500 Euro für eine Woche Urlaub inklusive Flug, Hotel und All-inclusive-Versorgung. Klingt nach einem Schnäppchen. Aber kann das überhaupt nachhaltig sein? Oder zahlt jemand (oder etwas) anderes den Preis dafür?
Kann man Nachhaltigkeit am Preis erkennen?
Die klare Antwort ist: Nein. Auch wenn wir Menschen dazu neigen, Qualität und eben auch Nachhaltigkeit an einem höheren Preis festzumachen. „Was mehr kostet, ist mehr wert“, ist es eine verbreitete Fehleinschätzung. Doch ein Blick auf aktuelle Daten bestätigt: So einfach ist es nicht.
Eine Studie des Umweltbundesamts von 2025 zeigt, dass es keinen klaren Zusammenhang zwischen Reisepreis und Nachhaltigkeit gibt.
Nachhaltigere Reisen sind mal günstiger, mal teurer. Eine systematische Preissteigerung aufgrund nachhaltigerer Maßnahmen, Unterkünfte oder Programmpunkte lässt sich nicht erkennen. Das liegt vor allem daran, dass Nachhaltigkeit nur einen geringen Teil der Gesamtausgaben ausmacht. Viel entscheidender ist, wie du reist: Kürzere Distanzen, andere Verkehrsmittel oder die gewählten Unterkünfte beeinflussen den Preis oft stärker als Nachhaltigkeitsaspekte selbst.
Besonders spannend: Reisende, für die Nachhaltigkeit ein entscheidender Faktor ist, geben im Schnitt sogar weniger Geld pro Tag aus!
„Der Preis ist nicht das Problem“
Prof. Harald Zeiss (Forschungsschwerpunkt Nachhaltiger Tourismus) sieht das ähnlich. Für ihn ist der Preis kein verlässlicher Indikator. Er sagt, das Bauchgefühl (dass z. B. bei der „grünen“ 500-Euro-Reise sagt, “das kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen”) könne täuschen.
Denn niedrige Preise entstünden nicht immer nur durch schlechte Bedingungen und Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt, sondern manchmal auch durch politische oder wirtschaftliche Rahmenbedingungen, etwa wenn Länder gezielt den Tourismus fördern.

Auch All-inclusive-Anlagen seien nicht automatisch unnachhaltig. Ein großer Teil des Geldes bliebe oft im Land. Mitarbeitende werden bezahlt und Lebensmittel kommen im besten Fall aus der Region.
Mit dem Megasaray Club Belek an der türkischen Riviera ist ein All-Inclusive-Resort Teil von Green PearlsⓇ geworden. Im Vordergrund siehst du hier eine riesige Hotelanlage mit allen Annehmlichkeiten (jede Menge Pools, Spa, verschiedene Restaurants, Fitness- und Sportanlagen, Strand …), doch im Hintergrund wird das nachhaltige Engagement deutlich: Strom kommt aus einem eigenen Solarpark, es werden regionale Produkte bezogen, die Grünanlagen sind größtenteils mit heimischen, dürreresistenten Pflanzen bepflanzt, Mitarbeitende werden fair behandelt und bezahlt.
- Wenn du noch mehr über die nachhaltigen Maßnahmen wissen willst, findest du sie auf der Mircosite vom Megasaray Club Belek untder den „grünen Initiativen“ aufgelistet.
Unser Fazit also? Billig heißt nicht automatisch unethisch. Und teuer ist noch lange kein Beweis für Nachhaltigkeit.
Aber…
… jetzt einfach das billigste Angebot suchen und ab gehts in den Urlaub? So einfach ist es auch nicht. Der Preis kann durchaus ein Hinweis sein. Vor allem, wenn er extrem niedrig ist für das, was darin enthalten ist (z. B. bei unserem Eingangsbeispiel der 500-Euro-Pauschalreise inkl. Flug, All-Inclusive-Verpflegung, etc.) Aber was ist „extrem niedrig“, was angemessen? Wir haben uns dafür an die Hoteliers aus dem Green PearlsⓇ Netzwerk gewandt und interessante Einblicke in die Preiskalkulation der Hospitality-Branche erhalten:
Wie setzt sich der Preis einer Urlaubsreise zusammen?

Ein großer Teil der Kosten für einen Urlaub entfällt (wenig überraschend) auf die faire Bezahlung von Menschen.
Marion Muller von der SANDcollection erklärt:
“Der wichtigste Kostenfaktor sind die Personalkosten, gefolgt vom Wareneinsatz – also Lebensmittel, Materialien und Produkte.”
Wenn ein Angebot extrem günstig ist, wird oft genau hier gespart. Das heißt:
- niedrigere Löhne für Mitarbeitende
- günstigere oder importierte Lebensmittel
- einfachere, billigere Materialien
- geringere Qualität bei Service und Ausstattung
Gastgeberin Marion meint, Verantwortung habe ihren Preis. Dies spiegele sich in der Unterkunft wider, etwa in der Qualität von Materialien, Lebensmitteln und Arbeitsbedingungen. Im SANDnature an der deutschen Ostsee schläfst du z.B. auf handgefertigten (und dadurch ziemlich teuren) COCO-Mat Betten aus Naturmaterialien, bekommst regionale Bio-Produkte zum Frühstück und das Personal wird fair bezahlt und erhält verschiedenste Benefits und Schulungen.
“Dumping Preise” bietet Marion Muller daher nicht an. Trotzdem gibt es eine Übernachtung mit Frühstück im SANDnature schon ab 99 Euro – günstig für einen beliebten Ferienort wie Timmendorfer Strand direkt an der Ostsee.
Die wichtigsten Preis-Bausteine für deinen Urlaub im Überblick
Der Preis einer Reise setzt sich in der Regel aus mehreren Komponenten zusammen:
- Transport (Flug, Bahn, Transfer – oft einer der größten Kostenpunkte, sowohl preislich als auch was die Nachhaltigkeit angeht)
- Unterkunft & Infrastruktur (Gebäude, Instandhaltung, Energie, Wasser)
- Personal (Service, Küche, Reinigung, Management – einer der größten Kostenpunkte in einem Hotel)
- Lebensmittel & Waren (regional vs. importiert, bio vs. konventionell)
- Nachhaltigkeitsmaßnahmen (z. B. Abfallmanagement, Zertifizierungen, Schulungen)
- Auslastung & Geschäftsmodell (Masse vs. Qualität, saisonale Schwankungen, Preisstrategie)
- Externe Einflüsse auf den Preis (z. B. staatliche Förderungen oder Subventionen, Weltgeschehen)
An jeder dieser Stellschrauben kann gespart oder bewusst investiert werden. Wenn du also ein extrem günstiges Angebot siehst, kannst du dir eine einfache Frage stellen: An welcher dieser Stellen wird vermutlich gespart, um dir diesen Preis anbieten zu können? Denn wie die Hoteliers im Green Pearls® Netzwerk übereinstimmend sagen:
Der Preis verschwindet nicht. Er wird nur verlagert.
Versteckte Kosten im Urlaub: „Einer zahlt immer“

Caroline Pescoll, die Nachhaltigkeitsbeauftragte der ADLER Spa Resorts & Lodges sagt: “Sehr günstige Angebote lassen oft vermuten, dass die echten Kosten an anderer Stelle entstehen.” Nachhaltigkeit bedeute eben auch, faire Löhne zu zahlen, in Umwelt- und Klimaschutz zu investieren und die lokale Wirtschaft zu stärken.
Ähnlich sehen es Johann Steinwender vom Schloss Lerchenhof im österreichischen Kärnten und das Team vom kroatischen Hotel Korinjak: Mit zu niedrigen Preisen, ließe sich ihr Engagement für faire Arbeit und regionale Wertschöpfung nicht umsetzen.
“Verantwortung hat einen Preis – nicht im Sinne von „teuer“, sondern im Sinne von fairen und realistischen Preisen, die Qualität, nachhaltiges Wirtschaften und regionale Strukturen ermöglichen.” – Johann Steinwender, Schloss Lerchenhof
Faire Löhne & Qualität: Woran nicht gespart werden sollte
Wie du jetzt weißt, entfällt ein großer Teil des Reisepreises auf Personal. Auch Lebensmittel bzw. Waren allgemein sind ein großer Kostenfaktor in Hotels. Hier zeigt sich oft, wie nachhaltig ein Angebot wirklich ist.
Ursula Wagner vom Naturresort Gerbehof am Bodensee spricht von „Wertschätzung“: für Mitarbeitende, für hochwertige Lebensmittel und für die Arbeit dahinter. Bio, faire Bezahlung und Qualität seien schlicht nicht zum Schleuderpreis möglich.
Der Meinung ist auch Gastgeber Alexander Thurm vom Hotel Das Rübezahl im Allgäu. “Extrem günstige Reisen können kaum nachhaltig sein”, sagt er. Neben fairen Löhnen und der regionalen Wertschöpfung sei es auch einfach die Qualität. Wenn man sich für hochwertige Produkte, die sich durch Langlebigkeit und Schadstofffreiheit auszeichnen, entscheide, sei dies besser für den Planeten, aber eben auch nicht billig.
Masse statt Klasse: Das Problem mit dem Billigprinzip

Günstige Preise funktionieren im Tourismus oft über das Prinzip „Masse statt Klasse“. Hierauf weist Marco Spiss von den Summit Lodges Pfunds hin. Seine zwei Ferien-Holzblockhäuser (mit eigener Sauna und Kamin) stehen mitten in der Natur im Tiroler Oberland, eine hoch touristische Region. Niedrige Preise seien meist nur durch hohe Auslastung und große Volumen möglich. Die bekannte Folge davon sei Overtourism. Im Interview spricht er darüber, wie dieser die Natur gefährdet und welche Möglichkeiten es gibt, den Tourismus in eine sanftere Richtung zu lenken.
Ben Förtsch vom Hotel Luise in Erlangen wird richtig deutlich:
“Billige all-you-can-fress-and-sauf Urlaube zerstören touristische Orte eher als sie zu fördern. In Hotelbunkern nur die Luft und die Sonne haben, aber nie das Gelände verlassen, kann nicht der Sinn vom Reisen sein. Es sollte für alle Menschen zugänglich sein, in Urlaub zu fahren. Doch das bedeutet nicht, dass Fliegen so billig sein sollte. Es bedeutet nicht billig, billig, billig.” – Benjamin Förtsch, Hotel Luise
Im Tourismus ist nicht nur aber auch der Preis ein Anhaltspunkt. Vielmehr solltest du dir bei der Auswahl deiner Reise oder deiner Unterkunft aber das System dahinter anschauen und darauf achten, wohin dein Geld fließt. Und das nicht nur bei Billigreisen, sondern immer!
Das SCHWARZWALD PANORAMA in Bad Herrenalb empfiehlt dir folgende Herangehensweise:
“Die entscheidende Frage sollte nicht sein: “Wie günstig kann ich reisen?“, sondern „Welchen Beitrag möchte ich mit meiner Reise leisten?“” – SCHWARZWALD PANORAMA
„Reisen darf erschwinglich sein“

Auch das Relais del Maro betont: “Reisen darf erschwinglich sein – aber nicht auf Kosten des Planeten.” Das 4-Sterne-Hotel wurde im kleinen Dorf Borgomaro in Ligurien als Albergo Diffuso errichtet. Das heißt, es ist auf mehrere ehemalige Wohn- und Geschäftshäuser des Dorfes verteilt. Der Tourismus ist hier kein Problem, sondern Teil der Lösung. Durch den Tourismus wurden die Bewohner vor Landflucht bewahrt, die leeren Gebäude bekamen eine neue Funktion. Das Dorf wurde bewahrt.
Mit einem Startpreis ab 115 Euro pro Nacht liegt das Relais del Maro deutlich unter dem italienischen Durchschnitt und das trotz der nachhaltigen Renovierung der Gebäude und den zahlreichen Maßnahmen rund um Regionalität und Umwelt. (Laut momondo kostet ein Doppelzimmer in Italien durchschnittlich zwischen 159 und 220 Euro pro Nacht).
Billigreisen auf Kosten der Menschen und Umwelt: Wann sollten deine Alarmglocken klingeln?
Zuletzt wollen wir auch noch darauf hinweisen, dass sich hinter Billigangeboten für Reisen teilweise auch Betrugsmaschen oder Ausbeutung verstecken. Bei der Verbraucherzentrale steht das Thema Reisen an 4. Stelle bei den Themen, wo Verbraucher*innen sich betrogen fühlen. Oliver Buttler, Reiseexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, erklärt z. B. gegenüber der Berliner Morgenpost, dass Leute immer wieder auf Fake-Angebote hereinfallen. Sie buchen und zahlen z. B. extrem günstige Flüge und müssen später feststellen, dass diese Flüge nie existiert haben.
Oft passiert dies über Seiten wie Skyscanner oder andere Drittanbieter, die keine Haftung für Betrugsfälle übernehmen. Oliver Buttler empfiehlt daher lieber direkt bei der Fluggesellschaft oder der Unterkunft zu buchen. So siehst du, dass es die Angebote wirklich gibt.
Direktbuchungen sind fair
Bei Green PearlsⓇ, einer Plattform für Unterkünfte, die ihr Engagement in den Bereichen Soziales, Umwelt, Energie, Lebensmittel etc. transparent und nachvollziehbar darstellt, empfehlen wir dir ebenfalls, die Unterkunft direkt auf der Hotelwebseite zu buchen.
Dadurch stellst du sicher, dass dein Geld komplett (also ohne den Abzug einer Provision) in der Unterkunft ankommt. Zum Teil wirst du vom Hotel auch mit einem kleinen Extra belohnt (z. B. ein Begrüßungs-Drink im Relais del Maro,ein kostenfreier Parkplatz im Klosterhof – Alpine Hideaway & Spa in Bayersich Gmain oder andere Nettigkeiten).

Red Flags bei Billigangeboten
Folgende Dinge sollten bei einer Reisebuchung ein Grund für dich sein, Nachforschung zu betreiben, besonders, wenn du eher nachhaltig unterwegs sein möchtest:
- Flug + Hotel + All-inclusive zu extrem niedrigem Preis
- unrealistisch perfekte Bilder + wenig echte Infos
- Druck („nur noch heute“, „letzte Plätze“)
- keine Infos zu Herkunft von Lebensmitteln
- keine Transparenz zu Arbeitsbedingungen
Wir würden dir auch empfehlen, auf Veranstalter oder Plattformen zu verzichten, die extrem unnachhaltige Reiseangebote wie z. B. “für ein Shopping-Wochenende nach New York fliegen”, “Skifahren in Dubai” oder “Elefantenreiten in Thailand” promoten. Hier hilft oft einfach der gesunde Menschenverstand, der dir sagt, ob dies eine vertretbare Form des Reisens ist oder nicht.
Verantwortung übernehmen für die eigenen Entscheidungen
Am Ende geht es nicht um billig oder teuer, sondern um die Wirkung deiner Reise. Du kannst bei Reisen unfassbar viel Geld ausgeben. Nach oben ist dem Ganzen kein Limit gesetzt. Um nachhaltiger zu reisen, musst du das allerdings nicht. Du kannst dich für ein günstigeres Hotel entscheiden, das sich für die Umwelt und die Region einsetzt. Und gleichzeitig kannst du auf den Billig-Flug verzichten und das teurere Bahnticket kaufen. Wichtig ist, dass wir unsere Reiseentscheidungen bewusst treffen und nicht einfach das Günstigste nehmen, weil es günstig ist.
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