Nachhaltig geführte Hotels stehen für eine bestimmte Haltung. Das wirft eine spannende Frage auf, wenn solche Hotels an die nächste Generation übergeben werden. Wie denkt die junge Generation nachhaltige Hotellerie weiter? Für den Green Travel Blog haben wir mit Xaver Schulze Diekhoff (25) vom Bio- und Wellnesshotel STURM in Mellrichstadt gesprochen. Als Teil der Generation Z denkt er Nachhaltigkeit vor allem pragmatisch statt ideologisch und räumt dabei mit gängigen Klischees auf.
Von der Betonsünde zum Design- und Lifestylehotel: Drei Generationen prägen das STURM

Green Travel Blog: Hallo Xaver, erstmal vielen Dank, dass du dir heute Zeit für das Interview nimmst. Das STURM ist ein bekanntes Hotel und der Grund dafür, dass viele überhaupt nach Mellrichstadt kommen. Spürst du da einen “Druck” es als nächste Generation noch etwas besser machen zu müssen?
Xaver Schulze Diekhoff: Druck würde ich es nicht nennen. Natürlich ist es eine große Herausforderung, ein so erfolgreiches Haus weiterzuführen, und man möchte dem gerecht werden. Gleichzeitig geben mir meine Eltern durch ihre hundertprozentige Unterstützung sehr viel Rückhalt.
GTB: Das STURM hat eine bewegte Geschichte. Früher lag es an der innerdeutschen Grenze, später war es ein beliebtes Ziel für Motorradfahrer und heute ist es eine Ruhe- und Wellnessoase. Wie blickst du auf diese Entwicklung?
Xaver: Ich habe natürlich nicht alle Phasen selbst miterlebt, denn das STURM gibt es inzwischen seit 50 Jahren. Dennoch verbinde ich mit früheren Zeiten viele positive Erinnerungen, zum Beispiel an die berühmten Motorradzeiten mit den legendären Partys.
Wir sind den Weg von einer echten Betonsünde hin zu einem architektonischen Highlight gegangen mit starkem Fokus auf Nachhaltigkeit. Meine Eltern haben sich sehr bewusst für Nachhaltigkeit entschieden – zu einer Zeit, als das Thema noch längst nicht so präsent war wie heute.
Aus meiner Sicht war der Wandel zu einem Bio- und Wellnesshotel zeitgemäß und die richtige Entscheidung. Sie ist auch ein Grund, warum das STURM heute noch besteht.
“Nachhaltigkeit zahlt sich in der Bilanz aus”

GTB: Wirst du diesen Weg weitergehen?
Xaver: Wir treiben den nachhaltigen Ansatz als Familie, also meine Eltern Christa und Matthias sowie ich und mein Bruder Julius, aktiv voran. Wir sind ständig auf der Suche nach Verbesserungen, sei es im Food-&-Beverage-Bereich oder in der baulichen Weiterentwicklung.
Nachhaltigkeit ist dabei weit mehr als nur ein Marketing-Tool. Sie ist eine kluge wirtschaftliche Entscheidung, die sich durch sinkende Energiekosten und Ressourceneffizienz direkt in der Bilanz auszahlt. Weiterhin legen wir viel Wert darauf, Bestehendes zu bewahren und in die Moderne zu bringen, anstatt abzureißen und neu zu bauen.
GTB: Architektonisch arbeitet ihr hierbei ja eng mit Professor Loebermann zusammen. Ein sehr gefragter zeitgenössischer Architekt.
Xaver: Ja, und er hat dafür bereits einige Auszeichnungen erhalten (z. B. den “best architects award 2024 für unsere Gartenblickzimmer). Einige seiner ikonischsten Entwürfe wurden bei uns realisiert.
Mit der Natur verbunden

GTB: Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich persönlich?
Xaver: Nachhaltigkeit bedeutet für mich, bewusst mit unserer Umwelt umzugehen und Verantwortung dafür zu übernehmen, wie und wofür wir Ressourcen einsetzen. Es geht darum, Entscheidungen nicht nur nach kurzfristigem Nutzen zu treffen, sondern mit Blick auf ihre langfristigen Auswirkungen.
Ich bin selbst leidenschaftlicher Jäger und gerade dadurch habe ich eine besondere Wertschätzung für das Produkt Fleisch entwickelt. Wer den Ursprung kennt und Verantwortung übernimmt, geht automatisch achtsamer damit um. Diese Haltung prägt mein persönliches Verständnis von Nachhaltigkeit ebenso wie meine Arbeit im STURM.
GTB: Was ist dein Part im STURM?
Xaver: Ich bin im operativen Bereich eingebunden und ein direkter Ansprechpartner für die Mitarbeitenden. Gleichzeitig arbeite ich mich Schritt für Schritt gemeinsam mit meinem Vater in die Aufgaben des Geschäftsführers ein, um das Unternehmen langfristig verantwortungsvoll weiterführen zu können.
GTB: Konntest du bereits eigene Ideen oder neue Impulse ins Hotel einbringen? Wie offen sind deine Eltern dafür?
Xaver: Meine Eltern sind sehr offen: Alles, was ich einbringe, wird angehört, gemeinsam besprochen und im besten Fall umgesetzt. So konnte ich schon einige Dinge einbringen (z. B. im Stammgast-Konzept) und denke, dass sich das STURM auch in Zukunft laufend weiterentwickeln wird ohne seine Identität zu verlieren.
Das STURM in der Rhön – ein Hideaway vom Alltagsstress
GTB: Warum kommen eure Gäste überhaupt ins STURM?
Xaver: Bei uns kannst du dem Alltagsstress und lauten Großstädten bewusst entfliehen. Die Ruhe, die Natur, Bio-Küche, Wellness und die Weite der Rhön bieten genau den Raum, den man braucht, um abzuschalten.
Gibt es etwas, das du Reisenden mitgeben möchtest, die sich für nachhaltigen Urlaub interessieren?
Xaver: Nachhaltiger Urlaub bedeutet keinen Verzicht, sondern bewussteres Erleben. Es geht darum, die Dinge intensiver wahrzunehmen, Ressourcen achtsam zu nutzen und Qualität über Quantität zu stellen. Wer mit dieser Haltung reist, nimmt nicht nur mehr Wertschätzung für Natur, Produkte und Menschen mit nach Hause – sondern oft auch mehr Ruhe und Zufriedenheit.
GTB: Das klingt nach einer klaren Haltung. Wir sind gespannt, wie ihr das STURM künftig weiter prägt. Vielen Dank für das Gespräch.
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