Biohacking klingt nach Hightech, Kontrollwahn und sehr viel Geld. Nach Menschen, die ihren Körper wie ein Start-up behandeln: messen, optimieren, debuggen. Eisbad im Garten, Schlaftracker am Handgelenk und dem Glauben, dass man mit der richtigen Morgenroutine locker 180 Jahre alt werden kann.
Ur-Vater dieser Szene ist Dave Asprey. Silicon-Valley-Legende, Erfinder des Bulletproof Coffees (Kaffee mit Butter von grasgefütterten Kühen), Biohacker der ersten Stunde – und jemand, der offen zugibt, früher ein übergewichtiges Arschloch gewesen zu sein. Heute stehen in seinem Haus in Kanada Geräte im Wert von über einer Million Dollar. Rüttelmaschinen, Kältekammern, Infrarotkabinen, Nikotinsprays für die Zunge. Pommes? Niemals.
Asprey reiste um die Welt, um sich in kürzester Zeit fremde Lebensphilosophien anzueignen – Ayahuasca in Peru, Yakbuttertee in Tibet. Er experimentierte mit seinem Körper so, wie andere im Silicon Valley mit Ideen experimentieren. Und so verrückt das alles klingt: Aus genau dieser Denkweise ist ein globaler Trend entstanden. (Ohne, dass jetzt jeder Dave Asprey überhaupt kennt.)
Biohacking oder Biotracking – wir sind längst mittendrin
Bevor wir weitergehen, ein wichtiger Unterschied.
Biotracking bedeutet beobachten. Schritte zählen. Schlaf analysieren. Herzfrequenz messen. Zyklus-Apps nutzen. Smartwatches tragen. Viele von uns machen das längst – mehr oder weniger bewusst.
Biohacking geht einen Schritt weiter. Hier wird eingegriffen. Hitze, Kälte, Licht, Nahrung, Routinen. Ziel: mehr Energie, bessere Regeneration, längeres Leben.
Die gute Nachricht: Du musst weder Nikotinspray nutzen noch in einem Labor wohnen, um irgendwo dazwischen zu landen. Die meisten Menschen picken sich einzelne Elemente heraus – und lassen andere sehr bewusst liegen.
Infrarot: Wellness, Wissenschaft und Wunschdenken

Ein Lieblingsthema der Biohacking-Szene sind (hinter Eisbaden) Infrarotsaunen. Sie gelten als sanfter, effektiver und „tiefergehend“ als klassische finnische Saunen. Die Wärme, so heißt es, dringe tiefer in den Körper ein, fördere Regeneration, entgifte und repariere Zellen.
Klingt beeindruckend. Ist aber – wie so oft – nur teilweise haltbar.
Was Infrarot tatsächlich kann:
Gut belegt sind:
- Muskelentspannung
- Förderung der Durchblutung
- subjektives Wohlbefinden
- Unterstützung bei Regeneration und Entspannung
Gerade für Menschen, denen klassische Saunen mit den sehr hohen Temperaturen zu anstrengend sind, kann Infrarot eine angenehme Alternative sein.
Was Infrarot dagegen nicht kann:
Nicht belegt – auch wenn es gern behauptet wird:
- „Entgiften“ über Schweiß
(Schweiß besteht zu fast 100 % aus Wasser. Für Entgiftung sind Leber und Niere zuständig.) - Reparatur beschädigter Proteine
- Wunder-Anti-Aging
Oder anders gesagt: Infrarot ist kein Zauberstab, sondern ein solides Wellness-Tool, wenn man die Erwartungen realistisch hält.
Infrarot unterwegs – warum Reisen der bessere Biohack sein kann

Während manche sich zu Hause private Infrarotkabinen in den Keller stellen (inklusive hohem Stromverbrauch, Wartung und Technik), funktioniert das Thema auf Reisen oft sehr viel entspannter – und nachhaltiger.
Hier wird Infrarot nicht isoliert genutzt, sondern eingebettet in Bewegung, Ruhe, Wasser, gutes Essen und bewusste Auszeiten. Kein Optimierungszwang, keine permanenten Messgeräte, kein Leistungsdruck. Stattdessen: Angebote, die man ausprobieren darf – und auch wieder loslassen kann.
Ein besonders spannendes Beispiel dafür ist das Lifestyle Resort Zum Kurfürsten in Bernkastel-Kues an der Mosel.
Lifestyle statt Label: Das Lifestyle Resort Zum Kurfürsten an der Mosel
Gastgeber Heiner Buckermann hat sich selbst nie als Biohacker bezeichnet – zumindest nicht uns gegenüber. Doch seine Lifestyle-Interpretation ist überaus passend.
Aus einem ehemaligen Null-Sterne-Bushotel ist hier über Jahre ein ganzheitliches Resort gewachsen, das konsequent auf Gesundheit, Prävention und Wohlbefinden setzt. Die Architektur und insbesondere der Wasserkreislauf wurden nach den Regeln eines Feng-Shui-Meisters aus China gestaltet – ein Detail, das zeigt, wie ernst das Zusammenspiel von Energie, Raum und Bewegung genommen wird.
Herzstück sind die vier Wasserwelten:
- drei ganzjährig beheizte Pools mit moderner, ressourcenschonender Ospa-Schwimmbadtechnik
- ein 20 Meter langer Naturbadeteich – komplett chemiefrei
- Indoor- und Outdoor-Bereiche für jede Jahreszeit
Dazu kommt eine außergewöhnlich vielfältige Saunalandschaft: von der Energy-Wald-Infrarotsauna über Bio-Energie-Sauna, Himalaya-Salzsauna, chinesische Kräutersauna nach TCM, Erdsauna mit bis zu 110 °C, Holzofensauna bis hin zu Dampfbädern.

TCM, Technik und kontrollierte Experimente
Besonders biohacking-affin wird es im TCM-Center des Resorts. Hier arbeiten speziell ausgebildete TCM-Therapeut*innen, die unter anderem individuelle Ernährungspläne erstellen oder klassische Behandlungen der Traditionellen Chinesischen Medizin anbieten.
Und dann sind da noch die Geräte. Drei an der Zahl. Hightech, aber bewusst als Erlebnis auf Zeit gedacht – nicht als Besitzversprechen.
- HydraFacial: eine Anti-Aging-Behandlung mit Radiofrequenztechnologie, die Hautstruktur, Hydration und Spannkraft verbessern soll – inklusive Kühlmodus zur Beruhigung der Haut.
- BEWEI: eine aus der medizinischen Arthrosetherapie weiterentwickelte Radiofrequenzanwendung für den Wellnessbereich. Die Behandlung startet mit einer Körperanalyse (u. a. Muskelmasse, Körperwasser, BMI) und kombiniert elektromagnetische Impulse mit einer mechanischen Luftdruckmassage zur Aktivierung des Lymphsystems – bekleidet und entspannt liegend unter Matten (also doch ein bisschen Silikon-Valley Style).
- Brainlight: ein 4D-Shiatsu-Massagesessel, der Tiefenentspannung verspricht – ohne Meditations-App oder Selbstoptimierungsdruck.
Gerade hier wird der Unterschied zum klassischen Biohacking deutlich: Du kannst all das testen, erleben, vergleichen – ohne es besitzen zu müssen. Kein Gerätepark zu Hause, keine Investitionen im fünfstelligen Bereich. Sondern bewusste Experimente in einem geschützten Rahmen.
Infrarot nutzt das Hotel neben der Infrarotsauna auch noch durch Infrarot-Tiefenwärmedecken vor jeder Massage, die du buchst und bei der Kombi-Massage. In der Kombi-Massage wechseln sich Infrarot und Massage ab.
Weitere Beispiele für Infrarot auf Reisen

Neben dem Zum Kurfürsten gibt es weitere Hotels, die Infrarot sinnvoll in ihr Wellness- und Gesundheitskonzept integrieren:
- Paradiso Pure.Living Vegan Hotel auf der Seiser Alm: Hier gibt es Zimmer mit privater Infrarotkabine als Teil eines ganzheitlichen, pflanzenbasierten Lebensstils – mit viel Natur und Bewegung direkt vor der Tür und Entspannung dahinter. Darüber hinaus kannst du ein “Zerobody Floating EXperience” in der “Entspannungskapsel” buchen. In dieser erlebst du eine Kombination aus gefühlter Schwerelosigkeit, Musik und Licht.
- Hotel Das Rübezahl im Allgäu liegt direkt gegenüber von Schloss Neuschwanstein: Hier kannst du romantische Hotelzimmer mit eigener Infrarotsauna buchen – Rückzug, Wärme, Blick auf die Berge und das Schloss inklusive.
- Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa in Bayerisch Gmain: Die „Best Rooms“ des Hotels sind zweigeschossige mit Spa Suiten inklusive privater Infrarotsauna (und Whirlwanne). Das Hotel bietet zudem ein modernes Konzept mit Gesundheitszentrum direkt im Hotel.
- Bella Vista Zermatt in der Schweiz: Von den Infrarotsaunen im Spa-Bereich des familiengeführten Boutiquehotels hast du einen fantastischen Blick auf das Matterhorn; ohne Biohacking-Vokabular, dafür mit viel Ruhe.
- Naturresort Gerbehof am Bodensee: Die Infrarotsauna im Wellnessbereich kannst du dir für private Zeiten buchen. Das Bio Hotel kombiniert Natur, Bio-Essen und Naturheilkunde.

Fazit: Weniger Extrem, mehr Gefühl
Biohacking muss nicht radikal sein. Du musst weder Yakbuttertee trinken noch dein Zuhause in ein Wellness-Labor verwandeln. Und schon gar nicht dein Leben dauerhaft an Geräte anschließen. Denn den Großteil unseres Alltags verbringen wir nun einmal ohne Infrarotkabine, Floating-Tank oder Radiofrequenztechnik.
Genau deshalb können solche Anwendungen sinnvoll sein – auf Zeit. Als Impuls. Als Erfahrung. Es können Bausteine sein, eingebettet in eine Auszeit, in Bewegung, Ruhe, gutes Essen und Natur. Nicht als Versprechen ewiger Jugend oder maximaler Leistungsfähigkeit, sondern als Einladung, wieder mehr ins Spüren zu kommen.
Reisen bietet dafür den idealen Rahmen: ausprobieren statt besitzen, erleben statt optimieren. Mit der Freiheit, das mitzunehmen, was sich wirklich gut anfühlt.
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