher Verkehr, grüne Energie und Abfallvermeidung. Wanderführer “Berg Basti” erklärt Touristen die heimische Tier- und Pflanzenwelt und sensibilisiert die Besucher für die Natur.

 

Overtourism vermeiden – Das kannst du  tun

  • Bei Instagram gegensteuern: Einige Reiseblogger (z. B. von SoulTravel) haben sich bereits kritisch dazu geäußert, dass Beiträge wie “why a trip to X will explode your instagram feed” Massentourismus fördern. Bei solchen Posts geht es nur darum, den “Shot” für mehr Popularität zu bekommen. Nicht um das Reisen selbst. Stattdessen kannst du bei Instagram das zeigen, was nicht schon jeder gesehen hat. Natürlich ohne Geo-Tag! Auch beim Konsumieren solltest du darauf achten, dass du eher nachhaltigen Reisebloggern und Influencer*innen folgst, die sich für ein achtsames Reisen aussprechen.
  • In der Nebensaison reisen: Gerade, wenn du nicht an Schulferien gebunden bist, solltest du zu beliebten Reisezielen besser in der Nebensaison reisen. Wenn es nicht so überfüllt ist, kannst du es auch selbst mehr genießen.
  • Länger reisen: Flugreisen verursachen viel CO2 und sollten daher nicht einfach so für einen Kurztrip gebucht werden. Wenn du länger bleibst, kann das Reiseland mehr von dir als Tourist*in profitieren.
  • Weniger bekannte Reisedestinationen wählen
  • Respektvoll fotografieren und deine Fotografien bewusst teilen: Das heißt: verzichte auf Geo-Tags und genaue Bezeichnungen von Orten. Wenn du Attraktionen oder Sehenswürdigkeiten besuchst, die von Massentourismus betroffen sind, dann weise in deiner Beschreibung darauf hin, welche Probleme das verursacht (Stichwort: Venedig)
  • Dich mit der Kultur des Landes beschäftigen
  • Vor Ort nachhaltige Projekte besichtigen/unterstützen (z. B. Umweltschutz, Tierschutz, Soziales)
  • Nachhaltige Unterkünfte wählen

 

“Die Vision des Reisens, der wir uns verschrieben haben, ist eine, die nicht nur dem Reisenden, sondern auch den Orten, die wir besuchen, zugutekommt.” – SoulTravel Reiseblogger

 

Die Zukunft des Reisens

Gemeinschaftsorientierter Tourismus heißt vor allem: Hier wird kein künstliches Touristenspektakel inszeniert. Stattdessen erlebst du, wie der Alltag vor Ort abläuft. Und abgesehen von einer authentischen Urlaubserfahrung für euch bedeutet das eine Einkommensquelle für die Einheimischen – und damit eine verbesserte Lebensqualität in ihrer Heimat. Wir finden: So sollte die Zukunft des Reisens aussehen.

 

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Der Pin zeigt einen überfüllten Strand mit türkisblauem Wasser und Felsen im Hintergrund. Darunter steht das Thema: Overtourism

Auf dem Bild ist ein Strand zusehen, an dem drei Touristenboote angelegt haben. Der ganze Strand ist mit Menschen gefüllt.


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