Die europäische Klosterbewegung ist an ihrem Ende angekommen. Das kann man bedauern, aber nicht abstreiten. Die Frage ist – was passiert mit den Immobilien? Leerstehen und verfallen lassen sollte keine Option sein. Interessanterweise gelten Klosterhotels eine der besten Ideen.
Mein Bezug zu Klöstern
Zu Beginn meiner journalistischen Ausbildung hatte ich eine recht gute Verbindung zur Katholischen Nachrichtenagentur (kna). Das ging auch, ohne katholisch zu sein. Bei ihnen war ich z. B. auf Seminaren oder Pressereisen in den Vatikan. Journalisten konnten in Klöstern übernachten und die dortige Gastfreundschaft genießen. Doch Gebete? Das hätte man, wenn überhaupt, irgendwie privat machen müssen.
Mittlerweile wohne ich ja im Heiligen Land und man könnte meinen, dass jeder Orden, der etwas auf sich hält, hier seine Vertretung hat. Ist auch so. Doch wo sind die Mitglieder? Ich habe schon einige christliche und orthodoxe Klöster besucht. Es sind Touristen-Attraktionen. Sensationelle Gebäude mit wunderschönem Ausblick und langer Geschichte – die Zahl der aktuellen Bewohner liegt aber immer so bei unter 15 und meistens sind diese auch schon sehr alt.

Ein Zeitalter endet – und was kommt danach?
Im Mittelalter blühten christliche Klöster in Europa vielerorts auf. Sie erfüllten wichtige Aufgaben, wie Bildung und Krankenpflege, und sie standen für den Zeitgeist, der uns heute manchmal seltsam vorkommen mag. Es war eine Zeit, wo Dinge wie Wunder, Buße, Gebet und Auferstehung eine zentrale Rolle im Leben der Menschen spielten.
Einige argumentieren, dass Klöster einfach nicht mehr gebraucht werden, weil viele ihrer damaligen Aufgaben inzwischen vom Staat übernommen werden. Im Mittelalter konnten beispielsweise fast nur Mönche lesen und schreiben, kopierten Bücher und erstellten Bibliotheken. Manche Orden hatten sich auch der Krankenpflege verschrieben. Doch der Grund dafür, dass immer mehr Klöster profaniert und aufgelöst werden, ist viel substanzieller. Der Bezug auf Gott fehlt.
„Gott wird ausgeklammert“
Pater Suitbert von der Benediktinerabtei Stift Neuburg in Deutschland trat vor über 70 Jahren ins Kloster ein. In Glanzzeiten waren sie 36 Glaubensbrüder. Jetzt leben hier noch sieben Mönche und die sind, wie Pater Suitbert, schon alt. „In unserer heutigen Welt wird Gott immer mehr ausgeklammert, Gott spielt in der Öffentlichkeit so gut wie keine Rolle mehr“, sagt er gegenüber dem Deutschlandfunk. „[In einem Kloster] kommen die zusammen, die sich von Gott für diesen Weg berufen fühlen, und wenn das ausbleibt, gut, dann ist halt eben nix mehr da. Oder kaum.“

Kaum noch Novizen und Novizinnen
In einem großen europäischen, christlich geprägten Land wie Deutschland gab es 2023 (in allen männlichen Klosterorden zusammengerechnet) nur noch insgesamt 21 Novizen („Neulinge“ in ihren ersten fünf Klosterjahren). Die Frauenorden haben aktuell noch deutlich größere Gemeinschaften als die Männer, doch sind über 84 % der Ordensfrauen über 65 Jahre alt. 2023 gab es 38 Novizinnen.
Das sind sehr wenige Menschen, für sehr viele (und zum Teil sehr große) Klostergebäude. Ein Problem ist auch, dass viele der Gebäude unter Denkmalschutz stehen und somit die Kosten und der Aufwand für deren Erhalt und Renovierung sehr hoch sind.
Was passiert mit den nicht mehr gebrauchten Klosterimmobilien?
Wird ein Kloster geschlossen, wird es „profaniert“. Danach ist es kein geheiligter Raum mehr, sondern ein gewöhnliches Gebäude. Das Gebäude sollte aber dennoch nicht „unwürdig“ genutzt werden, wie aus verschiedenen Bistums-Dekreten hervorgeht.
Das Magazin „Christ in der Gegenwart” hat sich vor einiger Zeit genauer damit beschäftigt, was aus aufgelösten Klöstern wird. Es stellt verschiedene Immobilien-Firmen vor, die sich auf „die Abwicklung“ kirchlicher Bauten spezialisiert haben und es geht auch um die Frage, welche Nutzung von Seiten der Kirche wohl am wünschenswertesten wäre. Ein Skandal war der (fast) Käufer eines Klosters, bei dem erst später herauskam, dass das Gebäude ein Swingerclub werden sollte.
Klosterhotels sind die beste Wahl
Wohnprojekte wie Mehr-Generationen-Wohnen oder Studentenwohnheime sind beispielsweise eine beliebte Wahl. Am gelungensten unter den verschiedenen Projekten, die das christliche Wochenmagazin aufzeigte, schienen allerdings Hotels. Und zwar solche, die sich auf das klösterliche Erbe berufen und diese Kultur sichtbar machen.
„Gastgeber sein. Das ist ein urchristliches Thema.“ – Beate Hierold, Verwaltungsleiterin von Kloster Arenberg
Green PearlsⓇ Hotels in ehemaligen Klöstern

Zum Green PearlsⓇ Netzwerk nachhaltiger Hotels gehören drei Hotels, die auf ehemaligen Klostermauern errichtet wurden. Auch aus nachhaltiger Sicht hat dies mehrere Vorteile:
- Die Nutzung von Bestandsgebäuden ist ökologisch besser als ein kompletter Neubau.
- Das kulturelle und architektonische Erbe der Region wird bewahrt.
- Viele historisch wertvolle Gebäude können so gerettet werden.
Interessanterweise üben Klöster auch eine Art „magische Wirkung“ auf die Menschen aus. Das beobachtet zumindest Kirchenhistoriker Joachim Schmiedl, der (ebenfalls gegenüber „Christ der Gegenwart“) sagte, dass das Klostersterben von einem gesteigerten Interesse der Menschen an allem, was mit Mönchen, Nonnen und Klöstern zu tun habe, begleitet sei.
Hotel Klosterbräu: ein Ort für Gäste – und selbstgebrautes Bier

Das Hotel Klosterbräu in Seefeld in Tirol ist sicherlich ein Paradebeispiel für ein Hotel, dass das kulturelle Klostererbe weiterpflegt. 1809 wurde in Seefeld ein Augustiner-Kloster gegründet. Schon früh wurden hier Wallfahrer beherbergt und bewirtet wurden die Pilger mit selbstgebrautem Bier.
Seit rund 200 Jahren ist das ehemalige Kloster in Besitz der Gastgeberfamilie Seyrling, die es mittlerweile in ein 5-Sterne Wellnesshotel verwandelt haben. Die Tradition des Bierbrauens haben sie beibehalten.
Auch viele andere Elemente des einstigen Klosters sind bis heute sichtbar. Es gibt die Gewölbekeller und die ehemalige Klosterglocke hängt gut sichtbar über dem Außenpool.
- Hier kannst du mehr über die über 500-Jährige Geschichte des Hotels erfahren.
Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa: ein Ort der Gesundung

Auch das Gesundheits- und Wellnesshotel Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa in Bayern war einst ein Augustiner-Kloster. Seine Geschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Bevor Gastgeber Dr. med. Andreas Färber Hotelier wurde, war er als Arzt in der Entwicklungshilfe in Ecuador tätig. “Als ich in Ecuador war, habe ich mich dort sehr viel mit der Kultur beschäftigt“, berichtet er. „Es gibt dort sehr viele Klöster und ein oder zwei waren als Hotel umgebaut, das fand ich damals sehr spannend. (…) Und das war vielleicht schon die erste Initialzündung für den jetzigen Klosterhof.”
Als Arzt hat er in das nachhaltige Wellnesshotel ein Gesundheitszentrum integriert. Dies ist eine schöne Anknüpfung an die Wurzeln des Klosterhofs, wo die damaligen Mönche auch Wissen über Heilmittel sammelten und anwendeten.
- Lies hier mehr über die Geschichte vom Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa.
Hotel Le Pavilion in Paris – älter als der Eiffelturm
Paris stieg im Mittelalter zu einer Metropole auf. Seit dem 15. Jahrhundert ist die Stadtkulisse geprägt von Kirchtürmen und es gab zahlreiche Orden und Klöster. Sämtliche Schulen, Hospize und Krankenhäuser wurden von Klöstern betrieben und auch die Tempelritter hatten ein Haus in Paris.
Das Green Pearls® Hotel Le Pavilion im heutigen 7. Stadtbezirk von Paris war früher ein Frauenkloster für Nonnen. Gebaut wurde es im 19. Jahrhundert (wohl einige Jahre vor dem Bau des Eiffelturms, den du von hier aus fußläufig erreichen kannst).

Ausgebetet, aber nicht vergessen: Klosterhotels tragen das Erbe weiter
Ich selbst kann sagen, dass ich es – obwohl ich selbst gar nicht christlich bin – zuerst irgendwie bedauerlich fand, wenn man sieht, dass aus einem Kloster plötzlich ein Hotel wird. Es sieht so aus, als würde das Weltliche Überhand nehmen, und das Göttliche verschwinden. Doch wenn man das Ganze von einer praktischen Seite betrachtet, so zeigt sich, dass Hotels tatsächlich die aktuell vielleicht würdigsten Erben sind. Oder was ist deine Meinung? Hinterlasse mir doch einen Kommentar, wie du darüber denkst.
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