Hotels mit eigener Landwirtschaft nutzen ihren Einfluss nicht nur als Konsument*innen – also indem sie regional einkaufen und Bio wählen. Sie geben auch in der Produktion den Ton an: mit eigenen Gärten, Feldern oder Farmen direkt am Haus. Wir stellen dir Unterkünfte vor, die dir auf deinen Reisen den Luxus bieten, zu sehen, wie etwas wächst – und es später auf dem Teller wiederzufinden.
Konzepte wie Bio-Landbau und Permakultur stärken zudem lokale Kreisläufe, bauen Böden (wieder) auf, fördern die Vielfalt und schaffen bzw. sichern faire Arbeitsplätze. „Farm-to-Table“ ist hier nicht nur ein hübscher Satz im Marketing, sondern die Essenz der Küche.
5 Hotels mit eigener Landwirtschaft in Deutschland, Österreich und Südtirol – mit Fokus auf Nachhaltigkeitsmaßnahmen
#1 ADLER Lodge RITTEN, Südtirol

Die ADLER Lodge RITTEN, ein bewusst geführtes 5-Sterne-Hotel auf dem Ritten in Südtirol hat Farm-to-Tablevon Anfang in ihr Konzept integriert. Auf rund 4.000 Quadratmetern wurde ein vielfältiger Bauerngarten mit Äckern, Obststräuchern und Kräutergärten angelegt – direkt neben dem Hauptgebäude. Sommerweizen, Kartoffeln, verschiedenes Gemüse, Beeren und aromatische Kräuter wachsen dort.
Der Garten ist nicht nur Versorgungsquelle, sondern auch Erlebnisraum: mit Wegen, Bänken und Beschilderungen, die zeigen, was gerade wächst
Betreut wird der Bauerngarten von Christian Fink und Freundin Johanna, die auch den benachbarten Viehweiderhof bewirtschaften. Ihr Ansatz ist naturnah, vielfältig und ökologisch: Mischkulturen in den Beeten, Blumen zwischen den Pflanzen, die den Boden stärken und Bestäuber anziehen. Auch die Bienen der Lodge profitieren davon – und liefern den Honig für das Frühstücksbuffet gleich mit.
Farm-to-Table Konzept von Cristian Cinquemani
Was einst eine Herzensangelegenheit von Küchenchef Hannes Pignater war, wird heute weitergeführt. Sein Nachfolger, ADLER Lodge RITTEN Küchenchef Cristian Cinquemani hält das offene Küchen-Konzept mit lokalen Bio-Zutaten, Produkten aus eigenem Anbau und direktem Gästekontakt weiter am Leben und hat der Kulinarik einen Touch Inselflair von seiner Heimat Elba hinzugefügt.
#2 Hotel Klosterbräu, Tirol, Österreich

Das Hotel Klosterbräu in Seefeld knüpft mit seiner eigenen Landwirtschaft bewusst an die über 500-jährige Geschichte des Hauses an. Bereits die Augustinermönche bewirtschafteten die Flächen des einstigen Klosters selbst – mit Ackerbau, Hopfen für die Brauerei sowie Tierhaltung. Diese Tradition lebt Gastgeber Alois Seyrling heute neu auf: nachhaltig, zeitgemäß, konsequent biologisch – aber vegetarisch.
Seit 2017 betreibt das Klosterbräu die vegetarische Landwirtschaft „Sigis Sauhaufen“ nach biologischen und biodynamischen Grundsätzen. Die Felder auf dem Pfarrhügel werden mit eigenem Kompost versorgt, der aus den Bio-Abfällen des Hotels entsteht. Angebaut werden Kartoffeln, Kräuter, Hopfen und Früchte wie Äpfel – alles klar auf den Eigenbedarf ausgerichtet. Ein besonderes Projekt ist die sogenannte „Plateau-Kartoffel“, die durch Farbe und Geschmack einzigartig ist.
Hotel mit Landwirtschaft und Streichelzoo
Zur Landwirtschaft gehört auch Tierhaltung mit viel Raum: Ein Wanderhühnerstall mit rund 200 Legehennen aus alten und seltenen Rassen liefert unter anderem die Frühstückseier. Ergänzt wird das Ganze durch den privaten Streichelzoo mit Ziegen, Zwergrindern und weiteren Kleintieren. Das Hotel eignet sich daher auch besonders gut, um Landwirtschaft auch für deine Kinder erlebbar zu machen.
#3 Naturresort Gerbehof, Bodensee, Deutschland

Im Bio Hotel Naturresort Gerbehof wird Landwirtschaft ganzheitlich gedacht. Hotel und Hof bilden eine Einheit – beide sind zu 100 Prozent biozertifiziert und Teil eines konsequenten Kreislaufs. Als Mitglied bei Bioland steht der Betrieb für eine Landwirtschaft, die achtsam mit Ressourcen umgeht und Verantwortung über Generationen hinweg übernimmt.
Auf rund 22 Hektarn bewirtschaftet Gastgeberfamilie Wagner Obstplantagen mit Äpfeln und Birnen im Bio-Anbau. Ein Teil der Ernte geht in den regionalen Handel, ein anderer direkt in die eigene Verarbeitung: Apfelsaft, Destillate aus der hauseigenen Brennerei und Produkte, die du auf dem Frühstücksbuffet findest, entstehen also direkt vor Ort. Ergänzt wird die Landwirtschaft durch Weideflächen für Pferde, freilaufende Hühner sowie eine kleine Tierhaltung mit Wildschweinen.
Das Naturresort Gerbehof zeigt auch, wie Hotellerie und Klimaschutz miteinander verbunden sein können. Besonders konsequent ist der Ansatz beim Thema Energie und Ressourcen. Miscanthus-Gras aus eigenem Anbau dient als Heizmaterial und Einstreu für die Pferde – und wird in Form von Pferdemist später wieder als Dünger auf den Feldern eingesetzt. Für die Bewässerung gibt es Regenwasserzisternen und einen eigenen Brunnen.
#4 My Arbor, Südtirol

Mit dem Projekt Agricoltura Pura hat das luxuriöse Wellnesshotel My Arbor bei Brixen eine Verbindung zur Landwirtschaft geschaffen, auch wenn sie nicht direkt an das Hotelgelände grenzt. Etwa 170 Kilometer entfernt, bei Albisano am Gardasee, werden rund 20 Hektar Land nach den Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft bewirtschaftet – als groß angelegte Permakultur mit Obst, Gemüse, Oliven, Getreide, Wein und Kräutern.
Im Mittelpunkt stehen gesunde Böden, Biodiversität und funktionierende natürliche Kreisläufe. Statt kurzfristiger Erträge setzt das Projekt auf langfristige Bodenfruchtbarkeit und Vielfalt. Die geernteten Produkte gelangen direkt ins Hotel: frisch verarbeitet in der Küche oder veredelt, um sie das ganze Jahr über nutzen zu können. So entstehen unter anderem eingelegtes Gemüse, Marmeladen, Konserven und hausgemachtes Öl.
#5 Gut Sonnenhausen, Bayern, Deutschland

Das Prinzip der Permakultur ist auch bestimmend für die Landwirtschaft auf Gut Sonnenhausen bei München. Wie uns Hotelgärtnerin Marie Louise Troll im Interview berichtet, ist das Konzept der Permakultur auch eine Antwort auf die Klimakrise.
“Wir beschäftigen uns seit Jahren mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasservorkommen und das vermehrte Auftreten von Extremwetterereignissen. Die Permakultur-Prinzipien helfen, die Landwirtschaft dafür stark zu machen.” – Gut Sonnenhausen
Der Garten von Gut Sonnenhausen umfasst rund 2.700 Quadratmeter Gemüseanbau, 500 Quadratmeter Küchenkräuter und zusätzlich 25 Hektar Natur rund um das Hotel mit Obst- und Nussbäumen. Um mehr darüber zu erfahren (oder auch Tipps für deinen eigenen Garten mitzunehmen) kannst du am kostenlosen “Gartentreff” des Hotels teilnehmen.
Über den Tellerrand hinaus – wenn Landwirtschaft mehr verändert als das Menü
Gerade in der wohlhabenden DACH-Region zeigen viele Hotels, wie viel Gestaltungskraft in einer eigene Landwirtschaft steckt. Doch wer beim Reisen wirklich über den Tellerrand blickt – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – erkennt: In anderen Teilen der Welt hat Bio-Landwirtschaft noch eine ganz andere Bedeutung. Hier geht es nicht nur um Geschmack, Qualität oder Transparenz, sondern um Existenzsicherung und echte Zukunftsperspektiven für lokale Gemeinschaften.
#1 The Pavilions Himalayas – The Farm, Nepal

The Pavilions Himalayas – The Farm wurde mit einer klaren Vision gegründet: lokalen Bauern den Übergang von konventioneller Landwirtschaft hin zum Bio-Anbau zu ermöglichen und anschließend ihre Existenz zu sichern. Auf den Feldern rund um das Resort wachsen saisonales Gemüse, Kräuter und es gibt Eier und Milch, die direkt in der nepalesischen Küche verarbeitet werden – frisch, pestizidfrei und im Einklang mit den Jahreszeiten. Typische Zutaten für Dal Bhat, Currys oder Momos stammen sogar direkt vom eigenen Land.
Noch wichtiger als die Ernte ist jedoch der Wissenstransfer. Lokale Bauern lernten neben dem ökologischen Anbau auch unternehmerische Grundlagen und versorgen heute eigenständig die Hotelküche mit Bio-Lebensmitteln und haben ein Einkommen für sich und ihre Familien.
Die Gründer des nepalesischen Eco-Resorts, Douglas und Insuba Maclagan, engagieren sich seit fast 30 Jahren in sozialen Projekten rund um Bildung, Gesundheit und Arbeitsplätze. Ihr Ansatz ist bewusst nicht profitorientiert: Ziel ist es vor allem, mit dem Tourismus eine positive Wirkung zu erzielen – für die Region, die Menschen und den gesamten Tourismussektor.
- Mehr über ihre beeindruckende Geschichte kannst du in unserem Blogbeitrag über Tourismus mit Impact
#2 Canvas & Orchids Retreat, Kambodscha

Im Canvas & Orchids Retreat, ein nachhaltiges Resort mit luxuriösen und zum Teil schwimmenden Zelt-Villen inmitten der Natur, beginnt Landwirtschaft im Kleinen. Und wirkt dennoch weit. Auf der eigenen Farm wachsen grundlegende Gemüsesorten wie Auberginen, Gurken sowie Kräuter für die tägliche Küche. Das reduziert Transportwege und garantiert Frische auf dem Teller.
Gäste unterrichteten Kambodschaner*innen in der Hühnerhaltung
Darüber hinaus bezieht das Retreat bewusst die Nachbarschaft und sogar die Gäste ein. Ein besonders schönes Beispiel: Wiederkehrende Gäste mit Erfahrung in der Geflügelzucht unterstützten lokale Familien beim Aufbau kleiner Hühnerfarmen – mit Know-how und Ausstattung. Diese Familien liefern heute Eier und Fleisch direkt an das Retreat. Dadurch, dass Gäste die Initiative ergriffen, entstand eine besondere Form der Farm-to-Table-Verbindung, die bis heute Existenzen erhält und lokale Strukturen stärkt.
Zurück zur Erde – und zu einem bewussteren Reisen
Die hier vorgestellten Green PearlsⓇ Hotels zeigen, wie Reisen wortwörtlich wieder erdender werden können. Wenn du sie besuchst, verbindest du dich nicht nur mit einem Ort, sondern auch mit dem, was dort wächst. Du siehst Gemüsepflanzen,riechst Kräuter, die zur Region gehören, und genießt Essen, das frischer kaum sein könnte.
Gleichzeitig unterstützt du mit deinem Urlaub in einem solchen Hotel Menschen, die Landwirtschaft mit Verantwortung betreiben – sei es in den Alpen, am Bodensee oder am Tatai River in Kambodscha. Genau darin liegt für uns nachhaltiges Reisen: bewusst genießen und der Natur etwas zurückgeben.
Speichere den Artikel auf Pinterest.





