Interview mit den Meeresbiologen des Gili Lankanfushi auf den Malediven - GREEN TRAVEL BLOG

Interview mit den Meeresbiologen des Gili Lankanfushi auf den Malediven

Interview mit den Meeresbiologen des Gili Lankanfushi auf den Malediven
©Gili Lankanfushi

Die Malediven sind ein Ferienparadies für viele Reisende. Aber auch für Meeresbiologen ist es ein Traum auf den Malediven zu arbeiten. Kaum ein anderes Land auf der Erde weist eine so große Artenvielfalt an Korallenriffen aus. Es sind die Riffkolonien und der Fischreichtum, der den Inselstaat für Meeresbiologen so faszinierend macht. Korallen bieten Lebensraum für unzählige Fischarten wie Schnapperfische, oder den Drückerfisch, aber auch riesige Rochen und die sehr seltenen Walhaie sind hier beheimatet. Der Meeresboden ist besiedelt mit Seegurken, die sich von Plankton und Algenablagerungen ernähren. Bekannt sind sie als ‚Staubsauger der Meere‘, da sie auf der Suche nach Nahrung den Schlamm des Meeresbodens filtern. 

Nachhaltiger Tourismus als Garant für das Überleben der Korallenriffe

Für die Malediven ist das Überleben der Korallen existenziell, weswegen Nachhaltigkeit und der Erhalt der Biodiversität staatlich gefördert werden. Meeresbiologen auf den Atollen sind wichtig zur Beobachtung und dem Schutz der Ökosysteme.

Hättet ihrs gewusst?

  1. Zu den Malediven gehören insgesamt 1196 Inseln, die sich auf 26 Atolle verteilen. Davon sind nur 220 bewohnt und 144 werden für den Tourismus genutzt.
  2. In Nord-Süd-Richtung verteilen sich die wie an einer Perlenkette aufgereihten, teilweise sehr kleinen Inseln, über eine Strecke von 850 Kilometern und eine Fläche von 90.000 Quadratkilometern.
  3. Die Malediven bestehen zu 99% aus Wasser.
  4. Über 2000 verschiedene Fischarten und mehr als 200 Korallenarten sowie 190 unterschiedliche Vogelarten wurden auf den Malediven bisher gesichtet.
  5. Die Malediven sind Heimat der größten Population von Riffmantas. Der Manta Trust schätzt, dass sich in den Gewässern der Malediven ungefähr 5000 Mantas zu Hause fühlen, 3000 konnten bereits identifiziert werden.

 

Gili Lankanfushi
© Gili Lankanfushi

Wirkliche Experten dieser faszinierenden Unterwasserwelt der Malediven sind die beiden Meeresbiologen bei unserem Green Pearls® Partner, dem Gili Lankanfushi. Hayley Hardstaff und Jocelyn Panjikaran beobachten seit zwei Jahren die tropische Natur rund um das Resort, kümmern sich um die Aufforstung der Korallenriffe und arbeiten dabei auch mit anderen Organisationen auf den Malediven zusammen.

Was macht die Arbeit im Gili Lankanfushi für euch so besonders?

Jocelyn: Die beruhigende und natürliche Schönheit des Gili Lankanfushi ist spannend. Es ist sehr aufregend, mit gleichgesinnten Kollegen zu arbeiten, deren Fokus ebenfalls auf Nachhaltigkeit liegt.  

Hayley: Es gibt so viele fantastische Dinge, die die Arbeit auf Gili Lankanfushi ausmachen. Aus meeresbiologischer Sicht sind wir unglaublich privilegiert, weil es hier auf der Insel diverse Meeresökosysteme gibt, von der Sandlagune über Seegraswiesen bis hin zu den verschiedenen Korallensystemen unseres äußeren Hausriffs und der Lagune. Wir sehen bei jedem Schnorchelgang eine riesige Vielfalt an Fischen und anderen Meeresbewohnern. Das Gili Lankanfushi war seit jeher ein Pionier unter den maledivischen Resorts, was den Schutz der Meere angeht. Wir waren die ersten, die die Coral Line Methode zur Vermehrung der Korallen angewandt hat, ebenso waren wir auch eines der ersten Resorts, das sich verpflichtet hat, das Seegras in unserer Lagune nicht mehr zu entfernen, damit es dort gedeihen kann. So haben wir die Grundlage für die Fortsetzung unserer Naturschutzprojekte geschaffen. Außerdem verfügen wir über viele Daten, die uns helfen, die Zukunft unserer Initiativen zu gestalten.

Was zeichnet eure Arbeit im Gili Langkanfushi noch aus?

Wir erforschen nicht nur die Ökosysteme direkt vor unserer Haustür, sondern nehmen auch an Bootsausflügen des Resorts teil. So lernen wir die Unterwasserwelt von Riffen vor anderen Inseln und sogar Atollen immer besser kennen. Das Gili Lankanfushi bietet seinen Gästen zum Beispiel einen Walhai-Ausflug zum Süd-Ari-Atoll an. Wenn wir an solchen Ausflügen teilnehmen, können wir wertvolle Daten über die Meeres-Megafauna sammeln, die wir mit lokalen maledivischen Organisationen und Netzwerken wie dem maledivischen Walhai-Forschungsprojekt und dem Olive Ridley Project teilen. Die Zusammenarbeit ermöglicht es uns, zu einem riesigen Datensatz beizutragen, der wertvolle Informationen über das Verhalten der Meeresbewohner liefert. So können wir sie besser vor anthropogenen und klimabedingten Bedrohungen schützen.

Was macht den Platz hier so besonders?

Neben den fantastischen Möglichkeiten, sinnvolle meeresbiologische Projekte durchzuführen und wertvolle Daten zu sammeln, macht das Gili Lankanfushi vieles zu einem fantastischen Ort zum Leben und Arbeiten. Das gemäßigte Klima, die wunderschönen Aussichten sowie die Privatsphäre und die Ruhe des abgelegenen Insellebens. Da wir jedoch nur 20 Minuten von Male entfernt sind, fühlen wir uns nicht von der Außenwelt abgeschnitten (aber wir können, wenn wir wollen!).

Und schließlich sind die Menschen, die auf der Insel arbeiten, alle unglaublich freundlich. Es gibt eine große Vielfalt an Mitarbeitern unterschiedlicher Kulturen die viele Erfahrungen und Wissen aus der ganzen Welt mitbringen, wovon auch wir profitieren können.

Welche Veränderungen gab es in den letzten Jahren, die ihr im Meer beobachten könnt?

Hayley: Im Jahr 2016 gab es ein El-Nino-Ereignis, bei dem die Wassertemperaturen des Pazifiks über einen längeren Zeitraum hinweg anstiegen. Dieser El Niño dauerte länger als normal und ging mit höheren Temperaturen aufgrund des Klimawandels einher. Während dieses Zeitraums kam es zu einer massiven Korallenbleiche. Es wird geschätzt, dass die Malediven während dieses Ereignisses 60 bis 80 Prozent ihrer Korallen verloren. Auch langjährige Stammgäste berichten uns, dass es heute leider viel weniger Korallen gibt als damals. Allerdings haben wir immer noch einen erstaunlichen Fischreichtum. Außerdem ist unser Korallenlinienprojekt in den letzten 8 Jahren gewachsen. Die Korallen, die die früheren Meeresbiologen erfolgreich vermehrt haben, wurden in einem ‚Rock Bomnies‘ in der Lagune verpflanzt, der jetzt mit Korallen, Fischen und einer Schildkröte gedeiht! (Bombora ist ein Begriff der australischen Ureinwohner und kennzeichnet ein Gebiet mit hohen Wellen, die sich über einem flachen Bereich brechen, beispielsweise einem untergetauchten Felsvorsprung, einem Riff oder einer Sandbank in einiger Entfernung von der Küstenlinie und der Brandung. Umgangsprachlich wird es Bommie genannt.)

Was kann jeder Einzelne von uns tun um das Meer zu schützen?

Jocelyn: Die Verschmutzung durch Plastik ist eine der größten Bedrohungen für diese einzigartigen Meeressysteme. Ein sehr einfacher Schritt wäre es, auf Einwegplastik zu verzichten.

Hayley: Wir müssen nicht nur darauf achten, die verschiedenen Arten von Abfall zu trennen und zu recyceln, sondern vor allem die Menge des von uns produzierten Abfalls reduzieren. Außerdem spielen auch die Menge und die Art der Produkte, die wir kaufen eine große Rolle. Wenn wir z. B. unser eigenes Obst und Gemüse im Garten anbauen, können wir dazu beitragen, den Verpackungsaufwand beim Kauf solcher Produkte im Supermarkt zu verringern.

Auch Maßnahmen wie die Einsparung von Strom und Kraftstoffen, weniger Verzehr von rotem Fleisch, tragen dazu bei, die Erwärmung der Meere zu verringern, damit die Ökosysteme der Ozeane stabil bleiben.

Wir alle können dazu beitragen das Meer zu schützen, indem wir uns bei Aktivitäten im oder am Meer verantwortungsvoll verhalten. Das reicht von korallenschonender Sonnencreme bis zum Vermeiden des Ankerns von Booten in Seegraswiesen oder dem Stehen auf Korallen.

Was war das beeindruckendste Erlebnis, das ihr im Resort erlebt habt ?

Da gibt es fast zu viele, um nur eines auszuwählen. Einen Mobula-Rochen zu sehen, der durch blinkendes Plankton am Hausriff vorbeigleitet, oder eine echte Karettschildkröte zu beobachten, die begeistert an einer Seeanemone knabbert, sind großartige Momente! Außerdem waren wir an einem nahe gelegenen Surf Break von riesigen Mantas umgeben, die durch die Brandung glitten!

Wart ihr schon mal auf den Malediven? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Schreibt uns gerne!

Gili Lankanfushi
© Gili Lankanfushi

 

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