Das Allgäuer Hotel Das Rübezahl in der Kulisse von Schloss Neuschwanstein ist ein beliebter Ausgangspunkt für Wanderungen aller Schwierigkeitslevel. Als speziellen Service bietet das Hotel nun mit ihrem Wanderführer Bergbaschdi einen Wander-Concierge an. Wir haben ihn gefragt, was dies genau ist.
Sebastian Remmler (36), “Bergbaschdi”, hat vergangenes Jahr seinen 54. Fünftausender (in der Türkei) erklommen und bereits viele Berge in Ostafrika und Südamerika bereist. Zum Zeitpunkt des Interviews steckt er gerade in den Vorbereitungen für seine Wanderreise nach Nepal, die zwei Tage später startet.
Ein Wander-Concierge mit WhatsApp-Dienst

Green Travel Blog (GTB): Was genau ist ein Wander-Concierge? Du arbeitest ja bereits im Hotel Das Rübezahl als Wanderführer, inwieweit hat sich deine Arbeit jetzt verändert?
Basti: Beim Wander-Concierge ist hauptsächlich neu hinzugekommen, dass die Leute mich auch kontaktieren können, ohne dass ich sie persönlich treffe. Anstatt mich also erst auf der Wanderung nach den passenden Schuhen zu fragen, können sie mich schon im Vorfeld per WhatsApp kontaktieren. Oder auch wenn sie allein in den Bergen unterwegs sind, stehe ich als Ansprechpartner zur Verfügung. Das finden viele hilfreich, weil sie sich oft nicht in den Bergen auskennen.
GTB: Was war die seltsamste Frage, die du mal bekommen hast?
Basti: Bei vielen seltsamen Fragen geht es ums Wetter. Das kann man halt gar nicht einplanen, auch nicht mit Wetter-Apps. Aber ansonsten muss ich sagen, sind die Leute recht erwachsen 🙂
Das sind die häufigsten Fehler beim Wandern
GTB: Was sind deiner Meinung nach häufige Fehler beim Wandern?
Basti: Ich hatte mal einen dabeigehabt, der ist mit nigelnagelneuen Haferl-Schuhen (Anm. d. Red.: Trachtenschuhe) und ohne Socken mitgewandert. Da habe ich zu ihm gesagt, das sei eine ziemlich schlechte Idee. Weil solche Haferl-Schuhe neigen sehr zum Blasen-Laufen, vor allem ohne Socken. Da hat er gemeint: „Urlaub in Bayern muss wehtun.“ Der hat’s dann durchgezogen, hat sich zwei riesige Blutblasen gelaufen und ist den Rest des Urlaubs nur noch in Flipflops durchs Hotel geschlichen.
Es hat sich in den letzten Jahren so eingeschlichen, dass Bergsport als Extremsport betrachtet wird. Jeder versucht, den Rekord des anderen zu knacken und es geht vielen nur darum, auf Outdooractive die Bestzeit zu haben. Und wenn dann so gerannt und gehechelt wird, verlieren viele Leute die Lust am Wandern, bloß weil sie es nicht richtig praktizieren!
GTB: Welche Einstellung versuchst du zu vermitteln?
Basti: Also für mich gehört die Heilung der Seele mit zum Wandern und Bergsteigen. Mit sich selbst im Reinen zu sein. Das funktioniert aber nur, wenn ich mich nicht unter Druck setze. Ich sage immer: “Egal, wie schnell oder wie langsam du läufst, du bist immer schneller unterwegs, als die, die gar nicht gehen!”
“Der richtige Rhythmus ist beim Bergsteigen der Schlüssel zum Erfolg”
Basti: Ich habe bereits 54 Fünftausender bestiegen und alle diese Ziele durch ein bisschen Ehrgeiz, mental auf der Höhe sein, Fitness und den richtigen Rhythmus erreicht. Das mit dem Rhythmus und Tempo ist etwas, dass gerade in der jüngeren Generation zum Teil nicht mehr verstanden wird. Ich muss nicht in 20 Minuten den Berg hochrennen
Um dies den Leuten zu vermitteln, kenne ich mich zum Glück relativ gut in der Flora und Fauna aus und versuche dann so am Wegesrand alles zu erklären. Dadurch, dass man sich dafür Zeit nimmt, kann man die Umgebung bewusst wahrnehmen und rennt nicht einfach an allem vorbei.
Besonders für Tiere brauchst du ein bisschen Geduld. Bei uns am Tegelberg gibt es z. B. eine große Chance Gämsen zu sehen. Man muss eben bereit für Pausen sein und dort, wo es schön ist, auch mal Ruhe geben. Nach einer Stunde komme ich auch noch an!
GTB: Außer, ich muss mich beeilen, weil es bald dunkel wird…
Basti: Selbst dann hat man immer noch eine Stirnlampe und keiner stirbt bei 15 Grad in der Nacht im Sommer.
Die schönsten Wandertouren am Tegelberg

GTB: Wenn jemand komplett ohne Vorstellung zu dir kommt und die Gegend erkunden will, welche Tour würdest du dem empfehlen? Hast du da eine All-Time-Favorite-Tour?
Basti: Ja, die Rohrkopfhütte. Rohrkopfhütte ist DER Einstiegsklassiker. Sie ist über zwei Wanderwege erreichbar. Der Schutzengelweg ist etwas anspruchsvoller, weil er ein bisschen steiler ist, aber die Fahrstraße ist wirklich für fast jeden geeignet! Man läuft eine gute Stunde moderat bergauf. Der Tegelberg ist für Wanderer sehr gut erschlossen. Aber dafür nicht einsam. Es gibt eben immer eine Kehrseite.
GTB: Das stimmt. Und was ist deine persönliche Lieblingswanderung, wenn du Fortgeschrittene dabeihast, mit einer guten Grundfitness und vielleicht sogar schon Erfahrung beim Wandern in den Alpen?
Basti: Also von der Aussicht und von der Landschaft her finde ich die Tour über die Marienbrücke auf den Tegelberg spektakulär. Das ist super kurzweilig und abwechslungsreich. Du hast zwei, drei Stellen drin, wo man die Hände braucht. Dann immer wieder der Blick aufs Schloss, ins Alpenvorland oder auch ins karge Alpengebirge. Das finde ich eigentlich die schönste Tour im näheren Umkreis.
„Gipfelbezwinger“ werden gefeiert
GTB: Und an welche Tour von deinen vielen Wander-Urlauben denkst du selbst gern zurück?
Basti: An Äthiopien. Wir haben da den Ras Daschän bestiegen, das ist der höchste äthiopische Berg und als wir da zurückgekommen sind, da hat das ganze Dorf eine Party gefeiert. Sie haben ihre größte Ziege geschlachtet, ein riesengroßes Lagerfeuer gemacht und die „Gipfelbezwinger“ sind alle mit Blumenschmuck beehrt worden.
Das hat mich sehr fasziniert, dass die einen so feiern, obwohl ihr Fokus auf einem ganz anderen Leben liegt. Die dortigen Dorfbewohner vergeuden keine Zeit und kein Geld dafür, in ein fremdes Land zu fliegen, um dann auf irgendwo auf einen Berg hinaufzukraxeln. Aber trotzdem freuen sie sich extrem, dass du bei ihnen bist. Also das war schon cool.
GTB: Dann hoffe ich, dass du jetzt in Nepal ähnlich tolle Erfahrungen machst und wünsche dir eine gute Reise. Danke, für deine Zeit!

👉 Das Hotel Das Rübezahl bietet für seine Gäste sowohl den Wander-Concierge als auch geführte Wanderungen als Inklusiv-Leistung an. Mehr Informationen findest du auf der Webseite des Hotels.
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