Durch Fragen kannst du nicht nur dein Wissen erweitern, sondern auch kompetenter, reflektierter und interessiert wirken. Gute Fragen zeigen, dass du mitdenkst, Zusammenhänge erkennst und nicht einfach nur konsumierst. Und sie können manchmal sogar echte Veränderung anstoßen. Für deine nächste Reise solltest du dir deshalb vielleicht nicht nur „Hallo“, „Bitte“ und „Danke“ in der Landessprache merken, sondern auch ein paar kluge Fragen überlegen.
Umfrage im Green Pearls® Netzwerk nach den häufigsten Fragen im Urlaub
Das Netzwerk von Green Pearls® besteht aus individuellen, oft familiengeführten Hotels, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Wir haben dort nachgefragt: Welche Fragen stellen Gäste eigentlich?
Das Ergebnis: 100 % der Hotels bestätigen, dass ihre Gäste viele Fragen stellen. Man könnte also sagen, dass Fragen fast schon zur Identität des Eco-Travelers gehören.
Ana vom Korinjak auf Kroatien bringt es auf den Punkt:
Gäste, die sich bewusst für ein nachhaltiges Hotel entscheiden, kommen oft mit durchdachten Fragen – und genau das begrüßen wir. Transparenz ist Teil von Verantwortung. – Hotel Korinjak
Aber nicht alle Fragen haben die gleiche Qualität. Wir verraten dir, welche Fragen dauernd kommen, welche kritisches Denken (Sokratische Methode) beinhalten und womit du sogar Dinge anstoßen kannst.
Was wird in Hotels am häufigsten gefragt?

Wie geht’s? Wie lang ist die Rezeption besetzt? Ab wann/ bis wann gibt es Frühstück? Kleiner Scherz. Um diese Fragen geht es hier nicht. Es geht um die ECHTEN Fragen. Die, mit denen du in Erinnerung bleibst, weil sie ehrliches Interesse zeigen.
Unsere Umfrage zeigt: Das Thema Lebensmittel steht klar auf Platz 1. Nahezu alle Hotels berichten, dass Gäste oft nach der Herkunft der Produkte fragen.
Platz 1: “Woher kommen eure Lebensmittel?”
Gäste wollen sich vergewissern, dass die Produkte wirklich regional oder fair gehandelt sind. Die Green Pearls® Gastgeber*innen wissen, dass es besonders gut bei den Gästen ankommt, wenn die Produkte aus der Umgebung bezogen werden und der/die Produzent*in genau bekannt ist.
Solche Fragen konnten schon einiges verändern. So verzichten die meisten nachhaltigen Hotels und Ferienhäuser mittlerweile auf tropische Früchte. Oft wirst du auf dem Frühstücksbuffet allerdings auch kleine Schildchen mit Erklärungen finden.
Danach folgen bereits Grundsatzfragen zur Nachhaltigkeit:
Platz 2: „Was bedeutet Nachhaltigkeit bei euch konkret?“

Hier geht es ums große Ganze: Prozesse, Philosophie, echte Maßnahmen vs. Marketing. Es ist eine Frage, die kritisches Denken und der Sokratischen Methode entspricht. Sokratische Fragen sind solche, die nicht mit “Ja” oder “nein” beantwortet werden können und tiefere Einsichten ermöglichen.
Antworten, die du auf diese Frage bekommst, sehen z. B. so aus:
- SCHWARZWALD PANORAMA: “Nachhaltigkeit bedeutet für uns, ökologisch, sozial und wirtschaftlich verantwortungsvoll zu handeln. Das umfasst z. B. biologische & regionale Lebensmittel, faire Arbeitsbedingungen, Ressourcenschonung und den Schutz der Natur rund um unser Hotel – ohne auf Komfort zu verzichten.”
- Hotel Korinjak: “Für uns ist Nachhaltigkeit keine einzelne Maßnahme, sondern gelebte Praxis. Dazu gehören vegetarische Küche, ein bewusster Umgang mit Wasser und Energie, überschaubare Strukturen, langfristige Mitarbeiterbeziehungen und die Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten. Da wir auf einer Insel mit begrenzten Ressourcen liegen, sind sorgfältige Planung und Zurückhaltung ganz selbstverständlich.”
Eine clevere Nachfrage wäre jetzt:
„Welche dieser Maßnahmen hat denn den größten Einfluss?“
Oder:
„Was davon ist für euch am schwierigsten umzusetzen?“
Mit solchen Fragen gehst du einen Schritt weiter. Das zeigt nicht nur Interesse, sondern auch kritisches Denken und macht den Unterschied zwischen Smalltalk und Smarttalk.
Noch stärker wird es, wenn du an die Antwort anknüpfst:
„Heißt das, dass ihr euch bewusst gegen bestimmte Dinge entschieden habt?“
„Und wie hat sich das im Laufe der Zeit verändert?“
Das nennt man übrigens Folgefragen. Sie sind eine der effektivsten Techniken, um ein Gespräch zu vertiefen. Du beweist, dass du wirklich zuhörst und Zusammenhänge erkennst.
Mit diesen 3 Fragen punktest du in nachhaltig engagierten Hotels

Jetzt kennst du die Klassiker und weißt, wie du mit klugen Nachfragen tiefer einsteigen kannst. Aber welche Fragen bringen dich wirklich auf das nächste Level?
Hier kommen drei Fragen, die sich Hoteliers wünschen würden, dass sie mal jemand fragt, oder Fragen, die den Hoteliers noch lange im Gedächtnis bleiben und zum Nachdenken und Reflektieren anregen:
#1 “Welchen Beitrag leistet euer Haus für die (wirtschaftliche) Situation des Orts?” oder auch „Wie beeinflusst euer Haus euren Heimatort?
Dies würde sich Martina Dellarbar vom Relais del Maro einmal als Frage wünschen. Das Albergo Diffuso im italienischen Dorf Borgomaro hat nämlich in diesem Punkt beachtliches geleistet und man könnte sogar sagen “das Dorf gerettet” und die Bewohner vor Landflucht bewahrt.
#2 „Ist eure Art zu wirtschaften finanziell überhaupt tragbar?”
Eine Frage, die eher ungewöhnlich ist für Gäste, die Gastgeber aber sehr berührt. Johann Steinwender vom Schloss Lerchenhof berichtet, dass es rührend ist, wenn sich die Gäste regelrecht Sorgen machen, ob das österreichische Schloss in Kärnten, dass die Familie in ein Slow Food Boutiquehotel verwandelt hat, vielleicht sogar zu viel an die Umwelt und zu wenig an Profit denkt.
#3 „Was ist euer persönliches Herzensprojekt in Sachen Nachhaltigkeit?“
Nicht jede nachhaltige Maßnahme hat den gleichen Impact. Manche sind technisch oder sogar unsichtbar, wie Energieversorgung oder Dämmung. Andere sind emotional und bergen oft spannende Geschichten, die erzählt werden wollen. Seniorchef Paul Rinner vom APIPURA hotel rinner ist z. B. leidenschaftlicher Imker und berichtet gern über seinen Bio-Honig, den Bienenstock, das Dasein als Wander-Imker oder die spezielle Api-Wellness.
Im Naturhotel Outside kocht Seniorchef Sepp Ganzer selbst Sirupe ein, die oft von den Gästen gelobt werden (was ihn natürlich immer freut). Die Familie ist auch sehr stolz darauf, einen Naturpool ganz ohne Chemie zu betreiben. Wie das möglich ist, erklären sie dir gern.
Das heißt: Mit einer Frage nach dem Herzensprojekt kannst du erfahren, welche Themen deine Gastgeber persönlich interessiert und (wenn du das möchtest) tolle Gespräche entfachen.
Fragen geschickt formulieren

Nicht nur was du fragst, macht den Unterschied, sondern auch wie. Es kann passieren, dass du eigentlich Interesse zeigen willst, es aber wie Kritik klingt.
Zum Beispiel im Paradiso Pure.Living Vegan Hotel (Seiser Alm, Südtirol) oder im LA VIMEA Vegan Hotel (Naturns, Südtirol) wird oft gefragt, warum es für alle Gäste das gleiche Menü gibt.
Es wird allerdings nicht wirklich klar, was du mit „Warum gibt es für alle das gleiche Menü?“ sagen willst. Meinst du es positiv bzw. interessierst du dich wirklich für den Grund dahinter, oder möchtest du versteckt Kritik anbringen?
Eine andere Formulierung wäre:
„Was ist die Idee hinter dem festen Menü?“
Oder:
„Hat das auch etwas mit eurer Nachhaltigkeitsstrategie zu tun?“
Das eröffnest du das Gespräch und bekundest Interesse. Wenn es tatsächlich von dir als Kritik gemeint ist (was ja auch legitim ist), dann sag doch besser genau was du dir wünscht: z. B. “Kann ich statt diesem Gang mit Pilzen auch etwas ohne Pilze bekommen?” Hier kann gleich eine Lösung für dich gefunden werden, anstatt das Küchenteam mit einem “ich würde gern irgendwie mehr auswählen” im Dunkeln lässt. (Zielorientiertes Fragen!)
Der Grund warum die beiden veganen Hotels unter der kulinarischen Leitung von Aggeliki Charami nur ein Gericht anbieten, ist übrigens der, dass die veganen Fine-Dining-Speisen zum Teil mehrere Tage für die Zubereitung benötigen, sehr exquisit sind und so Lebensmittelverschwendung vermieden wird.

Ähnlich ist es bei den Summit Lodges Pfunds, wo Marco Spiess zwei Naturstammhäuser als nachhaltige Ferienhäuser ins Tiroler Oberland gebaut hat. Oft hört er:
„Warum habt ihr euch für ein Naturstammhaus entschieden und nicht für normale Bauweise mit den roten Ziegeln?“
Klingt erstmal neutral – kann aber auch mitschwingen lassen: Was ist denn an anderem schlecht? Oder: Ich vermisse die roten Ziegel.
Falls deine Frage offen gemeint ist, wäre besser:
„Was hat euch an der Bauweise mit Naturstämmen besonders überzeugt?“
Oder:
„Welche Vorteile hat ein Naturstammhaus für euch – auch in Bezug auf Nachhaltigkeit?“
Mit Fragen Gespräche eröffnen

Der Unterschied zu einer Frage und einem Statement ist der, dass die Frage zur Antwort führt. Marion Muller vom SANDnature in Timmendorfer Strand an der Ostsee berichtet z. B. dass Gäste oft nach den COCO-MAT Kissen fragen.
Möchtest du nur ein Kompliment geben, so würde man sagen:
“Ich konnte übrigens sehr gut schlafen. Gemütliche Kissen!”
Zielgerichtete Fragen könnten sein:
“Wie heißt das Kissenmodell? Kann man das normal kaufen?”
Wenn du ein Gespräch eröffnen möchtest könntest du stattdessen fragen:
“Was ist das Besondere an euren Kissen?“
„Spielt das auch eine Rolle in eurem Nachhaltigkeitskonzept?“
So wird aus einem einfachen Thema plötzlich ein Einstieg in etwas Größeres.
Das SANDnature denkt bei den Kissen nämlich auch an gesundheitliche Aspekte und einen ganzheitlichen Ansatz für besseren Schlaf.
Was deine Fragen bewirken können
Vielleicht denkst du jetzt: „Ist das nicht ein bisschen viel für den Urlaub?“ Gute Frage 🙂 Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Fragen sind Interesse. Und mit Interesse kannst du etwas bewegen:
- Hotels merken, was Gästen wichtig ist.
- Nachhaltige Maßnahmen und Entscheidungen werden sichtbarer und wertgeschätzt.
- Neue Ideen entstehen im Gespräch.
Viele Gastgeber*innen wünschen sich genau das. Denn ein nachhaltigerer Tourismus lebt auch vom Austausch.
Was ebenfalls cool ist: Viele Gäste fragen auch Hoteliers, wie sie selbst nachhaltig aktiv werden können. So könnt ihr euch gemeinsam verbünden und Mitstreiter werden!
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