1,05 Milliarden Tonnen Lebensmittel. So viel Essen ist laut dem UNEP Food Waste Index Report 2024 allein im Jahr 2022 weltweit im Müll gelandet. Das entspricht über einer Milliarde weggeworfener Mahlzeiten – jeden einzelnen Tag. Besonders unbequem: 60 % dieses Food Waste entsteht in privaten Haushalten. Also nicht in der Industrie, nicht in Supermärkten – sondern bei uns zu Hause. In unseren Kühlschränken, in vergessenen Gemüsefächern, auf Tellern, die wir zu voll beladen haben.
Und noch ein Punkt, der überrascht: Lebensmittelverschwendung ist längst kein Wohlstandsproblem mehr. Der Report zeigt, dass der Pro-Kopf-Food-Waste über Einkommensstufen hinweg erstaunlich ähnlich ist. Heißt: Das Problem betrifft uns alle – unabhängig davon, wie viel wir verdienen oder wo wir leben.
2030 ist nicht mehr weit und das Ziel noch lange nicht erreicht
Mit den Sustainable Development Goals (SDG 12.3) hat sich die Weltgemeinschaft verpflichtet, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren. Klingt nach Zukunft? 2030 ist näher, als es sich anfühlt – und ohne einen echten Wandel in unserem Alltag wird dieses Ziel nicht erreichbar sein.
Denn Food Waste ist kein Randthema. Er treibt Klimakrise, Ressourcenverbrauch und wirtschaftliche Verluste massiv an. Jedes weggeworfene Lebensmittel steht für verschwendetes Wasser, Energie, Arbeitszeit und Emissionen.
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Was hat das mit Reisen zu tun?
Gerade in der nachhaltigen Hotellerie ist das Thema Essen besonders sensibel: wechselnde Gästeströme, Buffets, individuelle Ernährungswünsche, saisonale Schwankungen. Gerade dort, wo viele Menschen täglich verpflegt werden, zeigt sich, ob Kreislaufdenken funktioniert. Und genau da holen wir uns jetzt Inspiration für unser eigenes Leben 😉 .
Weniger ist mehr: Warum kluger Einkauf Food Waste verhindert

Circular Food beginnt nicht erst beim Kochen, sondern davor – bei der Produktion und beim Einkauf. Viele unserer Green Pearls®-Partner zeigen, wie entscheidend dieser erste Schritt ist.
Im Hotel Klosterbräu in Tirol stammen mindestens 80 % der Lebensmittel aus der Region. Vieles wird aber auch selbst produziert: Eier vom eigenen Bauernhof, selbstgemachte Marmeladen und Kompotte, Kräuter und Honig aus dem eigenen Garten, Heumilch von den Kühen aus der Nachbarschaft. Kurze Lieferketten, kaum Verpackung, volle Kontrolle über Qualität und Mengen.
Auch das Baumhotel My Arbor, das energieautarke Aparthotel OLM Nature Escape und das nachhaltige Lifestylehotel SANDnature an der Ostsee setzen auf gezielten, bedarfsorientierten Einkauf bei regionalen (Bio-)Produzent*innen. Bestellt wird nicht „auf Vorrat“, sondern nach Auslastung. Das Ergebnis: kaum abgelaufene Produkte in den Vorratskammern.
Was wir daraus lernen können:
- Wie wir im Blogartikel zu Bio-Lebensmitteln erklärt haben, führt die Verwendung von (teureren) Bio-Lebensmitteln automatisch dazu, diese bewusster zu verwenden. Zudem kannst du bei Bio-Produkten (wenn möglich) auch die Schale mitessen.
- Setze auf saisonale Produkte aus deiner Region (eine Hilfe sind hier z. B. Rezepte aus Saison-Kalendern)
- Laut dem Hotel Klosterbräu ist vor allem der Verzicht auf Fertigprodukte wichtig, “da so komplette Zutatenkreisläufe gewahrt und Resteverwertung ermöglicht wird.”
- Einkaufen mit Einkaufsliste und gezielter Planung für Gerichte. Denke anGerichte mit “Resten”, Frühstück, Snacks, mit realistischer Mengenplanung. (Nicht einfach “Irgendwas werde ich damit schon machen”.)
Planung schlägt Perfektion – und Buffets sind keine Pflicht

Ein weiterer Hebel gegen Food Waste: Planung. Und der Mut, Dinge anders zu machen.
Im Canvas & Orchids Retreat in Kambodscha gibt es bewusst ein tägliches Set-Menü (das heißt: keine Karte mit Auswahl). Gekocht wird mit dem, was frisch verfügbar ist – kreativ, saisonal und vollständig verwertet. Das reduziert Abfall und macht Nachhaltigkeit für Gäste als kulinarische Entdeckungsreise erlebbar.
Etwas, das sich ebenfalls erst wenige Hotels “trauen” ist die flexible Portionsgröße. Das heißt, dass das Personal so geschult ist, auch mal eine halbe Portion anzubieten (oder einen Nachschlag). Das Naturhotel Outside setzt auf kleinere Portionen. Überschüsse landen nicht im Müll, sondern am Nachmittagsbuffet oder bei den Mitarbeitenden. Ähnlich arbeitet das SCHWARZWALD PANORAMA, wo intelligente Menüplanung und angepasste Portionsgrößen Food Waste von vornherein vermeiden.
Ein echtes Best-Practice-Beispiel ist das Hotel Luise in Erlangen:
Hier bleiben im Schnitt nur 5 Gramm Lebensmittelreste pro Gast und Mahlzeit übrig. Möglich wird das durch kleinere Platten am Buffet, die nach Bedarf lieber einmal mehr nachgelegt werden. Am Ende des Frühstücks fragen die Mitarbeiter*innen die Gäste gezielt danach, was noch gewünscht wird. Und dann wird z. B. noch eine einzelne Scheibe Käse aus der Küche geholt, anstatt einfach noch mal 20 Scheiben auszulegen.
Für zu Hause heißt das:
- Lieber nachnehmen als überladen. Zwar hast du zu Hause nicht das Problem wie ein Hotel, dass alle Lebensmittel, die einmal auf dem Tisch standen, kein zweites Mal angeboten werden dürfen. Doch solltest auch du dafür sorgen, dass die Lebensmittel appetitlich bleiben. Reis, der schon mit Saucen und anderem Essen vermischt ist, will keiner mehr essen; Reis, der pur übrigbleibt, lässt sich hingegen vielseitig verwenden.
- Es muss nicht immer eine riesige Auswahl geben und nicht jeden Tag ein neues Angebot. (Lieber erstmal das angebrochene Hummus und die schon offene Marmelade aufessen, statt etwas Neues zu öffnen.)
Aus Resten wird Geschmack – wenn Kreativität Teil des Konzepts ist

“Resteverwertung” gehört zur Kunst des Kochens und hat auch in der Profigastronomie ihren festen Platz.
- Im Hotel Bella Vista Zermatt werden Orangenschalen zu Sirup, hartes Brot geht an die Schafe, Kaffeesatz düngt die Blumen.
- In den drei Südtiroler Hotels My Arbor, Hotel Weihrerhof und OLM Nature Escape werden Gemüseschalen zu Fonds und altes Brot zu Knödeln oder Croûtons verarbeitet.
- Das SCHWARZWALD PANORAMA verwandelt Überschüsse in Suppen, Eintöpfen oder frische Salate.
Für zu Hause gilt:
Eigne dir eine kreative Resteküche an. Unsere Tipps aus dem Web:
- Resteverwertung von Zucker und Jagdwurst: Der vegane Foodblog präsentiert zu den üblichen Lebensmitteln (Reis, Brot, matschiges Obst …) eine übersichtliche Liste mit passenden Rezepten.
- Familienkost hat auch Ideen für eher ungewöhnliche Lebensmittel wie Spargel oder Zitronen und eine Suchfunktion nach Zutaten
- Der Restegourmet ist eine ziemlich ausgeklügelte Webseite und App speziell für das Kochen mit Resten. Es dauert ein bisschen sich einzufinden, doch dann gibt es sehr nützliche Tipps und Rezepte.
Wenn Essen zurück zur Erde geht: Kreislaufdenken konsequent zu Ende gedacht
Was nicht mehr gegessen werden kann, muss trotzdem nicht verloren sein. Viele unserer Partner schließen den Kreis über Kompostierung:
- STURM wirft alles, was kompostiert werden darf, auf den eigenen Kompost und nutzt die daraus gewonnene Erde anschließend im Naschgarten.
- Im Naturresort Gerbehof werden Lebensmittelreste ebenfalls durch Kompostierung zu Dünger.
- Das SCHWARZWALD PANORAMA arbeitet mit ReFood zusammen, welche gekochte Speisereste und Altfett aus der Gastronomie abholen und daraus Biodiesel, Biogas, Wärme und organische Dünger herstellen.
Besonders konsequent ist das Hotel Korinjak auf der kroatischen Insel Iz. Hier werden selbst gekochte Speisereste mit einer professionellen Kompostiermaschine direkt vor Ort verarbeitet. Der nährstoffreiche Kompost landet im eigenen Garten und wird sogar in Säckchen als kleines Geschenk an Gäste weitergegeben. “Ein Geschenk von unserer kleinen Insel an ihre Gärten und Pflanzen zu Hause”, erzählen sie.
“Für uns ist der Kreislauf ein System, nach dem die Natur schon immer funktioniert hat. Und wir sehen uns als Teil dieses natürlichen Rhythmus’.” – Hotel Korinjak
Zu Hause:
- Speisen vom Vortag erneut aufwärmen und genießen (Hygiene beachten)
- Biotonne bewusst nutzen (Plastik und Fleischreste gehören NICHT hinein. Dazu gehört vielerorts übrigens auch „Plastik“ aus natürlichen Materialien wie Maisstärke.)
- Eigenen Kompost herstellen (geht übrigens auch als Mini-Version bzw. mit Hilfe einer Wurmkiste oder eines Bokashis auf dem Balkon einer Stadtwohnung.)

Speiseöl: Der unsichtbare Food Waste mit massiven Folgen
Ein Thema, das oft vergessen wird: altes Speiseöl. Frittier- und Bratfette gehören nicht in den Abfluss.
Wie gravierend die Folgen sein können, zeigt das Beispiel Machu Picchu Pueblo in Peru. Dort war die Belastung der Flüsse durch alte Speiseöle aus der Gastronomie des beliebten Touristenorts so hoch, dass sich die Wasserqualität messbar verschlechterte. Die Reaktion: Gemeinsam mit der Gemeinde errichtete das Inkaterra Machu Picchu Pueblo Hotel eine Anlage, in der Speiseöl aus der Gastronomie, Haushalten und lokalen Betrieben gesammelt und zu Biodiesel verarbeitet wird. Ein Projekt, das Umwelt schützt – und die Region aktiv einbindet.
Wie du Speiseöl korrekt entsorgst:
- Altes Speiseöl, Frittierfett und Co. gehören in den Restmüll. Kleine Reste kannst du einfach mit etwas Küchenpapier aufnehmen und in der Restmülltonne entsorgen.
- Größere Mengen lässt du abkühlen und gibst es anschließend in einem gut verschlossenen Behälter ebenfalls in den Restmüll oder bringst es zu speziellen Sammelstellen in deiner Region.
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Circular Food funktioniert nur gemeinsam
Ob im Hotel Klosterbräu, im Naturhotel Outside, bei SANDnature oder im Hotel Luise: Überall zeigt sich, dass Kreislaufdenken nur funktioniert, wenn Mitarbeitende und Gäste eingebunden werden. Dies gilt natürlich auch zu Hause – für dich, deine Familie und deine Gäste. Und da ist es wahrscheinlich deutlich einfacher: Darf ich dir das noch einpacken? „Möchtest du das noch aufessen? Nimmst du noch ein paar Radieschen aus unserem Garten mit? Selbst bei Hochzeiten und anderen großen Feierlichkeiten wird es immer selbstverständlicher, dass Gäste Dosen und Behälter mitbringen, damit vom Buffet nicht zu viel übrig bleibt.
Fazit: Kreislaufdenken beginnt im Kopf
Unsere Green Pearls® zeigen, dass Circular Food selbst unter komplexen Bedingungen funktioniert. Und genau deshalb ist klar: Wenn es dort geht, geht es auch bei uns.
Denn wenn Haushalte den größten Anteil an Food Waste verursachen, haben sie auch den größten Hebel für Veränderung. Kreislaufdenken beginnt im Kopf und damit sich verantwortlich zu fühlen.
2030 rückt näher. Lass uns anfangen.
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