Wenn du an die Schweiz denkst, kommen dir wahrscheinlich zuerst die Berge in den Sinn. Kein Wunder, rund 70 Prozent des Staatsgebiets sind Gebirge. Hier kannst du noch unberührte Natur genießen. Doch die Schweizer Alpen haben zwei Feinde: den Klimawandel und Massentourismus. Die einzige Lösung (nicht nur aus unserer Sicht): nachhaltiger Tourismus. Deshalb zeigen wir dir in diesem Beitrag, wie nachhaltiger Urlaub in der Schweiz aussehen kann.
Grünes Reiseziel in der Mitte Europas: die Schweiz
Die Schweiz liegt zwischen Deutschland, Österreich, Italien und Frankreich – mittiger geht es kaum und somit ist die Schweiz auch aus allen Richtungen Europas schnell zu erreichen. Als Reisedestination ist insbesondere die wunderschöne Alpenlandschaft mit ihren ganzjährig schneebedeckten Bergen, Gletschern, Seen, Wasserfällen, Wäldern und Wiesen attraktiv. Ganze 48 Schweizer Berge sind sogar über 4000 Meter hoch.
Die Schweiz hat zwei touristische Hautsaisons:
- den Winter für den Wintersport und
- den Sommer zum Wandern und Mountainbiken
Und genau in diesen beiden Saisons hat die Schweiz zunehmend mit Problemen zu kämpfen.
Herausforderungen im Alpenparadies

Problem Nummer 1: Der Klimawandel bedroht die Alpen-Gletscher
2023 befasste sich eine Studie, an der auch die Universität Zürich beteiligt war, mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz. Die Studie, die im Magazin Science veröffentlicht wurde, hat hierfür die Veränderung der Gletscher im 21. Jahrhundert ausgewertet. Dabei fand sie heraus: Selbst wenn das Klimaziel des Pariser Abkommens erreicht wird und die Erderwärmung bei +1,5 °C ausgebremst wird, werden fast alle Gletscher bald verschwinden.
“Selbst mit dem besten Szenario werden 1100 bis 1200 der aktuell 1400 Gletscher der Schweiz bis im Jahr 2100 verschwinden.” – Matthias Huss, Leiter des Schweizer Gletschermesswerks, ETH Zürich im Interview mit dem SRF
Kleiner Exkurs über Gletscher
Gletscher sind Eisfelder, die sich aus Schichten von geschmolzenem Schnee gebildet haben. Die Alpengletscher entstanden in der letzten Eiszeit, eine Periode, die etwa 100.000 Jahre andauerte und vor rund 10.000 Jahren endete. Damit ein Gletscher erhalten bleibt, muss pro Jahr mehr Schnee fallen als abschmelzen kann.
Gletscher sind nicht nur wichtige Zulieferer für Flüsse und Seen – sie bestehen auch aus 70 Prozent des Süßwassers der Erde und sind demnach unsere größten Süßwasserspeicher. Ihr Verschwinden wird einen entscheidenden Einfluss auf das Weltklima haben. (Stichwörter: Anstieg des Meeresspiegels und Süßwasserknappheit)
Problem Nummer 2: Massentourismus in den Alpen

1992 überquerte eine Forschergruppe die Alpen und wiederholte die gleiche Tour 25 Jahre später (2017). In dieser kurzen Zeitspanne stellten sie bereits “enorme Veränderungen” fest. Hierzu gehörte zum einen die bereits erwähnte Gletscherschmelze und zum anderen auch der Tourismus. Hatte es in den 1990er-Jahren nur wenige Touristen aus Asien gegeben, so gibt es nun viele zusätzliche Reisende und in manchen Orten spricht man sogar von Massentourismus.
Aber was ist daran eigentlich das Problem? Mit dem Tourismus entstehen neue Hotelanlagen, Schnellstraßen und Parkplätze. Dies würde laut den Wissenschaftlern die Alpen zwar nicht sofort zerstören, doch müsse man darauf aufpassen, dass der Entwicklung ein nachhaltiges Konzept zu Grunde liege.
Ist stärkere Tourismus nun gut oder schlecht für die Schweiz?
Der Tourismus hat natürlich Schattenseiten, doch bisher überwiegen in der Schweiz die Vorteile. Diese sind:
- Interkulturelle Begegnungen (Förderung von Austausch und Toleranz)
- Landschaftspflege (Die Natur soll für Reisende attraktiv gehalten werden)
- Schutz von Kultur und Brauchtum
- Ermöglicht ein Zusatzeinkommen für viele Landwirte
- Stärkt die lokale Wirtschaft
- Schafft Wertschöpfung
Was bedeutet nachhaltiger Tourismus?
Die meisten Emissionen verursacht im Urlaub die Anreise. Doch gibt es noch viele weitere Aspekte, die dazu beitragen, wie Tourismus nachhaltig wird. Wenn du dich genauer damit beschäftigen möchtest, was Reisen und Tourismus nachhaltig macht, so empfehlen wir dir unseren Hintergrundartikel über nachhaltiges Reisen oder unsere Expertentipps.
Tipp: Die Nebensaison nutzen
Die Schweiz hat in allen vier Jahreszeiten ihren Reiz und ist auch im Frühling und Herbst eine wunderschöne Reisedestination.
Im Frühling kannst dich in der Schweiz an der Kirschblüte und Apfelblüte erfreuen, Wasserfälle bestaunen, die nun aus der Schneeschmelze entstehen oder Tierbabys in einem der Tierparks besuchen.
Im Herbst zeigen sich die Wälder in voller Farbenpracht, sodass dies eine beliebte Zeit für Herbstwanderungen und Panorama-Zugfahrten ist.
Die Nebensaison bietet den Vorteil, dass Übernachtungen und Freizeitangebote in dieser Zeit günstiger sind. Zudem trifft du weniger Touristen in den Tälern, Seilbahnen und Attraktionen. Aus Sicht der Nachhaltigkeit hat die Nebensaison den Vorteil, dass die Umwelt weniger belastet wird, wenn sich die Besucherströme über das Jahr verteilen.
Nachhaltiger Urlaub in der Schweiz – So geht’s!

Tipps für deine Anreise in die Schweiz
Die Schweiz eignet sich hervorragend für eine Anreise mit dem Zug. Dies ist sowohl mit der staatlichen SBB als auch mit anderen europäischen Bahnunternehmen wie TGV Lyria, ÖBB, Trenitalia oder der Deutschen Bahn bequem möglich. Da die Schweiz ein kleines Land ist, sind die Fahrtstrecken innerhalb der Schweiz auch nie zu lang.
Doch nicht nur das – Es gibt auch erstklassige Panorama-Strecken. Die schönsten Strecken bieten der:
- Glacier Express
- Bernina Express
- Gotthard Panorama Express (ab dem 20. April. 2024 wieder geöffnet)
Eine weitere umweltfreundliche Option für deine Anreise wäre ein Fernbus wie FlixBus. Untersuchungen haben gezeigt, dass Fernbusse sogar einen noch geringeren ökologischen Fußabdruck haben als Züge. Zudem ist eine Anreise mit dem Bus die günstigste Option.
Mobilität vor Ort

Die Schweiz hat viele Ferienorte, die ohnehin autofrei sind. Hierzu gehören das wunderschöne Zermatt am Matterhorn und Saas Fee. Du erreichst Zermatt mit dem Zug und kannst dich danach mit Elektro-Taxis, der Seilbahn und zu Fuß fortbewegen. Ein weiteres optimales Transportmittel ist das E-Bike. Diese kannst du dir vor Ort ausleihen und in vielen nachhaltigen Unterkünften gibt es auch Bike-Räume mit Ladestation, Reinigungs- und Reparaturservice.
Im Waldhotel Fletschhorn in Saas Fee erhältst du die Saastalcard, eine Gästekarte, mit der du den öffentlichen Verkehr kostenlos nutzen kannst. Im Sommer beinhaltet es sogar die Benutzung der Bergbahnen.
Exkurs: Sind Seilbahnen umweltfreundlich?
Für den Bau einer Seilbahn wird Wald für die Schneise gerodet, es gibt Seilbahn-Stationen und die Seilbahn selbst, die Materialien und Ressourcen verbraucht. Danach muss die Seilbahn noch mit Energie versorgt werden. Sobald die Berggipfel dann laufend zugänglich sind, kommen mehr Menschen und hinterlassen mehr Spuren.
Lautet die Frage demnach: Ist es nachhaltiger, den Berg zu Fuß zu erklimmen oder eine Seilbahn zu bauen, so ist der Aufstieg zu Fuß natürlich am umweltfreundlichsten. Wird gar nichts gebaut, kommen dementsprechend auch weniger Menschen (sowohl Touristen als auch Bewohner aus der Gegend) auf die Berge und die Natur bleibt ungestört.
(Witzige Geschichte: Vor rund 40 Jahren prankte die damals populäre ARD-Fernsehsendung „Verstehen Sie Spass“ den Extrem-Bergsteiger Reinhold Messer mit einem Kiosk kurz unter der Bergspitze des Matterhorns. Seine Reaktion kannst du dir sicherlich vorstellen. 🙂 )
Vorteile der Seilbahn
Wenn nun aber die politische Entscheidung getroffen wurde, dass zwei Punkte miteinander verbunden werden sollen (z. B. Dorf 1 und Dorf 2 oder Tal und Berg) und nur eine Auswahl zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln bleibt, so ist die Seilbahn häufig die umweltfreundlichste Wahl. Dies hat folgende Gründe:
- Heute laufen fast alle Seilbahnen mit Strom (E-Mobilität)
- Der CO2-Verbrauch ist geringer (laut dem Online-Magazin Schneehöhen verursacht die Fahrt in einer Seilbahn 27 g CO2, im Zug mit E-Lok 30 g, im Diesel-Bus 38,5 g und mit dem Benzin-Auto 248 g – bei jeweils 50 % Auslastung)
- Für eine Seilbahntrasse wird weniger Fläche gerodet als für Straßen – insbesondere Serpentinen, wie sie am Berg benötigt werden
- Seilbahnen sind im Vergleich zu anderen Verkehrsmitteln leise und produzieren demnach weniger Geräuschemissionen
Auch den sozialen Aspekt müssen wir berücksichtigen. Denn dank Seilbahnen ist die besondere Natur der Berge auch für Menschen zugänglich, die zu Fuß keine Möglichkeiten hätten, den Gipfel oder einen höher gelegenen Ort zu erreichen. Das betrifft alte, kranke und behinderte Menschen, sowie junge Eltern mit Kinderwagen.
Nachhaltige Hotels in der Schweiz
Nach der Anreise ist eine umweltfreundliche Unterkunft der nächste große Faktor für einen nachhaltigen Urlaub in der Schweiz. Das kleine Land bietet dabei eine Bandbreite an verschiedenen Unterkunftsmöglichkeiten von Ferienwohnung oder Berghütte bis Luxushotel. Wir stellen dir hier exemplarisch drei verschiedene Hotels vor:
Biohotel Bella Vista Zermatt – Das gemütliche Familienhotel

Das Biohotel Bella Vista Zermatt mitten in den schweizerischen Alpen ist ein wunderbarer Ort zur Entspannung – zum Beispiel im Wellnessbereich mit eigener Zirbenholzstube mit Wasserbetten. Es gibt nur 21 Zimmer und eine große Terrasse mit direktem Blick auf das Matterhorn. In der Lobby knistert ein gemütlicher Kamin und die Gastgeber-Familie bewirtet dich mit einem Bio-Frühstück und Kuchen am Nachmittag.
CERVO Mountain Resort Zermatt – Außergewöhnliches Design-Resort
Das CERVO Mountain Resort liegt ebenfalls in Zermatt und erstreckt sich auf mehrere Gebäude. Es gibt drei Restaurants (eines davon komplett vegetarisch / vegan) und einen besonderen Interior-Stil, der den nomadischen Lifestyle als Leitbild hat. Hierfür wurde das außergewöhnliche Hotel bereits mit mehreren Designpreisen ausgezeichnet. Die Anlage ist luxuriös, hat dabei aber ein ganz lockeres Flair. Es ist ein echtes Erlebnis!
Waldhotel Fletschhorn – Das Hotel für Genießer
Findest du auch, dass das Essen im Urlaub einfach viel besser schmeckt? Sich nach einem ereignisreichen Tag mit frischer Bergluft an den schön gedeckten Tisch setzen und dort viel Zeit zum Genießen haben – das ist doch einfach herrlich! Erwartest du kulinarische Extraklasse, dann können wir dir das Waldhotel Fletschhorn empfehlen.
Hier findest du ein weit über die Grenzen Saas Fees hinaus bekanntes Konzept-Restaurant, das dich vom à la carte Frühstück bis zur riesigen Weinauswahl von morgens bis abends verwöhnt. Verwendet werden hierbei fast ausschließlich regionale (Bio-) Zutaten von ausgewählten Produzenten. Zum Abendessen kannst du z. B. authentische Schweizer Raclettes, Fondues oder ein persönliches BBQ genießen. Zubereitet wird Letzteres direkt an deinem Tisch (im Sommer auf der Terrasse) mit Blick auf die Berge.

Regionale Lebensmittel im Urlaub bevorzugen
Im nachhaltigen Hotel besteht dein Essen aus regionalen (Bio-)Zutaten. Hierauf solltest du aber auch achten, wenn du selbst einkaufst und kochst oder Essen gehst.
Orientierungspunkte für deinen Einkauf sind die Label regio.garantie, das Aus der Region-Label von Migros und Bio Suisse. Das Bio-Suisse-Label zertifiziert Lebensmittel, die nicht nur aus der Schweiz stammen (min. 90 %), sondern auch noch den Kriterien der ökologischen Landwirtschaft / Tierhaltung entsprechen.
Nachhaltige Aktivitäten in der Schweiz

Die Schweiz erkundest du am besten an der frischen Bergluft – zu Fuß oder mit dem E-Bike. In diesem Blogartikel findest du bereits einige Wanderwege, die du von den Green Pearls® Hotels aus bequem erreichst.
Interessant ist auch eine Führung mit eine*r Bergführer*in, welche dir nicht nur die Umgebung zeigt, sondern auch einiges über die Flora und Fauna erzählt.
Neben Wandern (im Winter mit Schneeschuhen oder Tourenski) und Mountainbiking gibt es noch weitere umweltfreundliche Möglichkeiten aktiv zu sein. Zum Beispiel Reitausflüge oder Kanutouren auf schweizerischen Gewässern.
Das Thema Wintersport würde unseren Artikel an dieser Stelle sprengen 🙂 Daher gibt es dazu ganz viel Wissen und Tipps in diesem Blogartikel. Dort könnt ihr auch nachlesen, ob Skifahren und Wintersport überhaupt nachhaltig sein können und wie das dann aussieht.
Weiterhin kannst du mit dem Zug einen nachhaltigen City-Trip unternehmen. In Bern, Basel, Luzern und Zürich gibt es z. B. viele schöne Vintage & Second Hand-Läden bei denen du umweltfreundlich shoppen kannst. Zudem gibt es hier Kunst, Kultur und Kirchen zu besichtigen.
Solltest du im September in die Schweiz reisen, kannst du dich auch am “Clean-Up-Day” beteiligen, der jährlich in diesem Monat stattfindet (Termin für dieses Jahr ist Samstag, 14.09.2024)
Um dich nach all den Aktivitäten zu entspannen, eignet sich natürlich wunderbar das Wellnessangebot unserer vorgestellten Hotels.
Nachhaltige Aktivitäten in der Schweiz auf einen Blick
- Wandern
- Radfahren
- Schneeschuhwandern und nachhaltiger Wintersport
- Reiten
- Sterne gucken (die Lichtverschmutzung ist in den Bergen sehr gering)
- Waldbaden
- Kanu fahren
- Wildtiere beobachten (Birding, Big-5 der Alpen)
- Vintage-Shoppen
- Kleinkunst und Kultur
- Panorama-Zugfahrten
- Clean-Up-Projekte
Wir hoffen, wir konnten dir einen umfangreichen Einblick über nachhaltiges Reisen in der Schweiz vermitteln. Warst du schon einmal dort? Wie hat es dir gefallen?
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