Dezember bis März Skifahren und April bis Oktober Wandern? So einfach ist das nicht mehr! Wir haben Hoteliers und Touristiker*innen nach der besten Reisezeit für die Schweiz befragt. Die Antwort darauf fällt unterschiedlich aus. Einig sind sich jedoch alle in einem Punkt: Die klassischen Jahres- und damit Hauptreisezeiten, wie wir sie kennen, geraten zunehmend aus dem Gleichgewicht. Grund dafür ist nicht nur der wachsende Tourismus, sondern vor allem eins: der Klimawandel.
Verschobene Jahreszeiten – und wie der Tourismus darauf reagiert
Die klassischen vier Jahreszeiten verschwimmen. Das berichten nicht nur Wissenschaftler*innen, sondern auch Menschen, die tagtäglich mit der Natur und dem Tourismus arbeiten. Anna Murphy vom Waldhotel Fletschhorn in Saas-Fee erzählt etwa, dass Winter und Herbst deutlich wärmer geworden sind. Der Schnee komme später, manche Frühlingswanderwege seien früher zugänglich als noch vor ein paar Jahren. Gleichzeitig verlängere sich die Blütezeit der Wildblumen, Lärchen bleiben länger golden – und manche Wanderungen seien im Spätherbst so eindrucksvoll wie nie zuvor. Für sie und ihr Team sind diese sogenannten Shoulder-Seasons eine echte Chance: weniger Trubel, besondere Lichtstimmungen, ruhige Naturerlebnisse.

Anders sieht es Fabienne Anthamatten vom Hotel Bella Vista in Zermatt. Sie beobachtet die sich verändernden klimatischen Bedingungen wachsam: milde Winter („weiße Weihnachten“ gibt es nicht mehr), ausgebliebene Extrem-Minusgrade auf dem Matterhorn und eine Verschiebung der Haupt-Schneefälle in den Frühling. Die wachsende Beliebtheit von Nebensaisonen sieht sie eher kritisch, auch wenn der Juni bei ihnen heute viel stärker gebucht ist als früher.
„Ich bin eine strikte Gegnerin von 365-Tage-Tourismus. Der Ort braucht Pausen. Die Natur braucht Ruhe. Wir brauchen Ruhe.“ – Fabienne Anthamatten
Fabienne plädiert für einen bewussteren Umgang mit der Saisonplanung – auch, um nachhaltiger zu wirtschaften. „Früher war der Sommer die Hauptsaison in Zermatt (bzw. die einzige Saison), der Winter kam erst später.“ Heute sei es umgekehrt. Dabei gäbe es gerade im Sommer viele Potenziale: „Es gibt so viele Sessellifte, die im Sommer ungenutzt sind. Und darunter: fantastische Trails. Ich würde mir wünschen, dass man den Sommer wieder stärker ins Zentrum rückt.“
Klimakrise hautnah: Was der Gletscherschwund in der Schweiz bedeutet

Kaum ein Ort in Europa macht die Auswirkungen der Erderwärmung so sichtbar wie die Schweizer Alpen. Gletscher wie der Fee- oder Gornergletscher haben sich bereits sichtbar zurückgezogen. Seit 1850 verlor die Schweiz rund die Hälfte ihrer Gletscherfläche. Bei einer Erderwärmung von 1,5 °C würden laut Matthias Huss, dem Leiter des schweizerischen Gletschermesswerks, von aktuell rund 1.400 Gletscherfeldern im Jahr 2100 nur noch maximal 300 Gletscher vorhanden sein.
Neben dem dramatischen Landschaftswandel bringt das auch ökologische Folgen mit sich: Gletscher speichern einen Großteil des Süßwassers – ihr Rückgang trägt zur Wasserknappheit und zum Meeresspiegelanstieg bei.
Interessenkonflikte im Tourismus
Doch im Schweizer Tourismus gibt es, wie überall, Zielkonflikte – zwischen Besucher*innen, Gemeinden, Bergbahnen und Natur. Ein Beispiel: In Zermatt wurde zunächst angekündigt, stärker in den Bike-Tourismus zu investieren. Doch kurz darauf wurden bestimmte Wege wieder für Mountainbiker*innen gesperrt. Oder die steigenden Gruppenzahlen im Sommer – dies freue die Bahn, sorge aber bei der lokalen Bevölkerung auch für Skepsis, ob das nicht in „Overtourism“ ausatet
356-Tage-Tourismus?

Ein klares Bekenntnis zur Ganzjahresstrategie kommt von den Zermatt Bergbahnen. Jenny Imboden schreibt:
„Die Zermatt Bergbahnen verfolgen eine Ganzjahresstrategie und wir passen unser Angebot an die jeweiligen Bedingungen an.“ Um den Folgen der Gletscherschmelze entgegenzuwirken, setzten die Bergbahnen unter anderem auf Snowfarming. Dabei werden Schneewälle angelegt oder Senken genutzt, in denen sich Schnee durch Windverwehungen sammelt. Hierdurch bleibt der Schnee länger erhalten und wird nicht verweht. Zudem komme Gletscherschutzvlies zum Einsatz, um das Schmelzen zu verlangsamen.
Alexandra von Ascheraden hat für ihren Artikel in der “Neue Züricher Zeitung” mit Mattia Storni, von der Marketingabteilung Saas-Fee/Saastal gesprochen. “Sommerski werde in fünf bis zehn Jahren schwierig”, sagt Storni. Im Winter gebe es noch genug Schnee – trotzdem werde das Netz der Beschneiungsanlagen schon jetzt weiter ausgebaut. (Ob und wie nachhaltig Kunstschnee ist, haben wir übrigens in unserem Artikel über nachhaltigen Ski-Urlaub genauer beleuchtet) Für den Sommer würden vermehrt Mountainbike Trails und Klettersteige errichtet.
Skifahren in der Schweiz
Die Schweiz hat 45 Skigebiete, die auf über 1.500 Meter liegen. Sie alle gelten als schneesicher. Das Skigebiet Saas-Fee reicht von 1.800 bis 3.600 Meter; das Matterhorn Ski Paradise liegt etwa zwischen 1.600 und 3.800 Metern. Zu beiden gehört ein ganzjährig geöffnetes Sommer-Skigebiet am Gletscher.
Wann ist denn nun die beste Reisezeit für die Schweiz?

Die Schweiz gehört zu den beliebtesten Urlaubs-Destinationen der Welt. “Der Tourismus wird immer mehr”, bestätigt Fabienne aus Zermatt. Und zwar zu jeder Jahreszeit. Doch wann lohnt sich eine Reise in die Schweiz besonders? Je nachdem, wen man fragt, ist die Antwort eine andere:
- Im Waldhotel Fletschhorn in Saas-Fee empfiehlt man eine differenziertere Betrachtung. Die Hochsaison liegt dort wie gewohnt im Februar (für Schneesicherheit) sowie im Juli und August (für Sommerferien und Bergabenteuer). Wenn du es hingegen ruhiger magst und Wert auf echte Naturerlebnisse legst, so seien Juni oder September am besten. Dann sind die Wälder still, die Temperaturen angenehm, und die Sicht auf die Berge ist oft besonders klar. Für nachhaltige Reisen seien diese „Schultermonate“ ideal – weniger Trubel, mehr Achtsamkeit.
- Fabienne aus Zermatt sieht vor allem im Frühling eine unterschätzte Zeit für Schneefans: „Also ich sag den Leuten: Kommt im März oder April zum Skifahren! Da düst ihr nicht auf Kunstschnee rum – und das macht richtig Spaß!“
In diesen Monaten ist es oft nicht mehr so eisig wie im Hochwinter, die Pisten sind leerer, und das Licht in den Bergen besonders intensiv. Mai und November empfiehlt sie dagegen nicht: In diesen Monaten sei in Zermatt viel geschlossen und es seien in dem autofreien Dorf auch Lastwagen erlaubt, sodass dann alle renovieren. Für einen erholsamen Urlaub ist das keine gute Kulisse. - Die Zermatt Bergbahnen verfolgen eine klare Ganzjahresstrategie. Für sie gibt es keine Nebensaison mehr. Klar: Die Schweiz ist zu jeder Jahreszeit schön.
Urlaub in der Schweiz: Sommer- und Wintererlebnisse in Zermatt und Saas-Fee
Nachdem wir geklärt haben, wann sich eine Reise in die Schweiz besonders lohnt, stellt sich die Frage: Was kann man in der Zeit mit Schnee und in der Zeit ohne Schnee (und alln dazwischen) erleben? Unsere beiden Ansprechpartnerinnen in Zermatt und Saas-Fee haben uns ihre persönlichen Highlights genannt:
Winter in Zermatt: Panorama, Pisten und Pulverschnee
Für viele ist der Winter in Zermatt untrennbar mit dem Skifahren verbunden. Und das aus gutem Grund: Das hochalpine Skigebiet bietet über 360 Pistenkilometer – inklusive direkter Verbindung ins italienische Cervinia. Fabienne vom Hotel Bella Vista beschreibt es so:
„Wer ein richtig guter Skifahrer ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Das Panorama ist auf jeder Seite ein Wahnsinn.“ – Fabienne Anthamatten
Neben dem klassischen Pistenspaß gibt es zahlreiche Schneeschuhtrails, Eislaufmöglichkeiten und – für alle, die es stilvoll mögen – alpine Fine-Dining-Erlebnisse mit Aussicht. Die grandiose Aussicht genießt du auch vom Wellnessbereich des Hotel Bella Vista – direkt aus der Sauna. Weiterhin gibt es zum Entspannen eine Arvenstube.
Video-Tipp: Der Ski- und Reisevlogger Marius Quast hat das Skigebiet Zermatt in einem YouTube-Video ausführlich unter die Lupe genommen – inklusive Preis-Leistungs-Check:
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Sommer in Zermatt: Wandern, Trailrunning, Yoga und autofreie Natur
Im Sommer zieht es viele Tourist*innen für einen Kurztripp nach Zermatt, um das Matterhorn zu fotografieren – meist per Bahn vom Gornergrat oder Klein Matterhorn aus. Für Fabienne, die nachhaltigen Tourismus lebt, ist das wenig reizvoll:
„Das ist nicht die Art von Tourismus, die ich anpeile. Aber wer hier bleibt und rausgeht – wandert, läuft, biket – für den ist das hier ein wahnsinniges Gebiet.“
Zermatt ist autofrei und bestens mit Bergbahnen erschlossen – ideal für alle, die aktiv in der Natur unterwegs sein wollen. Ob gemütliches Wandern, Trailrunning oder Mountainbiken auf aussichtsreichen Trails: Die Bergwelt rund um Zermatt lässt sich auf vielen Wegen entdecken.
Insidertipp von Fabienne:
„Wenn jemand zu mir sagt: Ich will zehn Stunden wandern und keinem Menschen begegnen – dann weiß ich genau, wohin ich den schicke.“
Außerdem eignet sich ein Besuch im Hotel Bella Vista auch gut für ein Yoga-Retreat. Diese werden von Fabiennes Schwester Stefanie durchgeführt, die eine top ausgebildete Yoga-Lehrerin ist. (Hier erfährst du mehr über das Yoga-Angebot) Außerdem kannst du mehr über sie in unserem Blogartikel über Yoga für Pros erfahren.

Winter in Saas-Fee: Gletscherschnee & Genussmomente
Auch Saas-Fee punktet im Winter mit Schneesicherheit – dank Höhenlagen bis 3.600 m und Gletscherpisten. Neben dem klassischen Skifahren bietet der autofreie Ort Winterwanderungen, Schneeschuhtouren, Langlaufloipen und Rodelstrecken.
Im Waldhotel Fletschhorn, bekannt für seine Gourmetküche und den Weinkeller, kannst du einen solch aktiven Tag entspannt ausklingen lassen – mit Sauna, feinem Essen und Blick auf die verschneiten Wälder.
Video-Tipp: Marlene von Marlenesleben zeigt das Skigebiet und die winterliche Atmosphäre in Saas-Fee:
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Sommer in Saas-Fee: Wildblumen, Wellness und Weitblick
Im Sommer präsentiert sich Saas-Fee als ein Paradies für Naturliebhaber*innen. Über 350 km Wanderwege laden dich zu ausgedehnten Touren ein – vom leichten Spaziergang im Wald bis zur hochalpinen Gipfeltour. Wenn du es achtsamer magst, so gehört auch Shinrin-Yoku (Waldbaden) in dem Kiefernwald rund um das Waldhotel Fletschhorn zum Trend. Oder du beobachtest nachts die Sterne in der klaren Bergluft. Ein weiteres Sommer-Highlight ist (jetzt noch) das Sommer-Skigebiet mit Gletscherskifahren.

Nachhaltig reisen in der Schweiz – das ganze Jahr über wichtig
Gerade die Schweiz zeigt, wie wichtig es ist, nachhaltig zu reisen – und wie gut das auch funktionieren kann. Zermatt und Saas-Fee machen’s vor: Beide Orte sind autofrei. Du kommst mit der Bahn an und fährst mit dem Elektro-Shuttle direkt zur Unterkunft. Das ist nicht nur bequem, sondern auch deutlich klimafreundlicher als beispielsweise die individuelle Anreise mit dem Privat-Auto.
Wenn du mit dem Zug fährst, hast du also schon einen großen Schritt in Richtung nachhaltiges Reisen gemacht. Der zweite Punkt ist dann die Wahl der Unterkunft. Sowohl das Hotel Bella Vista in Zermatt als auch das Waldhotel Fletschhorn in Saas-Fee setzen auf erneuerbare Energien, ökologische Baumaterialien und regionale Küche.

Fabienne ist z. B. eine dieser Gastgeberinnen, die sich über jedes Detail Gedanken macht. Zum Frühstück keine exotischen Früchte – dafür Bio-Kaffee mit Fair-Trade-Siegel. Zur Begrüßung gibt es kein Werbegeschenk aus Plastik, sondern selbstgebackene Kekse – und viele weitere schöne (und nachhaltige) Details.
Es geht also nicht nur um die beste Reisezeit, sondern auch darum, richtig zu reisen. So, dass die Natur geschont wird und die Menschen vor Ort profitieren. Indem du dich für familiengeführte Hotels entscheidest, regionale Produkte genießt und dich respektvoll gegenüber der Umgebung und Kultur verhältst, tust du schon viel Gutes. Nachhaltiger Tourismus bedeutet eben auch, weniger Spuren zu hinterlassen und die, die sich nicht vermeiden lassen, an den richtigen Stellen.
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