Auf unserem Blog beschäftigen wir uns oft mit der Frage danach WIE du nachhaltig reisen kannst. Heute soll es allerdings darum gehen, WARUM das überhaupt wichtig ist. So viel verraten wir dir vorab: Es geht nicht nur um Umweltschutz. Letzten Endes wirst du vom nachhaltigen Reisen auch ganz persönlich profitieren.
#1 Tourismus als Wirtschaftsfaktor
Die Tourismusbranche ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor – in manchen Ländern sogar der wichtigste von allen. Durch deinen Urlaub kommt dein Geld in Bewegung und du trägst dazu bei, dass der Reichtum umverteilt wird und Arbeitskräfte bezahlt werden. Hotels sind oft große wirtschaftliche Unternehmen mit zahlreichen Angestellten sowie Subunternehmern, Lieferanten etc. die ebenfalls von einem wirtschaftlich erfolgreichen Hotel profitieren.
Leider arbeiten nicht alle Hotels nachhaltig und sozial und oft kommt dein Geld gar nicht deinem Urlaubsland zugute. Vielleicht reist du in ein Hotel nach Thailand und dein Geld landet dann bei einem Investor aus den USA oder Japan. Manche Hotels beschäftigen Saisonarbeiter*innen, welche in schäbigen Notunterkünften leben (so wurde mir das zum Beispiel von einer deutschen Insel berichtet).
Durch die bewusste Auswahl eines nachhaltig und damit normalerweise auch fair wirtschaftenden Hotels sorgst du dafür, dass dein Geld auch wirklich in der Region ankommt und zudem faire Arbeitsplätze schafft.
Faire Arbeit im Hotel unterstützen

Ein Beispiel ist das Green City Hotel Vauban in Freiburg in Deutschland. Das nachhaltige Stadthotel ist ein Integrationsbetrieb und die Hälfte aller Mitarbeiter*innen sind Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen. Das Hotel ist fest in Freiburg verwurzelt. Gesellschafter sind die “Vereinigung Freiburger Sozialarbeit e.V.” und die “Freiburger Stadtbau GmbH”.
Im Ausland hast du ebenfalls zahlreiche Möglichkeiten dazu, deine Kaufkraft dazu zu nutzen, anderen Menschen zu helfen (anstatt deren Ausbeutung zu unterstützen). Bei unserem Green PearlsⓇ Partner Farmhouse Smiling Gecko in Kambodscha sorgt das Luxus-Resort dafür, die Ausbildungsstätten, Schule und ökologische Landwirtschaft der Smiling Gecko NGO zu finanzieren und dient auch selbst als Ausbildungsort und Arbeitgeber.
#2 Ressourcen schonen
Wahrscheinlich hast du es schon mitbekommen: Planet B gibt es nicht. Die Vorstellung, dass wir unseren Planeten einmal komplett aller seiner Ressourcen berauben, sämtliche Tier- und Pflanzenarten (vielleicht sogar ganze Bevölkerungsgruppen) vernichten und dann fortan auf dem Mars leben könnten, ist NICHT realistisch!
Fossile Rohstoffe wie Erdöl, Kohle und Erdgas sind endlich. Das heißt: Sie werden der Erde entnommen und sind dann weg. Theoretisch bilden sich auch diese Rohstoffe irgendwann wieder neu, doch bei Erdöl dauert es beispielsweise mindestens 10.000 Jahre, bis aus toten Pflanzenresten und Plankton wieder neues Öl entstanden ist. Daher sollte uns allen bewusst sein, dass das, was wir jetzt verbrauchen, unseren Kindern, Enkeln, Großenkeln und den darauf folgenden Generationen nicht mehr zur Verfügung steht.
Erneuerbare Energien in der Hotellerie
Zu den Anforderungen an ein nachhaltiges Hotel gehört unserer Meinung nach der Betrieb mit erneuerbarer Energie. Das mindeste ist der Bezug von 100 % Ökostrom (etwas, was du übrigens auch sehr leicht zu Hause tun kannst, dafür musst du einfach nur den Stromanbieter wechseln). Viele Hotels gehen in diesem Punkt allerdings weiter.

Unser Partner Hotel Milano Scala beispielsweise war das erste “Zero-Emissionshotel” in Italien. Die Energie wird über Erdwärme (Geothermie) bezogen, welches laut dem Landesministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschafteine erneuerbare Energiequelle ist, deren Nutzung “Treibhausgasemissionen erheblich reduziert”. Andere Hotels und Ferienunterkünfte setzen auf eigenen Blockheizkraftwerke, Wärmepumpentechnologien, Photovoltaik- und Solarthermieanlagen sowie Wärmerückgewinnungsmaßnahmen, um den eigenen Verbrauch fossiler Ressourcen zu reduzieren und gleichzeitig auch die CO2-Emissionen zu minimieren.
Upcycling und Bio
Doch die Ressourcenschonung betrifft nicht nur die Energie, sondern zum Beispiel auch das Gebäude und die Einrichtung. Das HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu hat kürzlich seine Hotelzimmer renoviert und dabei ein nachhaltiges Upcycling-Konzept umgesetzt. Anstatt neuer Möbel wurden die bestehenden Vollholzmöbel in den Zimmern einfach auseinandergebaut, die (veralteten) Verschnörkelungen wurden abgenommen und die Möbelstücke wieder aufgearbeitet. Durch die neue Zusammensetzung sind moderne Möbel entstanden, ohne dass neue Bäume geschlagen werden mussten! (Mehr darüber erfährst du in diesem YouTube-Video von Inhaber Marc Traubel und Innenarchitektin Sarah Stapelfeld)
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Im Biohotel Grafenast werden dir nachhaltige und natürliche Materialien wie Vollholz oder Stein aus der Region ebenfalls in jedem Winkel begegnen. Das Biohotel hat sich zudem ganz der ökologischen Landwirtschaft verschrieben und verwendet ausschließlich Bio-Lebensmittel – wenn möglich direkt aus der Region sowie dem hauseigenen „Sehnsuchtsgarten“. Durch die kurzen Lieferwege fallen weniger Treibhausgase an und durch den Verzicht auf Pestizide bleibt die Biodiversität erhalten.
#3 Natur- und Artenschutz fördern
Mit der Biodiversität wären wir beim nächsten Argument: Nachhaltiges Reisen unterstützt den Natur- und Artenschutz. Nehmen wir als Beispiel das Casa León Royal Retreat auf Gran Canaria. Das kleine Boutiquehotel im Landesinneren hat auf dem 10.000 Quadratmeter großen Anwesen einen Garten aus heimischen Pflanzen angelegt und verwendet zur Schädlingsbekämpfung ausschließlich natürliche Mittel. Hier kannst du verschiedenste kleine Tiere beobachten, wie beispielsweise den Kanarengirlitz – die Urform des domestizierten Kanarienvogels!
Für die Bewässerung nutzt das Hotel ein Zisternen-System mit Regenwasser. Als weitere nachhaltige Initiative hat die Inhaberfamilie des Casa León Royal Retreat ein 40.000 Quadratmeter großes Stück Wald auf dem Balkan gepachtet, welches zwar gepflegt wird, aber dennoch weitestgehend unberührt bleibt. So entstand auf dieser Welt ein weiterer geschützter Fleck für Tiere und Pflanzen, der zudem dem Klima dient.
#4 Land und Leute authentisch erleben
Nachhaltig reisen, das heißt, auch mal abseits vom Massentourismus unterwegs sein. Dies bietet dir eine echte Chance, das Urlaubsland authentisch zu erleben und die Bevölkerung kennenzulernen.
Albergi Diffusi in Italien retten Dörfer

In Italien hat die Albergo Diffuso-Bewegung dazu beigetragen, italienische Dörfer vor dem Verfall zu bewahren. Ein Albergo Diffuso ist ein Hotel, welches auf mehrere Bauten in einem Dorf verteilt ist. Du lebst somit direkt zwischen den Einheimischen.
Unser Green PearlsⓇ Partner Relais del Maro ist ein Paradebeispiel für ein solches Hotel. Inhaberin Elena Scalambrin hat verschiedene Geschäfts- und Wohngebäude ihrer Familie in ein 4-Sterne-Hotel umgewandelt. Zum Essen (und für den Pool) kommst du ins Haupthaus mit Rezeption und ansonsten lebst du in liebevoll gestalteten Zimmern inmitten der Dorfgemeinschaft. Diese konnte durch das Hotel, ihre Bäckerin und weitere Geschäfte im Ort halten. Du erlebst hier das echte Ligurien und siehst selbst, die positiven Auswirkungen von nachhaltigem Tourismus.
#5 Die Natur lieben lernen
„In the end, we will conserve only what we love” („Am Ende werden wir nur das bewahren, was wir lieben”) – Baba Dioum, senegalesischer Forstwirtschaftsingenieur und Artenschützer
Das berühmte Zitat von Baba Dioum, welches er 1968 auf einer Artenschutz-Konferenz in Indien präsentierte, lässt sich leicht verstehen. Wie wir z. B. in unserem Blogartikel über das Insektensterben gezeigt haben, haben viele Tiere und Pflanzen einfach keine starke “Lobby”. Wir denken, irgendwelche Käfer und Algen wären verzichtbar. Erst, wenn wir verstehen, welch wichtige Aufgabe sie haben, lernen wir sie zu lieben und uns für ihre Bewahrung einzusetzen.
Ausflüge mit dem Wanderführer im Allgäu
Im Hotel Das Rübezahl in Füssen hast du die Möglichkeit, die Natur gemeinsam mit dem hoteleigenen Wanderführer zu entdecken. “Bergbaschdi” nimmt dich mit in die Berge und zeigt dir hier mit Begeisterung die Tier- und Pflanzenwelt. Du entdeckst mit Sicherheit Dinge, an denen du sonst wahrscheinlich vorbeigelaufen wärst. (Mehr darüber erfährst du in unserem Interview mit dem Wander-Concierge)
Gletscher live erleben in der Schweiz

Ebenfalls hochinteressant sind Gletscher. Die “ewigen” Eismassen, sind der größte Süßwasserspeicher unserer Erde und sie drohen zu verschwinden! Hierüber weiß beispielsweise Fabienne Anthamatten vom Hotel Bella Vista Zermatt zu berichten. In ihrem Hotel steht eine über 8.000 Jahre alte Lärche, die die Hotelchefin selbst auf einem ehemaligen Gletscherfeld gefunden hat. Das heißt, für einige Tausend Jahre war der Stamm im Eis konserviert und wurde jetzt freigelegt.
Bei einer Reise zu den Gletschern kannst du die faszinierenden Eismassen (bis jetzt sind noch viele Kilometer davon da) bewundern und Zusammenhänge der globalen Erwärmung besser verstehen.
#6 Eine Vision haben – und an die Zukunft denken
Einfach im Hier und Jetzt zu sein, ist eine schöne Achtsamkeits-Übung. Doch solltest du in deinem Leben auch eine Vision haben. Eine Vision ist eine motivierende, positiv-formulierte Vorstellung von der Zukunft. Und darum geht es beim nachhaltigen Reisen.
Nachhaltiger Tourismus ist laut UN Tourism:
„Ein Tourismus, der seine derzeitigen und künftigen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen in vollem Umfang berücksichtigt”
Es geht also darum, sowohl ans JETZT zu denken als auch an DIE ZUKUNFT und Verantwortung dafür zu übernehmen. Wenn du das kannst, dann bist du ziemlich gut unterwegs. Und wo lernt man das einfacher und kann seine eigene Vision der Zukunft besser entwickeln, als wenn man nachhaltig durch die Welt reist und sich von anderen Visionären inspirieren lässt? Wenn das kein gutes Argument für eine nachhaltige Reise ist, oder was denkst du?
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