Ein Naschgarten hält genau das, was der Name verspricht: Du darfst und sollst zugreifen! Beeren vom Strauch pflücken, einen Apfel direkt vom Baum essen, ein paar Kräuter zwischen den Fingern zerreiben. Alles, was hier wächst, ist essbar, duftend, reif zum Entdecken. In diesem Artikel zeigen wir dir Hotels, die das Naschen ausdrücklich erlauben – und geben dir Tipps, wie du dieses Prinzip auch zu Hause umsetzen kannst.
Was genau ist ein Naschgarten?
Im Gegensatz zu klassischen Ziergärten, die vor allem schön aussehen sollen, oder streng gestalteten Zen-Gärten, die auf Ruhe und Reduktion setzen, steht im Naschgarten das Erleben im Mittelpunkt. Er verbindet Genuss mit Nähe zur Natur. Statt „Bitte nicht betreten“ heißt es hier: Probier‘ ruhig. Für viele Menschen – gerade im Urlaub – ist das ein überraschend intensiver Moment von Freiheit und Verbundenheit.
Einige Green Pearls® Hotels setzen bewusst auf Naschgärten. Sie sind niedrigschwellig, machen die Herkunft von Lebensmitteln unmittelbar erfahrbar und schaffen eine spielerische Verbindung zwischen Gast, Küche und Landschaft. Die Ernte landet, wenn nicht im Mund der Gäste, in der Hotelküche und (ebenfalls wichtig) auch bei Bienen, Schmetterlingen und anderen Insekten, die hier genauso willkommen sind.
Der Naschgarten als Gartenkonzept ist ein Statement für Vertrauen, Teilen und ein entspanntes Miteinander von Mensch und Natur.
Der Naschgarten im STURM ist ein Herzstück des nachhaltigen Hotelkonzepts

Einen besonders großen und beeindruckenden Naschgarten erlebst du im Wellnesshotel STURM in Mellrichstadt in der Rhön (Bayern). Auf rund 3.500 Quadratmetern wächst hier alles, was Lust aufs Zugreifen macht: Gemüse, Salate, Obst, Kräuter – hinzu kommt der Honig der eigenen Bienen. Der Garten ist bewusst so angelegt, dass er Raum bietet für alle: für Pflanzen, für Vögel und Insekten – und natürlich für dich als Gast.
Besonders schön: Im Naschgarten sind nicht nur Früchte und Kräuter essbar, sondern auch viele Blumen. Schmuckkörbchen (Cosmea) etwa leuchten im Sommer bunt zwischen den Beeten, ziehen Bienen, Hummeln und Schmetterlinge an – und landen als essbare Blüten auf dem Teller im hauseigenen Bio-Restaurant Otto’s. Zwei besondere Empfehlungen des Hotels sind zudem französischer Estragon und Kerbel. Estragon wirkt als Tee verdauungsfördernd, Kerbel unterstützt traditionell Nieren, Blase und Verdauung.
Seit 30 Jahren entwickeln Christa und Matthias Schulze Dieckhoff das ehemalige innerdeutsche Grenzhotel Schritt für Schritt zu einem Design-Hideaway mit nachvollziehbaren Nachhaltigkeitsmaßnahmen – mit Naturschwimmteich statt Pool und einem Garten, der Erlebnisse schafft statt Kulisse zu sein.
Naschgarten als Arten-Garten im SCHWARZWALD PANORAMA

Der Naschgarten im SCHWARZWALD PANORAMA steckt voller Leben. Auf rund 100 Quadratmetern erstreckt sich der liebevoll angelegte „Arten-Garten“, der Naschfreude, Biodiversität und Kulinarik miteinander verbindet. Gäste sind ausdrücklich eingeladen, sich zu bedienen: Himbeeren, Erdbeeren und Johannisbeeren wachsen entlang einer 25 Meter langen Beerenstraße mit rund 15 verschiedenen Sorten. Dazu kommen Gemüse wie Paprika, Tomaten und Zucchini sowie aromatische Kräuter, die direkt in der Küche landen.
Der Hotelgarten von Gastgeber Stephan Bode orientiert sich an den Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft. Auf synthetische Pflanzenschutzmittel wird konsequent verzichtet. Stattdessen setzt das Hotel auf vielfältige Pflanzgemeinschaften und insektenfreundliche Bepflanzung. Zwischen Hochbeeten, Obstbäumen und Wildblumenwiese entsteht so ein lebendiger Ort, der alle Sinne anspricht: sehen, riechen, fühlen, schmecken – und dem Summen der emsigen Bienen zuhören.
Gleichzeitig ist der Naschgarten ein Rückzugsraum für Tiere. Eidechsen finden Unterschlupf im Steinhaufen, Honig- und Wildbienen sind Dauergäste, Vögel, Igel und Ohrwürmer nutzen die zahlreichen Nisthilfen und Wasserstellen. Für Gäste wird der Spaziergang durch den Garten so zu einem echten Naturerlebnis und stellt zudem eine Beziehung zur Herkunft der Zutaten auf dem Teller her.
- Mehr Infos zum Naschgarten findest du auf der Webseite des Hotels
Und wenn ein Naschgarten nicht möglich ist? Küchengärten als Alternative
Die Idee eines Naschgartens gefällt dir – aber ganz ehrlich: So einfach ist das im Alltag nicht. Woher kommen die Menschen, die naschen dürfen? Vielleicht könntest du den Zaun abbauen und ein Schild aufstellen: „Naschgarten – Betreten ausdrücklich erwünscht“. Eine schöne Vorstellung – besonders, wenn du in einer lebendigen Nachbarschaft oder einer Spielstraße wohnst.
Wenn das für dich jedoch nicht realistisch ist, gibt es eine ebenso stimmige Alternative: den Küchengarten. Hier wachsen Kräuter, Gemüse und Früchte gezielt für die eigene Küche – weniger offen, aber sehr bewusst. Auch Küchengärten schaffen Nähe zur Natur, stärken den Geschmack auf dem Teller und zeigen, wie viel Wirkung selbst kleine Flächen entfalten können. Und letztendlich ist es auch eine Art Naschgarten – nur eben für dich selbst.
Mocktails aus dem Küchengarten vom LA VIMEA

Im veganen Adults-only-Retreat LA VIMEA ist der Küchengarten Teil des ganzheitlichen Wohlfühlkonzepts. Hier wachsen biologisch angebaute Heilkräuter, die nicht nur in der Küche, sondern auch an der Bar eine Rolle spielen. Aus ihnen entstehen unter anderem hausgemachte Infusionen für Cocktails und Mocktails – frisch, aromatisch und perfekt abgestimmt auf das Selfness-Konzept des Hauses.
Hotel Bella Vista, Zermatt: “Unser Garten auf dem Garagendach gibt ganz schön was her.”

Im kleinen Familienhotel Bella Vista in Zermatt wächst der Küchengarten dort, wo man ihn nicht sofort vermuten würde: auf dem Garagendach. Trotz begrenzter Fläche bringt der Garten eine beeindruckende Vielfalt hervor. Kräuter für Tees wie Pfefferminze, Zitronenmelisse, Eisenkraut, Kamille und Brennnessel wachsen hier ebenso wie Beeren (Himbeeren, Erdbeeren und Johannisbeeren) aus denen Marmeladen entstehen.
Ergänzt wird das Angebot durch Rhabarber, Salate, Zucchini und Blumenkohl. Der Dachgarten zeigt, wie auch im alpinen Raum und auf sehr begrenzten Flächen ein funktionierender Küchengarten entstehen kann – direkt angebunden an Küche und Teestube und fest verankert im nachhaltigen Selbstverständnis des Hauses.
Du träumst vom “Mediterranen Kräutergarten”? Hotel Korinjak hat ihn

Das Hotel Korinjak auf der kroatischen Insel Iz ist umgeben von einer natürlichen Island-Food-Landschaft aus Olivenbäumen, Feigen und wilden Kräutern. Ergänzt wird diese durch einen kleinen, traditionell angelegten dalmatinischen Kräutergarten. Rosmarin, Salbei, Minze, Zitronenmelisse, wilder Fenchel und Lavendel wachsen hier ohne Chemie, mit minimalem Eingriff und viel Vertrauen in Boden und Klima.
Der Garten ist ein bewusster Anker zur Insel. Die Kräuter landen in der Küche, an der Teestation oder in Workshops, an denen du als Gast teilnehmen kannst. Wer möchte, darf pflücken, riechen, lernen – und versteht ganz nebenbei, wie sehr Geschmack mit Ort und Rhythmus zusammenhängt.
Fazit: Nutzgarten – aber lebendig
Ob Naschgarten oder Küchengarten: In diesen Gärten ist etwas los. Sie sind Nutzgärten, ja – aber keine streng kontrollierten Produktionsflächen. Zwischen Beerensträuchern, Kräutern und Hochbeeten summt, flattert und krabbelt es. Hier dürfen Insekten naschen, Bestäuber ihrer Arbeit nachgehen und Pflanzen einfach wachsen, statt perfekt auszusehen.
Naschgärten laden zum Teilen ein, Küchengärten zum bewussten Verarbeiten. Beide verbinden Menschen wieder mit dem, was sie essen, und mit der Natur, aus der es kommt.
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