Der Weckdienst im Hotel war etwas, dass ich früher gern in Anspruch genommen habe. Das gehörte irgendwie zum Luxus, dazu, dass man rundherum betreut und verwöhnt wird. Irgendwann habe ich den Weckruf dem Smartphone überlassen. Doch frage ich mich – warum eigentlich?! Und welche Möglichkeiten bieten Hotels stattdessen, damit schon das Aufwachen zu einem besonderen Erlebnis wird?
Vom Knocker-up zum elektronischen Weckdienst – Ein kurzer Rückblick

Früher hatten die Leute keinen eigenen Wecker. Auf dem Bauernhof, da krähte der Hahn und in der Stadt gab es den Knocker-up. Dies war jemand, der für einen kleinen Lohn morgens an die Fenster der Leute klopfe, um sie für die Arbeit zu wecken. Geschichten über solche Leute findest du in der Stadt-Geschichte von Arbeiterstädten wie Manchester oder in Büchern (z. B. Charles Dickens “Great Expectations”, 1861).
Ramadan Trommler
Bei uns in Jerusalem gibt es im Ramadan eine Gruppe junger Männer mit Trommeln, die durch die Straßen ziehen, um die Bewohner noch vor Sonnenaufgang zum Frühstück und Frühgebet zu wecken. Ab Sonnenaufgang muss nämlich den ganzen Tag gefastet werden. Wir freuen uns immer, wenn wir sie am Fenster sehen – besonders, da sie oft auch noch kulturelle Kleidung tragen. Solche Trommler findest du auch in der Türkei, in Ägypten und vielen anderen islamisch geprägten Ländern wie Indonesien. (Im Touristen-Resort wie den Puri Dajuma Cottages & Spa am Strand von Bali wirst du sie allerdings nicht sehen oder hören. Hierfür müsstest du schon in einem muslimischen Wohnviertel in Jakarta o.ä. übernachten.)
Der Weckdienst im Hotel
Den Weckdienst vom Hotel fand ich wie erwähnt früher eine grandiose Sache. Man wählte die Nummer der Rezeption (auf dem Telefon, das direkt neben dem Bett auf dem Nachtisch stand) und bestellte den Weckdienst. “Hallo, ich möchte morgen früh gern um 8 Uhr geweckt werden.”, “Aber sehr gern. Reicht Ihnen ein Anruf, oder soll jemand bei Ihnen klopfen kommen?” – So ungefähr. Pünktlich um 8 Uhr klingelt dann am nächsten Tag das Telefon. “Guten Morgen, dies ist Ihr Weckruf.” und “Kann ich noch etwas für Sie tun?” und “Das Frühstücks-Buffet erwartet Sie bereits”. Ach, ich kann dir sagen, im Hotel zu erwachen, ist doch wirklich herrlich!
Der gute Schlaf gehört übrigens zu den Top-Prioritäten vieler Urlauber. Wie Booking.com in einer Studie mit 27.000 Reisenden ermittelte, ist “Ausruhen & Erholen” für 67 % aller Reisenden wichtig und 58 % wären sogar an einem “Schlaf-Retreat” interessiert.
“Etwa einmal im Jahr wird der Weckdienst bestellt”

Im Hotel Weiherhof am Wolfsgrubener Badesee auf dem Ritten in Südtirol wird der Weckdienst weiterhin als kostenloser Service für die Gäste angeboten – doch kaum jemand nehme ihn mehr in Anspruch. Inhaber Klaus Pichler kommt bei unserer Nachfrage ins Lachen. So etwa einmal im Jahr wünsche ein Gast einen Weckruf, meint er. Da es nicht mehr zur morgendlichen Routine an der Rezeption gehöre, sei es “schon fast herausfordernd”, diesen Wunsch dann nicht zu vergessen.
So ähnlich berichten es uns auch andere Green PearlsⓇ Partner. Wenn du dir einen Weckdienst wünschst, so sind alle gern dazu bereit, dir diesen Wunsch zu erfüllen. (Vielleicht willst du es auf deiner nächsten Reise mal ausprobieren :-)) Es frage nur einfach niemand mehr. Oder die Prioritäten liegen woanders:
“Wir bieten den Weckruf-Service gern an. Doch die meisten unserer Gäste befinden sich im Urlaub und ziehen es vor, auszuschlafen!” – Eco-Aparthotel The Dreamers Club (Ferieninsel Korčula, Kroatien)
Aufwachen im Hotel – So sieht der neue Luxus aus
Wie sieht er denn nun aus, der neue Aufwachtrend in den nachhaltigen Hotels? Hier sind einige Beispiele:
Jalousien, die sich nach der Sonne richten
Im HUBERTUS Mountain Refugio Allgäu befindest du dich inmitten der Natur. Direkt vor der Haustür erwarten dich Wander- und Radwege in der Alpenlandschaft. Viele Gäste kommen hierher, um bei Wellness und Yoga-Retreats zu entspannen.
Wecken lassen kannst du dich hier von der Sonne. Es gibt automatische Jalousien, die nachts immer eingefahren sind, sodass (bei offenen Vorhängen) das Frühlicht in dein Zimmer kommt. Tagsüber richten sich die Jalousien nach der Sonne, sodass sich im Sommer die Zimmer nicht aufheizen.
Geweckt werden vom Brötchen-Duft

Im Lifestylehotel SAND an der Ostsee genießen viele einen “Urlaubs-Rhythmus” und sitzen nachts noch lang auf der Dachterrasse. Morgens kannst du dich von deiner Nase wecken lassen:
“Wir haben eine Front Cooking Station und backen aus Rohlingen unsere Brötchen selbst. Der Duft weckt die Sinne und das ganz ohne Technik. Das ist die natürlichste Art, geweckt zu werden.” – Lifestylehotel SAND (Timmendorfer Strand)
Morgendliche Yoga-Sessions
Für Frühaufsteher gibt es im Paradiso Pure.Living die Möglichkeit, an morgendlichen Yoga-Kursen teilzunehmen. Das umweltfreundliche Hotel liegt auf der Seiser Alm und bietet Natururlaub im Winter und im Sommer.
“Wir lieben den Sonnenaufgang in den Dolomiten. Um diese magische Zeit des Tages nicht zu verpassen, bieten wir unseren Gästen Sonnenaufgangs-Yoga an, als Teil unseres kostenlosen täglichen Yoga-Programms, das für alle Gäste des Hotels zur Verfügung steht.” – Paradiso Pure.Living

Langschläfer-Frühstück
Entspricht der Sonnengruß in den Morgenstunden nicht deinen Vorstellungen von Urlaub, sondern du möchtest es genießen, richtig lang im gemütlichen Bett liegenzubleiben, so gibt es (ebenfalls in Südtirol) das Hotel My Arbor bei Brixen. Hier nächtigst du in einem außergewöhnlichen Baumhotel direkt zwischen den Baumkronen.
“Im My Arbor dreht sich alles um das „MY“ (MICH), den Gast. Wir respektieren und schätzen den persönlichen Raum unserer Gäste und möchten, dass ihr Aufenthalt ganz nach ihren Wünschen abläuft. Falls jemand ausschlafen möchte, bieten wir Frühstück bis 12:00 Uhr an.” – My Arbor
Es klopft der Frühstückskorb
Deine ganz persönliche Freiheit genießt du auch in den Hygna Chalets im Tiroler Alpbachtal. Du wohnst hier in luxuriösen Holzchalets mit eigener Küche. Zum Service gehört es allerdings, dass dir jeden Morgen ein Frühstückskorb mit frischen Bio-Lebensmitteln vor die Tür gestellt wird. (Der Knocker-up zum Urlaubsfeeling)
Hat der Weckdienst im Hotel etwas mit Nachhaltigkeit zu tun?
Das Verschwinden von persönlichen Service-Angeboten hat etwas mit der Automatisierung und Digitalisierung dieser Welt zu tun. Wir investieren sehr viel Geld in Roboter und Technik, und immer weniger in persönlichen Service. Beispiel: Mein Onkel hat sich einen Rasenmäher-Roboter geleistet. 3.000 Euro, um das Gras kurz zu halten. Wie lange hätte er für dieses Geld früher einen Jungen aus der Nachbarschaft beschäftigen können, damit dieser sich sein Taschengeld aufbessern kann?
Bewusster Verzicht auf Elektronik
Viele nutzen den Urlaub, um bewusst auf Technik zu verzichten. Die Naturzimmer im STURM haben beispielsweise keinen Fernseher mehr und im bereits erwähnten HUBERTUS Mountain Refugio kannst du dein Handy in eine “Funkstille-Box” abgeben. Es wird sicher für dich verschlossen und am Ende des Urlaubs erhältst du es (zusammen mit einem Stück Bergkäse) zurück. Im Pariser Hotel Pavillon kannst du Funkstille sogar direkt inmitten der französischen Metropole genießen. Einige Zimmer sind speziell gegen “Elekro-Smog” abgeschirmt.
Durch eine digitale Pause kannst du dich mehr auf die echte und natürliche Welt konzentrieren – und vielleicht wird dann auch das Aufwachen zu einer neuen Erfahrung für dich, denn es gibt weder Handywecker noch Push-up Nachrichten. Stattdessen vielleicht einen netten Anruf von der Rezeption oder einfach die Sonne.
Inspiriert? Dann speichere dir den Artikel für deine nächste Urlaubsplanung!







