Du gibst dein Reiseziel ein und in Sekunden spuckt dir die KI einen kompletten Urlaubsplan aus: ein Hotel, das zu dir passt; Ausflüge, die deinen Interessen entsprechen. Dazu Öffnungszeiten, Preise, Kalorienverbrauch. Voll effizient. Doch was macht das mit unserem Urlaub?
Kann KI gute Reiseplanung?
Viele Reisende nutzen inzwischen KI-Tools zur Planung. “Wir nehmen wahr, dass Gäste heute sehr gut informiert ankommen”, sagt beispielsweise Gastgeber Klaus Pichler vom Hotel Weihrerhof am Wolfsgrubener See in Südtirol. “Sie haben viel gelesen, verglichen, recherchiert.” Digitale Tools und KI spielten dabei eine große Rolle.
Perfekt geplant ist noch nicht erlebt. Daher sagt Klaus Pichler weiter: “KI kann vieles strukturieren. Aber sie kennt nicht die Stimmung am frühen Morgen am See. Nicht das Licht nach einem Sommergewitter. Wir erleben daher, dass persönlicher Austausch weiterhin sehr geschätzt wird, vielleicht sogar bewusster als früher.”

KI kann nicht erleben
Das beschreibt das Team vom Paradiso Pure.Living Vegan Hotel auf der Seiser Alm sehr konkret: „Der Blick auf die Dolomiten, die klare Bergluft, der Duft blühender Almwiesen, Schnee unter den Füßen, Sonne und Wind auf der Haut – das kann KI nicht vorhersagen“
Alexandra Huber vom My Arbor (ein Baumhotel in der Nähe von Brixen, Südtirol) sagt: „Unsere Gäste schätzen unser Gespür für ihre Bedürfnisse und die kleinen, persönlichen Tipps.“ Auch das kann die KI nicht.
Alexandras Onkel Günther und Hannes sind im My Arbor die Wanderguides. Sie haben nicht nur Wissen über den Hausberg Plose, sondern sind täglich selbst dort vor Ort. Sie sagen dir nicht “Achtung, das Wetter kann in den Bergen schnell umschlagen”, sondern sie haben es selbst erlebt und können dir erklären, worauf du achten musst, um vorbereitet zu sein. Frag sie also ruhig! Sie können dir nämlich außerdem viel erzählen, was in keinem Blog und auf keiner Website steht (und was die KI daher auch nicht weiß) 🙂
Exkurs: Du denkst, die KI kennt dich. Doch sie kennt dich nicht wirklich.

Im „Gespräch“ mit einer KI oder einem sogenannten LLM (Large Language Module) wie ChatGPT bekommt man manchmal das Gefühl, die KI kenne einen in- und auswendig. Doch das täuscht und dessen solltest du dir bewusst sein, wenn du deine Urlaubsplanung in ihre „Hände“ gibst.
Dazu eine kleine Anekdote aus der Zeit, wo KI noch nicht so groß war: Ein mir bekannter Journalist wurde einmal in Israel am Flughafen zu einem 4-Stündigen-Verhör festgehalten. “Du bekommst das Gefühl, sie wissen ALLES über dich”, hat er mir erzählt. “Sie wissen, was du an welchem Tag gegessen hast, mit dem du unterwegs warst, wo du eingekauft hast.” Erst nach späterer Reflexion (und einem Gespräch mit der Polizei) wurde ihm klar, dass sie lediglich einen Einblick in die Kreditkartenabrechnung hatten und vielleicht hatten sie noch mal kurz aufs Facebook-Profil (damals war das noch ein Ding!) geguckt. Dies reichte, um Panik, Faszination und Unbehagen hervorzurufen.
Warum eine KI oft ziemlich gut liegt
Wenn eine KI sagt „Das passt zu dir“, basiert das meist auf:
- deinem bisherigen Verhalten (Chatverlauf, Suchen, Klicks, Buchungen)
- Daten von ähnlichen Nutzer*innen (Was ihnen gefällt, gefällt wahrscheinlich auch dir)
- Bewertungen und Mustern („Wer X mochte, mochte auch Y“)
Deshalb funktionieren KI-Empfehlungen bei Dingen wie:
- Hotelstil (Boutique vs. großes Resort)
- Preisklasse
- groben Interessen (Wellness, Wandern, Kultur)
Wichtig zu wissen: Die KI gibt dir die Antwort auf deine Frage, die statistisch betrachtet am wahrscheinlichsten ist. In den genannten Bereichen kommt es daher häufig vor, dass die Empfehlungen einer KI auch passend für dich sind.
Wo KI danebenliegen kann
Problematisch wird es bei allem, was schwer messbar ist:
- Stimmung & Timing (Du willst vielleicht für diesen Urlaub Ruhe, obwohl du sonst Action liebst.)
- Atmosphäre (Ob sich ein Ort „richtig“ für dich anfühlt, lässt sich kaum aus Daten ableiten.)
- Zwischenmenschliches (Freundlichkeit, Gespräch, Energie im Hotel)
- Feine Unterschiede (Zwei Unterkünfte können auf dem Papier identisch wirken, bieten aber komplett andere Stimmungen.)
Gäste mögen Menschlichkeit

Das SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb ist sogar schon soweit, dass sie Persönlichkeit mehr in den Vordergrund stellen als Tipps und Informationen. “Gäste möchten verstanden werden – nicht nur datenbasiert, sondern menschlich”, sagen sie. “Gerade in einer digitalisierten Welt wächst die Sehnsucht nach authentischen Begegnungen und persönlicher Beratung.”
Mehrere Hotels berichten unabhängig voneinander vom gleichen Effekt: Je digitaler die Reiseplanung wird, desto stärker wächst der Wunsch nach echten Begegnungen.
Das Hotel Korinjak auf der kroatischen Insel Iž formuliert es so: “In einer zunehmend automatisierten Welt wächst bei vielen Menschen das Bedürfnis nach etwas Langsamerem, Greifbarem und zutiefst Menschlichem. Es geht weniger um Effizienz, sondern um Authentizität, Empathie und gelebte Erfahrung.”
Johann Steinwender vom Schloss Lerchenhof in Österreich berichtet: „Gäste fragen weniger nach Fakten, sondern mehr nach persönlicher Empfehlung, Erfahrung und echter Begegnung.“ Eben nach dem, was eine KI oder Google-Suche ihnen nicht geben kann.
Die Rolle von Hoteliers verändert sich durch KI-Urlaubsplanung
Christian Schmidt von der SANDcollection (SANDnature an der Ostsee und SANDglow an der Nordsee) sagt: „Wir werden nicht weniger gefragt, sondern anders.“
Seiner Erfahrung nach suchen Gäste heute:
- Orientierung statt Information
- Austausch statt reiner Antwort
- Verbindung statt nur Service
Deshalb entstehen neue Formate wie persönliche Begegnungen vor Ort – etwa „Meet & Greet“-Abende, bei denen Gespräche zwischen Gästen und Gastgebern bewusst Raum bekommen.

Auch das Hotel das Rübezahl im Allgäu sieht diesen Trend: “Gäste suchen ehrliche Empfehlungen und menschliche Nähe”, sagt Gastgeber Alexander Thurm. Dies merkt auch Wanderführer “Bergbaschdi” vom Hotel. Seine persönlichen Führungen würden sehr gut angenommen, berichtet er im Interview. Es hätte sich zwar ein Trend breit gemacht, beim Wandern nur noch die Bestzeit auf Outdooractive knacken zu wollen, für ihn gehöre jedoch auch eine “Heilung der Seele” zum Wandern. Dies hieße, mit sich selbst ins Reine zu kommen, die Umgebung bewusst wahrzunehmen.
Bei seinen Touren ginge es oft darum, den Leuten das richtige Tempo zu vermitteln. Und dies ist natürlich etwas, das du wirklich nur live erleben kannst. Mit Wanderschuhen unter den Füßen und dem Wanderguide an deiner Seite.
Mehr Zeit für Gäste vor Ort durch KI
Viele Hotels setzen KI aber auch gezielt ein, sogar für die Kommunikation mit den Gästen. Ruf doch z. B. im Hotel Okelmann’s an. Schon nach dem ersten Klingeln hörst du “Hallo hier ist Lena (…) du kannst mit mir wie mit einem echten Menschen sprechen”. Für diesen Artikel habe ich mich gleich einige Minuten mit Lena unterhalten. Sie prüft für mich die Preise vom Doppelzimmer, schlägt mir mehrere Zimmerkategorien vor, sagt mir, dass ich einen Hund mitbringen darf usw.
“Der Start war zwar etwas holprig, aber mittlerweile läuft das System sehr gut”, erzählt Kristin Okelmann. Man könne sich jederzeit auch zu einem Menschen durchstellen lassen doch viele fänden die KI-Assistenz “ganz spannend” und es würde gern genutzt.
“(Die KI) gibt uns die Möglichkeit, viel mehr Zeit in Gespräche und Kontakt mit den Gästen vor Ort zu investieren. Für uns absolut ideal!” – Kristin Okelmann
Wo KI an ihre Grenzen stößt

Nicht überall ist der Einsatz von KI angebracht oder ratsam. Bestimmte Themen sind zu komplex oder persönlich, als dass sie einer KI anvertraut werden können bzw. sollten. Hier kommen die Hoteliers ins Spiel. Als Berater*innen und Ansprechpartner*innen für deine Bedürfnisse, Wünsche und Sorgen.
- Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa in Bayern ist ein Health-Hotel mit integriertem Gesundheitszentrum. Gerade bei gesundheitlichen Themen, Kuren und Therapien, die das Wohlbefinden oder deine Gesundheit steigern sollen, steht der echte menschliche Kontakt im Vordergrund.
- Im Hotel Klosterbräu in Seefeld, Tirol, merken die Gastgeber, dass Gäste ihren Empfehlungen einfach mehr vertrauen. “Unsere Gäste fragen weiterhin nach Insider-Tipps, nach dem besten Tisch im Weinkeller oder der schönsten Loipe am Morgen.” Durch ihre regionale Verwurzelung und ein “Gespür für den richtigen Moment” ist die Gastgeberfamilie Seyrling, die das Hotel schon in der 5. Generation führt, authentisch und einzigartig.
Technologische Erneuerungen sind keine Bedrohung, sondern eine Entwicklung
- Auch das Hotel Bella Vista im schweizerischen Zermatt sieht ihre Rolle als familiengeführtes Hotel unersetzbar durch eine KI. “Wer zehn Stunden wandern will, ohne einer Menschenseele zu begegnen, kann mich fragen”, sagt z. B. Fabienne Anthamatten. Sie kennt nicht nur die Gegend, sondern auch die Touristenbewegungen und die Stoßzeiten. Auch über Veränderungen in der Landschaft, wie beispielsweise die Gletscherschmelze, kann sie dir viel berichten und du kannst es mit eigenen Augen erleben. “Unsere Gäste schätzen den sozialen Kontakt zu uns sehr und wir sind froh, dass die menschliche Zwischenebene bei uns immer noch so eine große Rolle spielt”, heißt es im Bella Vista.
- “Der persönliche Kontakt ist immer noch der Wichtigste”, findet auch Gastgeberin Ursula Wagner vom Naturresort Gerbehof. Hier kümmert sich ebenfalls die ganze Familie um die Gäste. Vater und Sohn bringen z. B. ein Reh aus dem Wald fürs Abendessen, die Tochter triffst du im angeschlossenen Pferdehof und bei Ursula kannst du z. B. Heilmassagen nach der Philippi-Methode buchen.
Fazit: Dein Urlaub ist mehr als das Ergebnis eines Algorithmus‘

KI kann dir helfen, schneller zu planen, besser zu vergleichen und informierter zu entscheiden. Aber sie weiß nicht, wie sich ein Ort wirklich anfühlt. Sie kennt keine Gänsehautmomente, keine spontanen Gespräche, kein Bauchgefühl.
Eine Untersuchung aus der Tourismusforschung zeigt: Reisende erinnern sich langfristig vor allem an unerwartete Erlebnisse und persönliche Begegnungen (nicht an perfekt geplante Programmpunkte).
Bonus: So nutzt du KI sinnvoll für deine Reiseplanung
KI ist ein starkes Werkzeug, daher haben wir dir als Bonus einen kleinen Leitfaden erstellt, der dir dabei hilft, sie für deine Urlaubsplanung richtig einzusetzen:
KI ist gut geeignet für:
- erste Inspiration (Reiseziele, Regionen, Reisezeit)
- grobe Planung (Routen, Dauer, Budgetrahmen)
- praktische Infos (Entfernungen, mögliche Verbindungen)
- Zusammenfassungen von Bewertungen oder Reiseberichten
Tipps:
- Lass dir von der KI gezielt unterschiedliche Perspektiven zeigen
(z. B. „Was kritisieren Gäste an Hotel XY?“) - Bitte sie um Vergleiche statt nur Empfehlungen.
- Nutze sie, um Fragen vorzubereiten, die du vor Ort stellen kannst.
- Bei praktischen Infos wie Öffnungszeiten, Preisen, Dauer einer Ausstellung etc. frage nach der Webseite und prüfe die Angaben nochmal gegen. Hier können sich nämlich Fehler einschleichen, wie dass dir eine Graffiti-Kunst empfohlen wird, welche schon längst übermalt wurde, oder eine Sonderausstellung, die nur noch eine Woche läuft.
Und dann: Fahr hin. Sprich mit Menschen. Lass Raum für das, was nicht planbar ist.
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