Einst fuhr der Orient-Express bis nach Konstantinopel. Heute landest du in wenigen Stunden in Istanbul. Baklava, Basare, Bosporus. Und dazwischen: Weltgeschichte. Die Türkei ist ein Land, das sich nicht in ein einziges Bild pressen lässt. Zu viele Einflüsse, zu viele Landschaften, zu viele Geschichten treffen hier aufeinander, um es in einem Satz zusammenfassen. Wir versprechen dir: Hier gibt es mehr als Sonnenliegen und Erdogan! In unserem Green Travel Guide Türkei nehmen wir dich mit, wie du die Türkei nachhaltiger bereisen kannst und was das Land “off the beaten path” zu bieten hat.
Warum die Türkei so viele Reisende fasziniert
Die Türkei gehört seit Jahren zu den meistbesuchten Reisezielen weltweit – und das hat viele Gründe. Einer davon: Es vereint auf engem Raum so viele unterschiedliche Landschaften, kulturelle Einflüsse und Reiseerlebnisse. Gleich 22 Welterbestätten und 48 Nationalparks erwarten dich, was die Vielfalt schon anhand dieser beiden Beispiele verdeutlicht.
Zwischen Europa und Asien gelegen, war die Region schon früh ein Knotenpunkt für Handel, Migration und kulturellen Austausch. Diese Geschichte ist bis heute in Städten, in der Architektur, in der Küche und im Alltag spürbar.
Gleichzeitig ist die Türkei ein Land der Kontraste:
Morgens stehst du in einer Millionenmetropole wie Istanbul zwischen Moscheen, Märkten und modernen Cafés. Nachmittags schwimmst du im Mittelmeer oder wanderst durch antike Ruinen. Wenige Tage später findest du dich in kargen Berglandschaften oder weiten Hochebenen wieder
Diese Vielfalt macht die Türkei nicht nur für klassische Badeurlaube interessant, sondern auch für:
- Kulturreisen mit historischem Fokus
- Rundreisen durch unterschiedliche Regionen
- Aktivurlaub wie Wandern, Segeln oder Radfahren
- Bewusst langsamere Reisen mit mehr Zeit an einem Ort
- Kulinarisch geprägte Reisen, die die Vielfalt der türkischen Küche zeigen

Frage zum Einstieg: Ist ein Türkei-Urlaub politisch überhaupt “korrekt”?
In Deutschland ist die politische Führung der Türkei (Erdogan) sehr unbeliebt und man hört immer wieder mal, dass Leute nicht in die Türkei reisen würden, um “das Regime” nicht zu unterstützen.
Prof. Dr. Harald Zeiss (Schwerpunkte Nachhaltigkeit und Internationaler Tourismus) widerlegt diese Aussagen in der Süddeutschen Zeitung damit, dass das Geld speziell in der Türkei nicht in die Kasse der Machthabenden fließe, sondern vor allem in die Taschen der Menschen, deren Lebensgrundlage der Tourismus ist.
Er sieht die Aufgabe von Tourist*innen nicht darin, besserwisserisch zu politisieren und Menschen für ihre Regierungen zu bestrafen, sondern hebt hervor, dass Reisen ein Austausch ist. Sprich: Es bringe mehr, seine persönlichen Demokratie-Gedanken als Tourist*in mitzubringen und mit den Menschen vor Ort Dialog und Austausch zu suchen.
Vielfalt erleben: Regionen, Landschaften und Reisearten
Wenn du die Türkei bereist merkst du schnell: „Die Türkei“ gibt es so eigentlich nicht. Jede Region bringt ihre eigenen Besonderheiten mit. Landschaftlich, kulturell und kulinarisch.
Türkische Riviera: Mehr als Badeurlaub

Für viele beginnt die Reise in die Türkei an der Mittelmeerküste. Leider kommen die meisten Besucher*innen nicht über den Strand hinaus. Dabei hat die Türkische Riviera rund um Antalya und Belek noch mehr zu bieten als nur klassische Strandferien.
Oguz Mazlum vom Green Pearls® Partner Megasaray Club Belek bei Antalya hat uns einige Tipps zur Umgebung gegeben. Wegen des milden Klimas ist die Region besonders für Aktivurlauber*innen und Outdoorsport-Fans fast das ganze Jahr über eine Reise wert. Aber auch sonst hast du die verschiedensten Möglichkeiten, den Landstrich abseits der Strände zu erkunden.
Aktiv unterwegs zwischen Küste und Bergen
- Viele flache Küstenabschnitte für entspannte Radtouren
- Lange Strandspaziergänge mit Badepausen
- Ausflüge ins nahegelegene Taurusgebirge für Wanderungen, Mountainbike-Touren oder Kletterrouten
- Natur- und Kulturerlebnisse wie Wasserfälle oder historische Bauwerke (z. B. römische Aquädukte)
Kultur, Märkte und Handwerk

Auch jenseits der Küste lohnt sich ein Blick in die Städte und Orte der Region rund um Antalya. Märkte und kleine Werkstätten geben Einblicke in traditionelles Handwerk:
- handgefertigte Messer, Metallarbeiten und Schmiedekunst
- Textilien und Webarbeiten mit regionalen Mustern
- Alltagsgegenstände, die oft noch lokal produziert werden
Wenn du direkt bei den Produzent*innen kaufst, unterstützt du nicht nur lokale Einkommen, sondern trägst auch dazu bei, dass handwerkliches Wissen erhalten bleibt.
Hotel-Empfehlung für die Türkische Riviera: Megasaray Club Belek
Mit dem Megasaray Club Belek ist erstmals ein türkisches All-Inclusive-Resort in das Green PearlsⓇ Netzwerk eingetreten. Das Resort ist GSTC-zertifziert (Global Sustainable Tourism Council) und versucht durch verschiedenste Maßnahmen deinen Aufenthalt nachhaltiger zu gestalten.
Es liegt direkt am Strand und kombiniert klassische All-inclusive-Strukturen mit Maßnahmen, die den Ressourcenverbrauch im Blick behalten sollen. Dazu gehören unter anderem:
- Solarenergie aus einem eigenen Solarpark
- Ein bewussterer Umgang mit Wasser und Energie durch Monitoring und Sparmaßnahmen
- Regionale Lieferketten und Produzent*innen
- Verwendung regionaler Lebensmittel
- Förderung veganer Alternativen
- Einstellung und Förderung lokaler Mitarbeiter*innen
Das Resort findet es auch wichtig, dir als Gast die türkische Kultur näherzubringen und bietet beispielsweise Sprachkurse an.
Istanbul: Metropole zwischen zwei Kontinenten

Istanbul ist eine der faszinierendsten Metropolen dieser Welt und ist, wenn wir ehrlich sind, eigentlich eine eigene Reise wert.. Die Stadt kannst du sehr gut ohne Auto erkunden: zu Fuß, mit der Fähre und dem ÖPNV.
Unsere liebsten Istanbul-Picks aus der Redaktion
Bei einer Stadt mit über 15 Millionen Einwohnern kannst du freilich alles finden. Hier sind einige Green-Picks für dich für Orte, die du neben Hagia Sofia und Blauer Moschee noch entdecken kannst:
#1 Die berühmtesten Bahnhöfe der Türkei liegen beide in Istanbul: Der Sirkeci Bahnhof war Endstation des Orient-Express‘ und beeindruckt mit osmanisch geprägter Architektur. Der Haydarpaşa Bahnhof auf der asiatischen Seite liegt direkt am Wasser und war lange das Tor Richtung Anatolien (erbaut von einem deutschen Architekten).
#2 Rami Bibliothek: Ehemalige Kaserne, heute öffentliche Bibliothek (2023 eröffnet). Ein Ort für Studierende, Locals und alle, die eine ruhigere Seite Istanbuls erleben wollen.
#3 Kurukahveci Mehmet Efendi: Traditionsrösterei nahe dem Großen Basar. Perfekt für authentischen türkischen Kaffee zum Mitnehmen (auch als Mitbringsel gut geeignet)
#4 Vegan Dükkan Lokanta: Kleines, modernes Restaurant und Teil der wachsenden veganen Szene in Istanbul.
Antike Geschichte und Naturwunder in der Türkei: Zwischen Weltgeschichte und außergewöhnlichen Landschaften

Die Türkei ist nicht nur reich an Landschaften, sondern auch an Geschichte. Oft liegt beides erstaunlich nah beieinander.
Antike Stätten, die Geschichte greifbar machen
Orte wie Ephesos (antike Stadt an der türkischen Ägäisküste, altes Griechenland / römisches Reich, als Freilichtmuseum zugänglich), Troja (die sagenumwobene Stadt des Altertums, berühmt durch die Odyssee und den halbnackten Brad Pitt als Achilles), Pergamon (antike griechische Stadt) oder Göbekli Tepe (eine der ersten Kultstätten der Menschheitsgeschichte) gehören zu den bedeutendsten archäologischen Stätten der Welt.
Sie zeigen, wie viele Kulturen hier ihre Spuren hinterlassen haben – von der Jungsteinzeit bis zur Antike. Je nachdem, welche Ecke der Türkei du bereist, solltest du einen Besuch einer solchen historischen Stätte unbedingt in deine Reise integrieren.
Naturwunder und geschützte Landschaften

Neben Historie und Kultur prägt vor allem die Natur das Land. Wenn wir alle Highlights aufzählen würden, würde dieser Blog zu einem Buch werden. Daher stellen wir dir kurz unsere Highlights und Favoriten vor:
- Pamukkale: weiße Kalkterrassen, geformt durch mineralhaltiges Thermalwasser – ein zauberhafter Ort in Weiß und Türkis (coole Fotokulisse) und UNESCO-Welterbestätte
- Kappadokien: Tuffsteinlandschaften, Höhlenwohnungen und unterirdische Städte (kennst du die Influencer-Bilder mit den Ballons? Die sind dort entstanden. Was nicht heißt, dass du nur für ein Foto dort hinreisen solltest …)
- Nationalparks und Schutzgebiete: Es gibt in der Türkei zahlreiche Naturschutzgebiete mit sehr unterschiedlichen Ökosystemen
Unsere Green-Picks:
- Action: Saklıkent Milli Park ist berühmt für eine der tiefsten Schluchten der Welt.
- Wald: Yedigöller-Nationalpark mit Seen, Wald und Braunbären
- Berge: Aladağlar Nationalpark Hochgebirgsregion im Taurusgebirge mit Gletschern und schroffen Gipfeln – ideal für (erfahrene!) Bergsteiger*innen
- Birdwatching: Feuchtgebiete wie das Göksu-Delta oder das Kızılırmak-Delta gelten als wichtige Rastplätze für Zugvögel. Hier lassen sich je nach Saison Flamingos, Pelikane oder verschiedene Greifvögel beobachten
Wichtig dabei: Viele dieser Gebiete sind sensibel und beherbergen gefährdete Tierarten und Ökosystem. Bleib auf markierten Wegen und halte Abstand zu Tieren, so trägst du dazu bei, diese Lebensräume zu erhalten.
- Lies mehr zu dem Thema in unserem Blogbeiträgen: Tierschutz auf Reisen und Wildtiere im Urlaub beobachten

Wintersport in der Türkei: Ein unterschätztes Reiseziel
Was viele nicht wissen: In der Türkei kannst du auch Ski fahren. Regionen wie Erciyes bei Kayseri bieten moderne Skigebiete mit guter Infrastruktur und vergleichsweise langen Saisons. Am Vulkanberg Erciyes erwarten dich beispielsweise breite Pisten, weite Ausblicke und oft deutlich weniger Andrang als in den Alpen.
Hotel-Empfehlung: Megasaray Mount Erciyes

Direkt am Berg gelegen, bietet das Hotel Zugang zu rund 100 Kilometern Skipisten. Neben klassischem Wintersport stehen hier auch Komfort und Erholung im Fokus.
Wie auch im Megasary Club Belek an der Riviera zeigt sich hier ein Ansatz, touristische Angebote mit einem bewussteren Umgang mit Ressourcen zu verbinden, etwa durch effizientere Betriebsabläufe und die Lage direkt im Skigebiet, die zusätzliche Transfers reduziert.
Kulinarik: Zwischen Tradition und moderner Vielfalt
Die türkische Küche basiert stark auf saisonalem Gemüse, Hülsenfrüchten und frischen Kräutern. Die Bloggerin Jenni von Mehr als Grünzeug beschreibt ihre Reise 2017 so, dass sie zunächst vor allem „Fleisch, Fleisch, Fleisch“ wahrgenommen hat, dann aber positiv überrascht war, dass sie auch als Veganerin mit dem vielfältigen Angebot an Obst und Gemüse sehr gut zurechtkam. Märkte spielen dabei eine zentrale Rolle: „In dem Klima dort scheint nahezu alles zu wachsen“, schreibt sie. Selbst Bananen werden regional angebaut.
Fast zehn Jahre später hat sich die kulianrische Szene weiterentwickelt. Vor allem in Städten wie Istanbul gibt es zunehmend Restaurants, die pflanzenbasierte Gerichte anbieten oder traditionelle Speisen wie Lahmacun neu interpretieren. Auch Baklava (das traditionell mit Butter und Honig gemacht wird) gibt es teilweise als vegane Variante und wird dementsprechend ausgewiesen.

Wie schmeckt die Türkei?
Viele Gerichte basieren auf Gemüse wie Tomaten, Auberginen oder Paprika, kombiniert mit Olivenöl, Knoblauch und Kräutern wie Petersilie, Minze oder Dill. Türkische Gerichte sind oft würzig, aber nicht unbedingt scharf. Typisch sind kleine Vorspeisen, sogenannte Meze, die du oft teilst, dazu Fladenbrot und Joghurt als frische Ergänzung. Bekannte Gerichte wie Mante (handgemachte Nudeln mit Joghurt-Sauce), Dolma (gefülltes Gemüse) oder Gözleme (gefüllte Teigfladen) werden je nach Region sehr unterschiedlich zubereitet – genau das macht es spannend, sich durch das Land zu probieren.
Bewusster reisen in die Türkei: Tipps für Anreise und Mobilität
Mit dem Zug in die Türkei – die Anreise als Teil des Erlebnisses
Eine Anreise mit Bahn und Bus ist möglich, aber zeitintensiv. Von Mitteleuropa aus musst du mit rund 40 Stunden oder mehr rechnen – je nach Verbindung.
Optionen sind zum Beispiel:
- Verbindungen über Budapest oder Sofia
- der Optima Express ab Villach, bei dem du sogar dein Auto mitnehmen kannst
Diese Art der Anreise ist weniger eine schnelle Option, sondern eher ein eigenes Reiseerlebnis.
Vormerken: Mit dem Orient Express von Paris nach Istanbul

Du träumst davon, einmal selbst mit dem legendären Orient-Express von Paris nach Istanbul zu fahren? Die legendäre Zugstrecke wurde als Nostalgie-Luxus-Reise mit originalen Art-Deco-Zugwaggons wiederbelebt. Die nächsten Abfahrttermine stehen schon:
- September 2026
- Mai 2027
Buchbar ist die Zugreise bei Ameropa. Die 6-tägige Luxusreise ist mit über 21.000 Euro pro Person kein Schnäppchen, aber sicherlich ein unvergessliches Erlebnis 😉
Mit dem Flugzeug – bewusster entscheiden
Für viele von uns ist der Flug nach Antalya oder Istanbul die realistischste Wahl. Auch hier kannst du einige Aspekte berücksichtigen, um das Ganze etwas umweltfreundlicher zu gestalten:
- Direktflüge vermeiden zusätzliche Starts und Landungen sowie Kurzstreckenflüge (gerade innerhalb Europas; stattdessen: Rail-to-Fly-Optionen nutzen!)
- kurze Transfers (z. B. 30–35 Minuten nach Belek) reduzieren weitere Emissionen
- Shuttles teilen statt Einzeltransfers nutzen
- länger bleiben, statt mehrere Kurztrips zu machen
- Emissionen (als letzten Schritt) über seriöse Anbieter kompensieren
Bewusster reisen in der Türkei: Allgemeine Tipps für deinen Aufenthalt
- lieber länger an einem Ort bleiben statt mehrere Türkeiurlaube im Jahr
- regionale Anbieter und Produzent*innen unterstützen
- Unterkünfte nach konkreten Maßnahmen auswählen (erneuerbare Energien, Wassersparmaßnahmen, transparente Lieferketten)
- Hauptsaison entzerren und wenn möglich in der Nebensaison reisen
- Natur- und Kulturorte respektvoll besuchen und auf Tiere und Pflanzen achten
- lokale Küche entdecken statt importierte Produkte und globale Ketten zu bevorzugen
Fazit: Die Türkei neu und nachhaltiger entdecken
Die Türkei ist nah, vielfältig und voller Kontraste. Zwischen Küsten, Metropolen, antiken Stätten und Berglandschaften findest du eine enorme Bandbreite an Reiseerlebnissen.
Wenn du dir Zeit nimmst, genauer hinschaust und bewusste Entscheidungen triffst, kannst du das Land auf eine Weise entdecken, die über bekannte Klischees hinausgeht und gleichzeitig die Menschen und Regionen vor Ort unterstützt.
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